Goldhaariger Teufel

in Campus von

Neonpinke Röcke und goldig glitzernde Mäntel. Rap, Beatbox und die typische «Schtärneföifi»-Musik. Gigantische Kronleuchter im Königspalast und Lichtschwerter im düsteren Wald.  «Der Teufel mit den drei goldenen Haaren», ein Stück für Kinder ab sechs Jahren, bietet viel – und das innert kürzester Zeit. Im Schauspielhaus Zürich wird die Geschichte von Felix (Julian Anatol Schneider) erzählt, der mit einer Glückshaut geboren wurde. Diese sorgt dafür, dass alles, was er anpackt, gelingt. Als Prinzessin Scha-Scha (Elisa Plüss) auf Befehl ihres Vaters (Ludwig Boettger) nach einem geeigneten Heiratspartner Ausschau halten muss, ist Felix prompt zur Stelle. Um den boshaften König von sich zu überzeugen, wagt sich Felix in die Hölle.

Der Teufel (Christian Baumbach), dem er dort seine drei goldenen Haare klauen soll, erscheint wie eine dümmliche und komplett harmlose Imitation seiner selbst. Hier zeigt sich, dass die Vorführung primär auf Kinder ausgerichtet ist. Die Figuren sind übertrieben gezeichnet, es gibt Gut und Böse, für eine vielschichtigere Interpretation wird kein Spielraum gelassen. Die Dichte der Handlungen und die überladene Bühne schütten das Publikum darüber hinaus mit Eindrücken zu. Und so bleibt der Wunsch nach einem reduzierteren Konzept die ganze Vorführung über bestehen.

Löst man sich aber vom analytisch-kritischen Denken und versucht, das Stück mit Kinderaugen zu sehen, wird man gut unterhalten. Die Star-Wars-Rebellen, die Felix im Wald trifft, und deren obligate Witze wirken dann nicht mehr dramaturgisch unpassend, sondern sind tatsächlich lustig. Und dass Scha-Scha für ihre potentiellen Partner ein Songcasting veranstaltet, erscheint nicht mehr unlogisch, sondern einfach unterhaltsam. Schliesslich ist es für ein Familienstück, wie es im Schauspielhaus traditionell in der Weihnachtszeit aufgeführt wird, durchaus nicht selbstverständlich, dass es gängige gesellschaftliche Vorstellungen aufzuweichen versucht: Für eine Heirat mit Scha-Scha bewerben sich nicht etwa nur Männer, sondern auch eine Frau. Sie wird vom Publikum prompt begeistert als beste Kandidatin auserkoren.

«Der Teufel mit den drei goldenen Haaren»
(Regie: Meret Matter) läuft im Dezember 2016 und im Januar und Februar 2017 im Schauspielhaus Zürich.

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