Firmen präsentieren sich im ETH-Hauptgebäude den Studis (Bild: Ludwig Hruza).

Granaten und Krawatten

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Der VSETH bietet Rüstungsfirmen eine Plattform an der Polymesse.

Anfangs April fand die Polymesse an der ETH statt. Organisiert wird sie jeweils von einer Kommission des VSETH. Rund 120 Firmen hatten einen Messestand – und bezahlten dafür zwischen 3’000 und 8’000 Franken. Wer zusätzlich einen Vortrag halten will, muss 850 Franken hinlegen. Dies generiert dem Verband Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Mit Ruag,
Rheinmetall Air Defence und den Pilatus Flugzeugwerken waren drei Rüstungsunternehmen vertreten, die wegen Kriegsmaterial-Exporten in Krisengebiete schon mehrfach in der Kritik standen. Bei den Studierenden kamen die Konzerne trotzdem gut an. Der Stand von Rheinmetall war gut besucht und auch Ruag erfreute sich regen Interesses. Auf die Frage, ob sich das Organisationskomitee keinem Ethikkodex verpflichtet fühle, erklärte Polymesse-Präsident Lukas Möller: «Ich sehe mich nicht in der Position, meine Mitstudierenden bei der Berufswahl zu bevormunden.» Die Polymesse versteht sich als unpolitische Veranstaltung, so wie es die Statuten des VSETH vorsehen. Ob das mit dem bewussten Ausklammern ethischer Fragen vereinbar ist, lässt sich hingegen in Frage stellen.

Anzüge für 1’100 Franken

Neben den Rüstungsfirmen fiel noch eine weitere Firma speziell auf – aber aus ganz anderem Grund. Es handelte sich um den Kleidersponsor, der das
Organisationskomitee für die Messe mit massgeschneiderten Anzügen einkleidete. In den Augen des Komitees sind die Anzüge eine Notwendigkeit, um für den VSETH repräsentativ auftreten zu können. Gemäss der Schneiderei kostet ein solcher Anzug rund 1’100 Franken.

Früher bot die Polymesse dem Kleidersponsor deshalb für drei Tage einen gratis Messestand als Gegenleistung an. Weil ihm so aber Einnahmen von circa 10’000 Franken pro Jahr entgingen, verzichtete das Organisationskomitee ab 2013 auf die Massanzüge. Gewöhnliche Anzüge konnte das Komitee aber weiterhin kaufen und vom VSETH rückerstatten lassen. Dieses Jahr wurde dieses Privileg vom Spesen- und Entschädigungsausschuss erstmals nicht mehr bewilligt. Stattdessen sollten Anzüge aus eigenem Besitz getragen oder für maximal 350 Franken gemietet werden. So geht es aus der Budgetplanung hervor.

Im Programmheft der diesjährigen Polymesse taucht die Schneiderei trotzdem als offizieller Kleidersponsor auf. Sie versicherte, die massgeschneiderten Anzüge nicht vermietet zu haben. Es scheint also, als habe sich das Organisationskomitee nicht an die Spielregeln gehalten und sich über die Entscheidung des Spesen- und Entschädigungsausschusses hinweggesetzt – und das nur der schönen Kleider wegen. Präsident Möller möchte dazu keine Auskunft geben.

Erstmals auch als virtuelle Messe

Die Polymesse war dieses Jahr gut besucht. Als grosser Neuzugang war der US-amerikanische Tech-Konzern Apple dabei. Neu war auch, dass parallel zur
Polymesse eine virtuelle Jobmesse stattfand. Dort konnten Interessierte mit 16 Firmen über einen Chat oder Videocall interagieren, ohne dafür die Polymesse in Person besuchen zu müssen.

Auffallend an der Polymesse war, dass fast die Hälfte der vertretenen Firmen auf die Branchen Consulting, IT- und Finanzdienstleistungen entfiel. Laut Möller habe es sich als schwierig erwiesen, die Messe bunter zu gestalten. 2016 seien beispielsweise bewusst NGOs angefragt worden, mit dem Vermerk, dass Standkosten keine Rolle spielen sollten. Doch die Resonanz sei negativ ausgefallen, da NGOs meistens sowieso schon genügend Freiwillige hätten.

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