Sophia (links) und Felix wollen in Äthiopien helfen (Bild: Noemi Ehrat).

Grosse Pläne

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ETH-Studierende wollen Regenwasser in einer äthiopischen Schule nutzbar machen.

Zwei kleine Flaggen zieren den Hemdkragen von Felix Matschie: eine deutsche und eine äthiopische. Der Gründer der Organisation International Green Academy Ethiopia (IGAE) ist halb
Äthiopier und verbrachte sechs Schuljahre im ostafrikanischen Land. Nun studiert er Biologie an der ETH und will sich gleichzeitig für bessere Lernbedingungen für Schulkinder in Äthiopien einsetzen. Unterstützt wird Felix dabei von vier weiteren ETH-Studierenden, die alle Umweltwissenschaften oder Biologie studieren. Zu fünft reisten sie vor zwei Jahren nach Yayu in Äthiopien. Vor Ort wurde zusammen mit dem Bürgermeister, den Lehrkräften und den Schulkindern der erste Schritt ihres Pilotprojektes bestimmt.

Bevölkerung einbinden

Für eine nachhaltige Entwicklungsarbeit sei es essenziell, die Lokalbevölkerung nach ihren Prioritäten zu befragen: «Die besten Ideen kommen oft von der lokalen Bevölkerung selbst», so Philipp Aerni, Direktor des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit an der Universität Zürich. «Man muss den Leuten eine Stimme geben und diese dann auch ernst nehmen», sagt er. Aerni befürwortet die Hilfe im Ausland, merkt jedoch an: «Die Leute sollen mit ihren Kompetenzen helfen. Man sollte aber auch offen für die Fertigkeiten der Einheimischen sein.»

Das Ziel des Pilotprojektes in Yayu ist, die Regenwassernutzung zu verbessern. Bisher verfügt die Schule nämlich nicht über fliessendes Wasser. «Die nächste Quelle liegt über einen Kilometer entfernt. Für die Schulkinder bedeutet dies, dass sie sich weder die Hände waschen noch auf die Toilette gehen können. Essen nehmen die rund tausend Kinder von zu Hause mit», erzählt Felix.

Unesco als Vorbild

Dass die Regenwassernutzung als Thema gewählt wurde, ist kein Zufall. Es ist eine der fünf Säulen der Green Academy der Unesco. An deren Vorbild orientiert sich auch die IGAE. Neben der Regenwassernutzung sollen beispielsweise auch der Anbau eines Schülergartens, das Grau- und Schwarzwasserrecycling, die Gründung eines Jugendclubs und die Nutzung von erneuerbaren Energien umgesetzt werden. Bisher konnten die Zürcher Studierenden aber noch keines ihrer Projekte durchführen.

Erstes Projekt für 2020 geplant

Die Organisation sieht sich vor allem als Vermittlerin und nicht als Exekutive. Daher hat sie Masterstudierende der Universität der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba beauftragt, ein geeignetes Bebauungskonzept auszuarbeiten. Vom Ministerium haben sie zudem eine Teil-finanzierung erhalten. Nun sind sie für ihr Pilotprojekt auf der Suche nach weiteren Finanzierungsquellen. Einem Crowdfunding stehen sie skeptisch gegenüber: «Durch die unberechenbare innenpolitische Situation in Äthiopien können wir nicht garantieren, dass wir geplante Projekte in einem fixen Zeitraum umsetzen können», so Felix. Erste Priorität ist die Bebauung für die Regenwassernutzung im Herbst 2020. Denn sauberes Wasser ist absolut notwendig für das alltägliche Leben. Die Nutzung des Regenwassers ist aufgrund der starken Niederschläge während der äthiopischen Regenzeit äusserst sinnvoll.

Bei Erfolg des Pilotprojektes soll auch mit weiteren Schulen zusammengearbeitet werden. Für erste Ergebnisse wird die IGAE jedoch noch einige Zeit und vor allem Geld benötigen.

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