Laura Lee und Andreya Casablanca (v.l.n.r.) (Bild: Anton Schupp).

Gurr: Ein Miteinander und keine affektierte Rockshow

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Die Indie-Rock Band Gurr hat am vergangenen Dienstagabend in Zürich gespielt. Musik zum Mitsingen und Mittanzen – und die auch nicht versucht, absichtlich anders zu sein.

Der Bogen F in Zürich ist eine kleine Location. Eine Höhle mit Steinwänden von der Grösse, in der Bands wie «Die Toten Hosen» Wohnzimmerkonzerte spielen würden. Das Bier kostet sechs Franken. Eine Garderobe gibt es nicht. Man hängt seine Jacke einfach an eine Kleiderstange und stellt seinen Rucksack irgendwo hin. Eigentlich sehr sympathisch. Es ist laut. Der Bass dröhnt und hallt von den Wänden zurück. Heute spielt die deutsche Band Gurr hier.

Gurr, das sind die beiden Wahlberlinerinnen Andreya Casablanca und Laura Lee. Beide singen und spielen Gitarre, unterstützt von einer Bassgitarristin und einem Drummer. In der Schweiz sind sie nicht allzu bekannt. Vielleicht hat man sie schon als Vorband von Kraftklub bei ihrer «Keine Nacht für Niemand»-Tour gesehen. Dabei haben sie schon am SXSW Music Festival in Austin sowie eine BBC Maida Vale Session gespielt. Jene Session, wo schon Bands wie die Beatles oder Oasis von der BBC aufgenommen wurden.

Gurr nimmt sich selbst nicht zu ernst

Gurrs schnörkelloser Indie Rock macht Laune. Es ist Musik, zu der man tanzen will, zu der man sich wohlfühlt. In einem Coming-of-Age-Film, wäre es der Part, wo eine Clique zu fünft durch eine Sommernacht zieht, ihre alltäglichen Sorgen hinter sich lässt und alles möglich ist.

Dieses Gefühl kommt auch im Bogen F an. Es ist nicht wirklich voll – aber die Leute, die da sind, tanzen und haben Spass. Andreya erzählt Anekdoten von vorherigen Schweiz-Konzerten. Sie interagiert mit dem Publikum, bringt es zum Lachen, zum Tanzen und am Schluss auch zum Mitsingen. Man kauft Gurr ihre Musik ab. Sie versuchen nicht, wie viele Indie-Rock-Bands absichtlich anders zu sein, oder besonders clever und cool zu wirken. Einmal wechseln Laura und Andreya zwischen einem Song kurz Blicke aus und fangen an zu lachen. Sie nehmen sich selbst nicht allzu ernst, was live eine tolle Atmosphäre schafft, in der man sich wohlfühlt. Die Stimmung im Bogen F erinnert im positivsten Sinn an das Konzert einer heimischen Schülerband. Ein Miteinander und keine affektierte Rockshow.

Eingängig, aber nicht langweilig

Die bekanntesten Lieder von Gurr, «Hot Summer» und «Moby Dick», sind so eingängig, dass man das Gefühl hat, man hätte sie schon unzählige Male gehört. Aber nicht auf eine langweilige Art, sondern eben so, dass man mitsingen möchte – und mittanzt. Zum Ende der Show rennt Andreya Casablanca in ihrem weissen Kleid durch die Menge und tanzt. Würde der letzte Zug nicht in einer halben Stunde fahren, könnte dieser Abend noch einige Stunden so weitergehen.

Gurr, das steht übrigens für das Geräusch, das Tauben machen. Das Gurren.

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