(Bild: Netflix).

Hals über Kopf

von

Serie — In der Netflix-Serie «Feel Good» von und mit der kanadischen Komikerin Mae Martin geht es rasant zu und her. Die queere, von Selbstzweifeln geplagte Protagonistin Mae (Mae Martin) lernt nach einem Auftritt im örtlichen Comedy-Club die heterosexuelle George (Charlotte Ritchie) kennen – drei Monate später zieht Mae bei ihr ein. Doch die unbekümmerte Verliebtheit währt nur kurz: Per Zufall erfährt George von Maes vergangener Drogensucht. Mae beteuert, dass sie schon «seit Ewigkeiten» trocken sei, doch George zwingt Mae zum Besuch einer Gruppe anonymer Drogensüchtiger. Schnell stellt sich heraus, dass sich Mae nie gut genug fühlt, während George Mühe hat, Maes manischen Charakter zu akzeptieren. George wiederum verheimlicht ihrem Freundeskreis, dass sie Mae datet und lässt sie stattdessen im Glauben, dass sie einen Freund namens Jonathan Crenshaw habe.

Das erste Date, die Enthüllung von Maes Drogensucht und mehr wird bereits in die erste von sechs 25-minütigen Folgen gepackt. Unter diesem schnellen Erzähltempo leiden manchmal die Glaubwürdigkeit des Plots und die Charakterentwicklung. Dabei sind die Geschichte und Maes Charakter von den Erfahrungen der echten Mae Martin inspiriert, die sich als gender-fluid identifiziert und drogenabhängig war. Doch die Schnelligkeit zahlt sich an anderer Stelle aus, insbesondere bei der Komik, die vor allem durch klug konzipierte Szenen und gut geschriebene Dialoge zustande kommt. So etwa, als Maes Mutter (Lisa Kudrow), ihrer Tochter während eines Skype-Anrufs offenbart, dass sie eine Frühgeburt war –, «Deshalb stehen wir uns nicht nahe» – worauf Mae entsetzt fragt: «Wir stehen uns nicht nahe?»

Von diesem trockenen Humor und der feinfühligen Beschäftigung mit düstereren Themen lebt die Serie, was sie durchaus sehenswert macht. Letztendlich hält «Feel Good», was der Titel verspricht, und bietet nach einer emotionalen Achterbahnfahrt einen versöhnlichen Schluss. Nach dem Erfolg der ersten Staffel dürften sich Netflix und der britische Channel 4 zur Produktion einer zweiten Staffel entschliessen.

Die Serie «Feel Good» ist seit dem 19. März auf Netflix zu sehen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Systemrelevante Studierende

Seit dem Lockdown schiesst zivilgesellschaftliches Engagement aus dem Boden. Studierende sind daran

Noch nicht ausgespielt

Gesellschaftsspiele erleben ein Revival. Spieleerfinder Urs Hostettler und Spieleverkäufer Beat Liechti wissen
Gehe nach Oben