«Unsere Forschung ist häufig von der Natur inspiriert», sagt Roland Siegwart (Bild: zVg).

Herr der Roboter

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ETH-Prof Roland Siegwart baut Roboter, die die Arbeitswelt revolutionieren sollen.

Betritt man das Autonomous Systems Lab an der ETH, findet man sich in einem Parallel-Universum wieder. Nicht nur hängen von der Decke verschiedene Flugroboter, humanoide Maschinen stehen im Gang und wieder andere Robotik-Systeme warten auf ihren nächsten Einsatz. Herr dieses Reichs ist Professor Roland Siegwart. Der 60-Jährige leitet den Zweig des Instituts für Robotik und intelligente Systeme, der sowohl Serviceroboter als auch unbemannte Flugkörper entwickelt. «Wir nennen die Maschinen ‹autonome Systeme›, weil sie sich autonom in unbekannten Umgebungen bewähren», erklärt er.

Das Institut hat bereits mehrere bekannte Roboter erschaffen. Aktuell hat der Laufroboter «Anymal» aus dem Team von Professor Marco Hutter einen grossen Bekanntheitsgrad – der Roboter wurde entwickelt, um das Gehen auf unebenen und verschiedenartigen Terrains zu verbessern. Dabei ist er einem Hund nachempfunden, was den «Putzigkeitsfaktor» erhöhe, wie Siegwart sagt. «Unsere Forschung ist häufig von der Natur inspiriert.» Was nach dem Ausleben eines Kindheitstraums klingt, hat dabei pragmatische Ziele. Bei Projekten von Studierenden entstünden oft wilde Fragestellungen. So ist etwa Vertigo entstanden, ein Roboter, der Wände hochfahren kann. «Das ist für die Inspektion von Brücken praktisch.»

«Roboter sind nicht kreativ»

Diese autonomen Maschinen sollen in der Zukunft Arbeit von Menschen übernehmen. Aktuell betrifft dies vor allem die Industrie und die Landwirtschaft. «Roboter sollen in den Bereichen Arbeit übernehmen, in denen gar keine Menschen sein sollten», so Siegwart. Dies betreffe etwa Tätigkeiten, bei denen Arbeitende giftigen Dämpfen ausgesetzt würden.

Aus Siegwarts Sicht sind die Fortschritte im Bereich der Robotik unbedenklich. «Was wir heute erforschen, wird frühestens in zehn Jahren auf den Markt kommen», sagt er. Dabei seien die Gefahren nicht grösser als bei anderen Technologien. «Roboter sind bloss Werkzeuge, die uns helfen.» Vor Staubsaugerrobotern habe  auch niemand Angst. Von einem Universalroboter, der den Geschirrspüler ausräumt, seien wir aber weit entfernt. «Roboter sind nicht kreativ und können bloss ausführen, was programmiert wird.» Dass die rund 50 Roboter, die sich in Siegwarts Labor befinden, plötzlich die ETH übernehmen, sei also nicht denkbar.

Aufstehen lernen

«Die Schweiz wird von dieser Entwicklung profitieren», ist sich Siegwart sicher. Durch Roboter-Startups würden in der Schweiz viele Arbeitsplätze geschaffen. Dass dies in anderen Ländern nicht immer der Fall sein wird, ist sich der Forscher bewusst – etwa wenn die Suche nach Minen für einige die einzige Möglichkeit ist, Geld zu machen, und Roboter diese Arbeit übernehmen. Dennoch sieht Siegwart in einer Zukunft, in der Roboter mehr Aufgaben übernehmen, vor allem Positives. Der ganze Wandel geschehe relativ langsam. «Meiner Meinung nach kann sich die Gesellschaft daran anpassen.» 

Während Roboter heute vor allem Arbeiten in Lagerhallen übernehmen oder bei der Post Päckli sortieren, springen Menschen immer noch ein, wenn es kompliziert wird. Dass bei der Post nur noch Roboter angestellt seien, sei ein ferner Zukunftstraum. «Unsere Systeme haben sehr beschränkte Fähigkeiten.» Roboter könnten weder fühlen noch die Umgebung verstehen – Voraussetzungen, um unabhängig agieren zu können. «Künstliche Intelligenz ist über-
hyped», findet Siegwart. Es brauche die entsprechende Physik, von deren Entwicklung man noch weit entfernt sei. Unterdessen lernentausende Roboter im Labor von Prof Hutter erst mal, von selbst auf die Beine zu kommen, wenn sie hingefallen sind.

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