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Hilflosigkeit, Wut und Akzeptanz

in Campus von

«Post Traumatic» heisst das neue Album von Linkin Park-Sänger Mike Shinoda. Ein musikalischer Verarbeitungsprozess, in den auch viel Bekanntes eingeflossen ist.

Fast ein Jahr ist es her, dass Chester Bennington, Frontmann der amerikanischen Erfolgsband Linkin Park, sich das Leben nahm. Für viele Fans war es ein Schock, doch was in den Köpfen der Angehörigen oder anderen Bandmitglieder vorging, darüber konnte man bisher nur rätseln. Einen Einblick in das Innenleben der Betroffenen Jahr gibt nun der andere Linkin-Park-Sänger Mike Shinoda auf seinem Album «Post Traumatic», das gestern Freitag erschienen ist. «Post Traumatic» ist dabei nicht nur eine Ansammlung von Liedern, sondern erzählt viel mehr eine Geschichte, die exemplarisch für jeden Verlust steht. Von der Hilflosigkeit wenige Wochen danach («Place to Start») hinüber zur Wut auf den Selbstmord, aber auch auf die Selbstvorwürfe, die Situation nicht richtig eingeschätzt zu haben («Watching As I Fall» oder «About You»), bis hin zur allmählichen Akzeptanz der Situation («Running From My Shadow»).

keine Hymnen

Nach einem so starken Statement sah es lange Zeit nicht aus. Knapp drei Monate nach Benningtons Tod sang zwar gefühlt die halbe musikalische Westküste am «Celebrate Life»-Konzert eine dreistündige Show Benningtons Ehren, aber danach wurde es still um Linkin Park. Die Tournee des noch im Frühjahr 2017 erschienen Albums «One More Light» wurde abgesagt und abgesehen von einem One-More-Light-Life-Album, das vergangenen Dezember erschien, wuchs mediales Gras über die Sache.

Dass Shinoda sich nun bereits knapp ein Jahr danach zurückmeldet, ist also durchaus nicht selbstverständlich. Umso erstaunlicher ist es, wie authentisch das Album wirkt. «Post Traumatic» hat keine Hymnen, keinen pompösen Instrumental-Gebrauch, ist aber alles andere als simpel. Die Komplexität des Trauerprozesses, eben jener «posttraumatischen» Lebensphase zeigt sich in Shinodas lockerem Umgang mit den Mitteln moderner Pop- und Rapmusik und in Songtexten, die das Offensichtliche ansprechen und doch nie banal werden. Vielleicht ist es genau das, was «Post Traumatic» zu einem starken Stück Musik macht: Der absolut subjektive Blick auf den Verlust eines nahestehenden Menschen, der bei genauerem Hinhören doch jedem irgendwie bekannt vorkommt.

Doch so artistisch und lobenswert Shinodas «Post Traumatic» auch ist, es schwingt dennoch jener melancholische Moment mit, bei dem man auf das Einsetzen von Benningtons Stimme wartet – und er einfach nicht kommt.

 

 

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