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Nur etwa 80 Leute studieren Wirtschafts-chemie. Diesen winkt allerdings eine goldene Zukunft.

«Wenn einen Chemie nicht wirklich packt, wird es schwierig», gibt Andrea Brütsch zu. Er ist einer unter circa 80 Studierenden, die an der Universität Zürich  in einem schweizweit einzigartigen Studiengang Wirtschaftschemie im Bachelor studieren. Im Master verringert sich die Zahl auf etwa 35 Studierende. «Dadurch, dass wir so wenige sind, kennen wir uns dafür alle», meint Brütsch. Gerade während langen Nachmittagen im Labor habe man genügend Zeit, sich kennenzulernen. Aber anspruchsvoll sei das Studium durchaus: Im zweiten Jahr verbringen die Wirtschaftschemikerinnen und -chemiker jeden Nachmittag von  14  bis 18 Uhr im Labor – da leuchtet es ein, dass es für solche mit mangelndem Interesse zäh wird.

Studierende der Wirtschaftschemie folgen einem strikten Plan, der etwa der Zusammensetzung des Hauptfaches Chemie mit Wirtschaft als Nebenfach entspricht. Das Studium ist dabei nur als Monofach wählbar. Auf Bachelor-Stufe werden keine eigenen «wirtschaftschemischen» Module angeboten, die Studierenden belegen Kurse gemeinsam mit den Chemie- und Wirtschaftsstudierenden. Doch die strikte Struktur der ersten zwei Studienjahre stört Brütsch nicht. «Natürlich freue ich mich auf mehr Wahlfreiheiten im Master. Aber durch die beschränkte Wahl im Bachelor wählt man später eher sinnvolle Fächer.» 

Gut vernetzt

Die Masterarbeit wird in der Wirtschafts-chemie, ähnlich wie in der Informatik, sehr nahe an der Wirtschaft geschrieben: Die neun Monate dauernde Forschungsarbeit wird in einem Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich verfasst. Dass die Masterarbeit auf diese Weise verfasst wird, erstaunt nicht, ist der Studiengang doch generell relativ praxis- und wirtschaftsorientiert. «Chemiefirmen haben das Problem, dass sie entweder Chemikerinnen einstellen, die sie dann aber im wirtschaftlichen Bereich schulen müssen. Oder sie beschäftigen umgekehrt Ökonomen, denen dann allerdings das chemische Fachwissen fehlt», erklärt Brütsch. Genau diese Lücke soll der Studiengang Wirtschaftschemie füllen. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt fällt Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs somit vergleichsweise leicht. «Dass wir so wenige sind, hilft bestimmt», meint Brütsch, denn dadurch gebe es weniger Konkurrenz. Somit werden während der Masterarbeit nicht nur erste Arbeitserfahrungen gesammelt, sondern auch die späteren Jobaussichten gefördert, denn viele Studierende können bei der jeweiligen Firma bleiben. Die gute Vernetzung auch mit den Alumni ist demnach nützlich: «Dadurch findet man eher ein Praktikum bei einer Firma, bei der man später vielleicht die Masterarbeit schreiben kann», so Brütsch.

Chemie für Forschungsunbegeisterte

Während die Masterarbeit relativ berufsnah umgesetzt wird, können die Studierenden zwischen einer theoretischen Bachelorarbeit oder einer im Labor im Bereich Chemie oder aber einer spezifischeren wirtschaftschemischen wählen. Brütsch selbst bevorzugt den chemischen Teil des Studiums. «Die Wirtschaftsvorlesungen sind anonymer, und die Prüfungen fragen eher Auswendiggelerntes ab.» Er habe sich aber für diesen Studiengang und nicht etwa für Chemie entschieden, weil er sich keine Zukunft in der Forschung oder nur im Labor vorstellen könne. «Dank meinem Studium habe ich zwar das chemische Fachwissen, kann danach aber einen Bürojob machen.»

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