(Bild: Gage Skidmore, Creative Commons)

Immer dieser Trump

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«Donald Trump ist der neue Präsident der USA», steht da auf dem grössten Bildschirm des Times Square geschrieben. Der Film beginnt mit der Nacht der Wahl und der Enttäuschung von «Team Hillary». Trump hat die Wahl gewonnen und Moore stellt die Frage: «How the fuck did this happen?»

«Es waren die Russen», erklärt uns Moores Off-Stimme, die alle Bilder kommentiert. Eine Argumentation für die Verwicklung der Russen in den amerikanischen Wahlprozess aufzubauen, das ist etwas worauf der Film dann doch lieber verzichtet. Stattdessen redet Moore lieber minutenlang darüber wie unheimlich doch Trumps Beziehung zu seiner Tochter Ivanka ist. Auch die Medien seien Schuld. Die hätten ja nur über Trump berichtet. Und sicherlich ist an dieser Aussage auch einiges dran, allerdings fehlt die Selbstironie zu sagen, dass man gerade selbst einen ganzen Kinofilm über Trump gemacht hat.

Zugegebenermassen ist die Dramaturgie des Filmes effektiv darin, das Interesse des Zuschauers zu halten. Zugleich ist die Bildsprache aber auch extrem manipulativ. Der Film bevorzugt es, stark zu emotionalisieren und Fakten simpler darzustellen als sie es sind. Ständig hat man das Gefühl, dass man das, was man hört und sieht, nicht wirklich glauben kann. Bizarr ist aber, dass «Fahrenheit» gar nicht so sehr von Trump handelt. Trump wird eher zur Randnotiz, welche aufgegriffen wird,  wenn Moore uns wieder daran erinnern muss, wie blöd er ihn findet. Stattdessen versucht Moore ein allgemeines politisches Klima der USA vor den Wahlen abzubilden. Dies tut er, indem er frühere Themen aus seiner Filmografie wieder aufgreift wie die 9/11-Anschläge, Amokläufe in US-Schulen und seine Heimatstadt Flint, Michigan.

Daher ist man auch überrascht, wenn Moore am Ende die Kehrtwende macht und beginnt Hitler-Trump Analogien zu machen. Er geht sogar so weit zu behaupten, dass Trump innerhalb der nächsten Monate durch einen staatlichen Coup eine Diktatur in den USA installieren wird. Nach so einer Behauptung erscheint die hoffnungsvolle Note am Ende des Filmes nur unverdient und fehl am Platz.

«Fahrenheit 11/9» des amerikanischen Produzenten Michael Moore läuft seit dem 11. Oktober im Kino.

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