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Immer mehr fremdes Geld

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Die Universität Zürich setzt zunehmend auf Drittmittel. Bringt das die Freiheit von Forschung und Lehre in Gefahr?

In den letzten Jahren ist der Anteil von Drittmitteln im Budget der Universität Zürich kontinuierlich gestiegen. Belief sich ihr Betrag 2010 noch auf 202.4 Millionen, waren es letztes Jahr bereits 303.6 Millionen Franken. Das entspricht rund 22 Prozent des universitären Budgets. Und mehr als ein Drittel der externen Gelder stammt von privaten Stiftungen und aus der Privatwirtschaft.
Angesichts ihrer grossen Bedeutung stellt sich die Frage, wie sehr die Drittmittel der Freiheit von Forschung und Lehre in die Quere kommen.

Grafik: Laura Cassani
Grafik: Laura Cassani

Mehr Transparenz

Die Unabhängigkeit der Forschung ist laut Bernhard Joehr, Leiter des Drittmittelmanagements an der Universität Zürich, das oberste Gebot: «Um das sicherzustellen, müssen beispielsweise sämtliche Rechtsgrundlagen ab einem Gesamtwert von über 10’000 Franken schriftlich abgeschlossen und vor Unterzeichnung geprüft werden.»
In jüngster Zeit erregten allerdings Geheimverträge die Gemüter, welche die Unabhängigkeit der Forschung tangierten. Der deutsche Pharmakonzern Merck Serono zahlte der ETH Lausanne beispielsweise 12.5 Millionen Franken für drei Lehrstühle und erkaufte sich angeblich das Recht, Vorbehalte gegen wissenschaftliche Arbeiten anbringen zu dürfen.
Die Forderung nach mehr Transparenz wurde in der Folge immer lauter. So laut, dass UZH-Rektor Michael Hengartner in der SRF-Rundschau einräumen musste, dass in Bezug auf die Transparenz von solchen Verträgen bei Schweizer Universitäten klarer Handlungsbedarf bestehe. Auch die Unversität Zürich hatte 2012 einen Vertrag mit der UBS von über 100 Millionen Franken erst im Nachhinein veröffentlicht. Hengartner gelobte Besserung. Trotzdem besteht immer noch viel Spielraum für die Hochschulen. Gemäss der Fundraising-Verordnung der UZH ist es Geldgebenden zum Beispiel nach wie vor möglich, anonym zu bleiben.

Strikte Trennung

Durch das Sparpaket, welches jüngst von der Zürcher Kantonsregierung beschlossen wurde, muss die Universität Zürich jährlich vier Millionen Franken sparen (ZS #4/16). Joehr betont aber, dass die universitäre Rechnung strikt von der Drittmittelrechnung getrennt werde. Die Drittmittel seien generell als blosse Zusatzmittel zum Budget der Universität zu sehen. «So ermöglichen sie der Universität eine zusätzliche Profilierung. Und weil neue Erkenntnisse aus drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten systematisch in die Lehre einfliessen, profitiert diese unmittelbar davon», meint Joehr. Aus diesem Grund würden Drittmittel auch vermehrt forciert.
Joehr bestreitet zwar, dass die über die Fakultäten ungleich verteilten Drittmittelbeträge zu asymetrischem Wachstum führen. Trotzdem fällt auf, dass in naturwissenschaftliche Fächer sehr viel mehr Gelder fliessen als in sozial- und geisteswissenschaftliche. So nahm die Medizinische Fakultät im Jahr 2015 beispielsweise 139.8 Millionen Franken durch Drittmittel ein. Im Vergleich dazu erhielt die Philosophische Fakultät mickrige 39.7 Millionen Franken.
Es steht ausser Frage, dass Drittmittel ihre Berechtigung haben, denn sie stärken die finanzielle Position der Universität, was letztlich der Forschung zugutekommt. Dass die Öffentlichkeit erfährt, woher die Gelder kommen und wohin sie fliessen, sollte hingegen zur Selbstverständlichkeit werden.

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