Sehenswert: Der Uraniaturm neben den Bahnhofstrasse. (Bild: Denisa Vitovà)

In die Sterne verguckt

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Die Urania Sternwarte steht im Herzen Zürichs. Dort gibt es weit mehr zu sehen als den Himmel.

Der Boden knarrt und das Dach dreht sich. Dann sieht man durch einen Spalt in der Kuppel den Nachthimmel. Auch wenn Wolken die Sterne verdecken, lohnt sich der Besuch in der Urania-Sternwarte. Denn das Observatorium besitzt seinen ganz eigenen Star: das zwölf Tonnen schwere Teleskop, das zehn Meter tief im Boden und auch in Zürichs Geschichte tief verwurzelt ist. Seit 100 Jahren schraubt sich sein Sockel durch die Mitte des 50 Meter hohen Turms. Auch die Handhabung des Teleskops mutet historisch an, da es immer noch von Hand bedient wird. Angeschafft wurde es vor allem für die Stadtbevölkerung, der es bis heute als Verbindung zum Weltall, zum Uetliberg oder zur Bahnhofsstrasse dient.

Die erste Frau in der Sternwarte

Obwohl das Teleskop das wichtigste Instrument der Sternwarte ist, wird das Observatorium erst durch die Leidenschaft des Personals zum Erlebnis. «Schon als Kind sass ich auf dem Balkon mit einem kleinen Fernrohr», sagt die Astrophysikerin Dr. Lucia Kleint. Sie ist die erste Frau, die in der Sternwarte Urania als Demonstratorin arbeitet. Hauptberuflich leitet sie das grösste Sonnenteleskop Europas auf Teneriffa, wo es nachts so dunkel ist, dass sie die Milchstrasse vom Wohnzimmer aus sehen kann. Trotz des zu starken Stadtlichts kehrt sie mehrmals im Monat in die Urania zurück, um Zürich die Sterne näher zu bringen. Dem Publikum erklärt sie dann etwa, wieso ein Teelöffel Neutronensterne so schwer wie der Mount Everest ist und warum theoretisch Milliarden von intelligenten Lebewesen im Weltall leben könnten.

Sich in die Astronomie verlieben

Ob Kleint denn als Astrophysikerin an Horoskope glaube? «Nein», lacht sie und erläutert, dass die astrologischen Sternzeichen nicht  mit der den astronomischen Tatsachen übereinstimmen. «Wenn sich jemand als Löwe bezeichnet, bedeutet das eigentlich, dass die Sonne zum jeweiligen Geburtsdatum im Sternbild des Löwen stand. So wurde das bereits in der Antike bestimmt.» Allerdings verschiebe sich dieses Verhältnis wegen der Taumelbewegung der Erdachse etwa alle 2’000 Jahre um ein Zeichen zurück.

Wer etwa Ende Juli geboren ist, sollte sich also als Krebs bezeichnen, nicht als Löwe. Doch diese nüchterne Feststellung scheint der Faszination des Universums keinen Abbruch zu tun, wie die zahlreichen Paare auf der Suche nach Romantik bestätigen. Sie schauen und hören gespannt zu, wenn Kleint auf einem Bildschirm die von einem Satelliten aufgenommenen Fussspuren der Astronauten auf dem Mond zeigt. «Dort weht kein Wind», erklärt Kleint. «Deshalb bleiben sie für immer.»

Ab zu den Sternen

Einen bezaubernderen Ort, um sich zusammen oder allein in die Astronomie zu verlieben, findet man in Zürich nicht. Zudem eignen sich die kommenden Wintermonate besonders gut zur Beobachtung spannender Himmelsphänomene. Vor dem Besuch sollten allerdings die Mondphasen beachtet werden. Die beste Sicht bietet sich bei zunehmendem Halbmond. Aber auch bei schlechter Sicht gibt es in der Urania Sternwarte Interessantes zu erfahren: zum Beispiel, dass eine Supernova auf der Schweizer 20er-Note kodiert ist.

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