Kämpfer für Gerechtigkeit: Bruno Manser (Bild: Alberto Venzago/Bruno Manser Fonds)

Kampf gegen die Mühlen der Macht

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Auf Borneo kämpft der Bruno Manser Fonds für die Rechte und den Lebensraum der indigenen Bevölkerung. Eine neue Publikation zeigt die Ohnmacht der Organisation im malayischen Bundesstaats Sarawak auf.

«Der Erfolg in Sarawak ist unter Null», musste Bruno Manser 1999 ernüchtert und enttäuscht bilanzieren. Nach fast einer Dekade des Kampfes seines Fonds gegen die ausbeuterische Abholzung des Regenwaldes im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf Borneo ist dies eine traurige Zusammenfassung. Manser lebte vor der Gründung des Fonds sechs Jahre mit dem Stamm der indigenen Penan und kämpfte mit ihnen gegen die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes durch Bulldozer und Motorsägen. Gegen eine Übermacht, die sich von Blasrohren und Strassenblockaden kaum behindern liess. Ein Jahr später verschwand Manser im Regenwald spurlos und niemand kann sagen, ob er verunfallte, sich das Leben nahm, oder gar Opfer seiner Gegner wurde.

Aufklärung als Waffe

Der Bruno-Manser-Fonds (BMF) führt seither dessen Mission fort. Indem er beispielsweise die indigene Bevölkerung bei der Kartierung ihres Landes unterstützt und damit die Einreichung von Landrechtsklagen ermöglicht. Die Lancierung internationaler Kampagnen zur Aufklärung oder Studien zum Thema gehören ebenso ins Arsenal. Das vom Fonds herausgegebene und vom operativen Leiter der Organisation, Lukas Straumann, verfasste Buch «Raubzug auf den Regenwald» will die Strukturen offenlegen, die aus Sarawak einen hochgradig korrupten Staat machen, an dessen Spitze Taib bin Mahmud steht.

Überbordende Machtfülle

Der 77-jährige Potentat ist seit 50 Jahren Minister und seit 1981 Regierungschef des malayischen Bundesstaates Sarawak. Er ist, so Straumann, hauptverantwortlich für die Schrumpfung des Primärwaldes um über 90 Prozent und dem damit einhergehenden Verlust des gemeinsamen Lebensraumes von Mensch, Tier und üppiger Pflanzenwelt. Taib, dessen Vermögen auf 15 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, geniesst nahezu uneingeschränkte Macht und der Staat ist de facto in seinem Privatbesitz. Straumann zeigt in zehn Kapiteln, unter anderem mithilfe eines Whistleblowers, in der Sprache des investigativen Journalismus auf, wie Taib Strukturen erschaffen konnte, deren Zentrum er als wesentlicher Entscheidungsträger und Profiteur in allen Bereichen ist. Leidtragende sind alle, die nicht Günstlinge Taibs sind – zuvorderst die indigene Bevölkerung. 

Durchzogene Bilanz

Zahlreiche Fotografien zeigen Artenvielfalt und ursprüngliches Aussehen des Regenwaldes im Kontrast zu den geschundenen Wäldern und grünen Wüsten der Ölpalmen-Monokulturen.  Fotografien und Infografiken bilden zusammen mit einem flüssig und spannend zu lesenden Text eine leicht nachvollziebare Analyse eines Politikers und seines Clans, der im Namen des Geldes vor keinen Mitteln zurückschreckt. Und dessen kriminelle Machenschaften die internationalen Gemeinschaft trotzdem nicht konsequent zu verhindern versucht. Der BMF steht mit seinem Kampf fast alleine da und Straumann gesteht ein, dass zwar Erfolge vorzuweisen sind, die erhoffte Umkehr aber am ehesten das Ableben oder die Abwahl Taibs wird bieten können. So muss die Offenlegung der mafiösen Wirtschaft Sarawaks, die unter dem Schutzmantel eines korruptionsfördernden Alleinherrschers waltet, auch als eine über 300 Seiten starke, erschütternde Ohnmachtserklärung verstanden werden.

Lukas Straumann: Raubzug auf den Regenwald – Auf den Spuren der malaysischen Holzmafia. Erschienen im Salisverlag, Preis: CHF 34.50. Erhältlich im Buchhandel oder im Shop des Bruno Manser Fonds.

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