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Keine Zeit für Sicherheit

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Ein Amoklauf im Hauptgebäude und niemand merkt es? Das wäre ein Horrorszenario, theoretisch aber möglich. Aus diesem Grund hat sich die Abteilung für Sicherheit und Umwelt genau dieser Problematik angenommen.

«Safezone» ist eine von der Universität angebotene App, mit der sich mittels einiger Knopfdrücke ein Notruf auslösen lässt, sei es wegen eines Brandes, eines Amoklaufs oder gar eines terroristischen Anschlags. Die Abteilung Sicherheit und Umwelt der Universität würde in diesem Fall sofort andere Safezone-Nutzerinnen und -Nutzer darüber informieren, woher der Notruf abgesetzt wurde. Ausserdem weist einen die Benachrichtigung, wie man sich an welchem Standort verhalten soll. Hört man sich allerdings im Lichthof um, ist schnell klar: Nicht auf einem von 20 Smartphones ist die App installiert. Die befragten Studierenden und Dozierenden geben an, sich an der Uni sicher zu fühlen. Auch die Abteilung Sicherheit und Umwelt teilt diese Meinung, mahnt aber, dass hier ein anderes Sicherheitsverständnis als in anderen Ländern und Hochschulen herrsche. Solange nichts passiert, müsse man auch nicht handeln, scheine die Mentalität der Studenten zu sein.

Unwissen und Desinteresse

Safezone wird schlicht zu wenig Beachtung geschenkt. Die breite Masse scheint sich so sehr auf die bestehenden Sicherheitsmassnahmen in Form von Lautsprechern und Informationsbildschirmen zu verlassen, dass die Verwendung einer Smartphone-App überflüssig wird. Diese Selbstverständlichkeit der Kommunikation bei Notfällen an der Uni kann aber auch damit begründet werden, dass die Studierenden nicht genug informiert werden wollen, gaben die meisten bei der Umfrage doch an, gar kein Interesse an einer Notfall-App zu haben. Trotz Werbung für Safezone, beispielsweise in Vorlesungen oder via E-Mail-Newsletter, wissen nur wenige, was genau hinter diesem Begriff steckt.

Das spiegelt sich auch auf den Gängen des Hauptgebäudes wider. Während der erstsemestrige Anglistik-Student beim Begriff Safezone in tiefe Unwissenheit fällt und einen fragenden Blick aufsetzt, hat die BWL-Studentin im fünften Semester die App nicht heruntergeladen, weil sie sich an der Uni sicher fühlt. Die drittsemestrige Jura-Studentin meint hingegen, dass sie «keine Zeit» habe, um sich über hypothetische Amokläufe den Kopf zu zerbrechen. Die Abteilung für Sicherheit und Umwelt der UZH teilt mit, dass nur knapp 10 Prozent der UZH-Angehörigen die Notfall-App installiert haben, das Ziel sei aber bei 20 Prozent angesetzt. So tragisch scheint es allerdings nicht zu sein, dass die Zielquote noch nicht erreicht ist. Das Sicherheitsnetz der UZH sei mit grossen Informationsbildschirmen und Lautsprechern gut gegen Notfälle gewappnet, die App solle lediglich als Unterstützung dienen. Die Universität versucht trotzdem weiter, auf die App aufmerksam zu machen, beispielsweise in Form von Roll-Ups an verschiedenen Standorten. Die App werde laufend weiterentwickelt, um ihren Nutzen und damit auch ihre Verbreitung zu verbessern. Man ist davon überzeugt, dass eine Notfall-Information via Handy, welches alle praktisch jederzeit mit sich tragen, ein ideales Kommunikationsmittel sei.

Lieber auf Holz klopfen

Letzterem würde wohl jede und jeder Studierende zustimmen. Aber in Wahrheit landet die Mini-Erleuchtung und die Idee zum Download auf demselben Abstellgleis wie die Neujahrsvorsätze. Solange die Studierenden keinen Anlass sehen, ihren App-Store zu öffnen und sich das kostenlose Programm herunterzuladen – sei dieser Anlass nun genug Werbung oder ein kleinerer Notfall – werden die Downloadzahlen von Safezone wohl weiterhin unter dem angestrebten Ziel herumdümpeln. Dass dreimaliges auf-Holz-Klopfen abertausenden Downloads weichen wird, bleibt zu bezweifeln.

 

 

 

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