Die neue Bibliothek der Uni Birmingham wird auch mit Studigeldern finanziert (Bild: Yves Périllard).

Kredit für Credits

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In England sind die Studiengebühren horrend geworden.

In Grossbritannien steigen die Studiengebühren. 1998 wurden sie eingeführt: Zwanzig Jahre später müssen Studierende tief in die Tasche greifen. An fast allen Universitäten kostet das Bachelorstudium heute über über 11’000 Franken pro Jahr. Masterstudierende werden häufig sogar noch stärker zur Kasse gebeten.

Unis wollen mehr Geld

Um die Tür zur Hochschulbildung trotzdem allen Schichten offen zu halten, verleiht der Staat Kredite, die die gesamten Universitätskosten decken. Ausserdem können sich Studierende, deren Familien nicht für ihren Lebensunterhalt aufkommen  können, für ein weiteres Darlehen bewerben. Der Kredit mit horrenden sechs Prozent Zinsen ist eine Wette auf die Zukunft, denn das Geld ist erst nach Abschluss des Studiums und ab einem bestimmten Einkommen zurückzuzahlen. Kurz gesagt: Wer vom Studium finanziell nicht profitiert, bezahlt auch nicht. Weil die Zahlungspflicht nach 30 Jahren verfällt, geht die britische Regierung davon aus, dass sie 30 Prozent des verliehenen Geldes nicht wiedersieht.

Vor allem die Unis befürworten dieses System. Sie wollen, dass Studierende einen fairen Anteil ihrer Ausbildungskosten zahlen und somit die öffentlichen Ausgaben entlasten. Zum anderen wünschen sich die Universitäten mehr Geld. So lobbyierte zum Beispiel die Russel Group, die 24 führende britische Universitäten vereint, mehrfach für höhere Gebühren, um im Wettlauf der Hochschulen Schritt halten zu können.

Dabei wird auch die soziale Seite bemüht: Auswertungen zeigen, dass die Zahl der Studierenden auch nach der Erhöhung der Gebühren weiter ansteigt und insbesondere junge Erwachsene aus benachteiligten Verhältnissen vermehrt  in den Genuss einer universitären Ausbildung kommen.

Eingeschränktes Studieren

Ganz so sozial ist das System doch nicht. Der psychologische Druck, beim Bachelorabschluss neben der gähnenden Leere im Portemonnaie einen Schuldenberg von durchschnittlich 64’000 Franken vor sich zu haben, ist nicht zu unterschätzen. Für die meisten kommt ein Austauschsemester, eine Überschreitung der Mindeststudienzeit oder ein Masterstudium wegen der Angst vor einer noch höheren Verschuldung nicht in Frage.

Ausserdem wirft die Reduktion der öffentlichen Finanzierung Fragen auf. Eine Professorin für Wirtschaftsgeographie an der University of Birmingham äussert sich dazu: «Die höheren Studiengebühren verdecken das Versäumnis, heutige Grossverdiener höher zu besteuern.» Ein Einwand, der einleuchtet. Denn das Konstrukt aus Gebühren und Darlehen lässt sich als Steuer für beruflich mehr oder weniger erfolgreiche Absolvierende interpretieren. Eine Steuer, welche gut Betuchte, die noch von freier Bildung profitierten, niemals berappen mussten.

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