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Bitcoins und andere Kryptowährungen sind in aller Munde. (Bild: Oliver Camenzind)

Kryptisches Geld

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Schon jetzt kann man in einer Mensa in Oerlikon mit Bitcoins bezahlen. Sind Kryptowährungen die Zukunft oder platzt die Blase schon bald?

Die Internetgelder sind auf Höhenflug. Seit Dezember 2016 hat der Bitcoin, vor ein paar Jahren noch als Fantasiegeld für Computernerds und Kleinkriminelle abgestempelt, seinen Wert versiebenfacht. Manche ärgern sich deshalb über die entgangenen Millionen. Banken, Software-Firmen und gar Regierungen beissen sich jetzt die Zähne an Projekten rund um das virtuelle Geld aus und überlegen, wie sie noch auf den Krypto-Zug aufspringen können.

Digital zahlen in der Mensa

Eine Kryptowährung ist digitales Geld in Form von Codes, welche in sogenannten Wallets gespeichert werden. Bei einer Transaktion werden jedoch nicht Bitcoins verschickt, sondern ein Schlüssel, der nur vom Zielwallet gelesen werden kann und bestimmt, um wieviel ein Betrag reduziert oder erhöht wird.  Die eigentliche Transaktion enthält somit weder Informationen über die Wallets noch über den Betrag und macht die User anonym. So wird eine zentrale Verwaltung durch eine Bank überflüssig. Das macht Kryptowährungen sozusagen zu digitalem Gold, das gegen politische Instabilität immun ist.

Bitcoins sind das älteste und weitestverbreitete Kryptogeld und seit 2009 auf dem Markt. Beziehen kann man sie an einem Bitcoin-Bankomaten (etwa im Ernst &Young-Gebäude) oder am Billetautomaten der SBB. Loswerden kann man sie dann selbstverständlich in den Abgründen des Darknets und je länger, desto mehr auch in Alltagsgeschäften wie dem Kafi Schoffel, bis jetzt bei zwei Schweizer Zahnärtzen oder – Achtung – in der Mensa Binzmühle. Dies schon seit 2014.

Je mehr User, desto mehr Wert

Investmentfirmen, welche sich gerade wilde Anlageportfolios zusammenstellen, setzen nebst Bitcoins auch auf stabilere Währungen wie Ethereum oder Litecoin. Eine ganze Industrie hat sich auch um das Crowdfunding neuer Kryptowährungen gebildet, «Initial Coin Offering» (ICO) nennt sich das. Und die Schweiz etabliert sich gerade als Zentrum von solchen Finanzfirmen. In der Zuger Agglomeration – von einem Mitgründer von Ethereum zum «Crypto Valley» hochgehievt – spriessen aufgrund moderater Steuerregelungen ICO-Start-ups wie Pilze aus dem Boden.

Doch was bringt dieser Zirkus unsereins? Fridolin*, Student in Zürich, kann auf Bitcoins nicht mehr verzichten. Viel zu bequem ist es, sich hochwertiges Gras aus dem Netz zu bestellen. Doch sein Interesse beschränkt sich nicht auf das eines Kleinkonsumenten. Am Morgen checkt er den Bitcoin-Kurs, um keinen Kursvorteil zu verpassen. Virtuelle Währungen sieht er, aufgrund des Vorteils der Anonymität, als Fortschritt, der in ein paar Jahren nicht mehr wegzudenken sein werde. Denn: Je mehr Leute in Zukunft Kryptowährungen nutzen, desto wertvoller werden sie.

Kein Zurück

Er glaube an den Bitcoin und investiere im kleinen Rahmen, sagt Fridolin. Trotzdem sieht er das Ganze kritisch – der Kauf von Bitcoins sei eine Investition in die Währungen selber. Horrende Transaktionskosten machen den Handel zwischen Franken und Kryptogeld sehr unrentabel. Daher eignet sich das digitale Geld für Leute wie Fridolin eher als Zahlungsmittel. Da kann auch nicht viel schief gehen. Bereits wird nämlich behauptet: Kryptogeld sei eine riesige Blase, die bald platzen wird. Sicher ist: Die revolutionären Eigenschaften der Blockchain rütteln am Fundament des hiesigen Finanzmarktes, und einmal etabliert, gibt es kein zurück mehr.

*Name von der Redaktion geändert.

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