Wollen dem Experimentellen Raum bieten: die Gründerinnen des Kein Museum (Bild: Giglio Pasqua).

Kunstchamäleon

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Das Kein Museum bietet Kunstschaffenden Platz zum Ausprobieren.

In einem Schaufenster, versteckt in einer biederen Strasse, trägt eine Dragqueen Make-up auf. Das Schaufenster gehört   dem Ausstellungsprojekt Kein Museum. Ende März widmete sich dieses in der Ausstellung «Queens of the Scene» Zürcher Dragqueens. Zu sehen waren etwa Schaufensterperformances der Queen Milky Diamond oder Schwarz-Weiss-Fotografien von Tatjana Rüegsegger.

Kein Museum wurde von sieben Studentinnen im Oktober 2018 als Projekt des Kein Kollektiv gegründet. Ausstellen, kuratieren, kennenlernen, lachen, tanzen: So lautet das Konzept des unkonventionellen Projektes. Die knapp 16 Quadratmeter Raum haben im letzten halben Jahr 14 Wandlungen durchgemacht. Kein Museum, aber eben Tattoo-Studio, Pornokino, Ort für Vergessenes, Verborgenes oder Verbotenes, Tanzfläche, Schreibwerkstatt. Das «Kein» in Kein Museum steht laut den Macherinnen für das, was der Ort nicht ist und lässt damit Raum für alles andere – seien es Ideen, Menschen oder Projekte. Dies wird auch im Logo, einem durchgestrichenen «M», betont.

Wandelbarer Raum

Irgendwann waren die Räumlichkeiten mal ein Blumenladen. Dann sechs Jahre lang ein Kiosk, nun eben Kein Museum. Ein Offspace also, weg von der Langstrasse, vom Kreis 3, 4, 5, vom Bankautomaten. Ausprobiert wird hier auf allen Ebenen, zum Beispiel beim Co-Kuratieren: Durch das kollaborative Arbeiten soll gleichzeitig dem neoliberalen Personenkult und dem Mythos des Künstlergenies entgegengewirkt werden.

Die offene Arbeitsweise und die flachen Hierarchien der Macherinnen zeigen sich auch in der Diversität der Projekte. Vom 26. bis zum 28. April bespielt beispielsweise ein Kollektiv von sechs Kunstschaffenden um die argentinisch-schweizerische Künstlerin und Regisseurin Debby Caplunik den Raum. Die multimediale, begehbare Installation trägt den Titel «The Entrance into a Human Brain» und fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, sich mit den dunklen Ecken des eigenen Bewusstseins auseinanderzusetzen. Die Projekte nehmen immer klar Bezug auf den Raum – doch Kein Museum wird es auch dann noch geben, wenn es den Ort an der Mutschellenstrasse 2 als solchen nicht mehr gibt.

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