(Bild: ZFF).

Leben nach dem Profifussball

in Campus von

 

Mit «El 5 de Talleres» legt Adrián Biniez einen lebendigen Film vor, der vor allem vom Zusammenspiel des Schauspielerpaars lebt.

Gladiatoren ähnlich stürmen die Spieler des FC Talleres de Escalada aus den unterirdischen Katakomben auf den Platz. Die Menge tobt und johlt Parolen, einer der gegnerischen Mannschaft geht zu Boden. Nur ist das kein Kampf und es gewinnt nicht jener, der seinem Kontrahenten an Körperkraft und Kampfkunst überlegen ist, sondern derjenige, der mit seiner Mannschaft durch überlegt-strategisches Zusammenspiel und spielerischem Können mehr Tore als die andere Mannschaft erzielt. Die Daumen gehen hoch für den, der das Foul begangen hat.

Abkehr vom Berufsfussball

Patón Bonassiolle, Mittelfeldspieler und Captain des Drittligisten, erhält zur Strafe vom Verband eine Sperre für acht Spiele. Er wird erst wieder am Ende der Saison mitspielen dürfen. Eine Sperre für acht Tage bedeutet für Patón nicht das Ende der Welt, aber löst ihn ihm eine Bewegung der Abkehr aus, den Wunsch einer Neuverortung seiner selbst. Er beschliesst, mit dem Spielen aufzuhören und seiner – bescheidenen und wenig aussichtsreichen – Karriere als Berufsfussballer ein Ende zu setzen.

Wenn schon auf Seiten der Fans die Zugehörigkeit zu einem gewissen Klub zuweilen tief in das Selbstverständnis eingreift, ist der Grad an Identifikation mit dem Verein noch weit höher bei den Spielern einer Lokalmannschaft, die von Kindesbeinen auf für ihren Klub spielten. Eigentlich könnte der Plot in Adrián Biniez‘ jüngsten Films hier beginnen, an Tiefe zu gewinnen. Ein abtastendes Antworten auf die Frage versuchen, wer er denn noch sei, jetzt, wo seinem Leben die Struktur verlustig geht und er nicht der Fussballer ist, sondern die rollenlose Person. Der Film könnte hier reflektieren und die Verfassung des Protagonisten sezieren. Doch er tut es nicht, auch weil er diesen Anspruch nicht stellt. Und dafür darf man Biniez vielleicht dankbar sein.

Zwar fällt es Patón nicht immer leicht, seiner Orientierungslosigkeit gefasst zu begegnen und er kämpft mit seiner dem Fussball geopferten Bildung, aber er findet Halt bei seiner Frau Ale, die ihn ideell unterstützt und ihm beim Nachholen des Grundschulabschlusses hilft. Gemeinsam suchen sie nach einer Geschäftsidee, die sie umsetzen könnten. Kein Vorschlag kann die beiden gänzlich begeistern. Erst als sie auf das Land fahren, um Ferien zu machen und dort Feinkostprodukte bestaunen, wissen sie, was sie tun wollen. Sie beginnen die Produkte als eine Art Lieferservice an die Leute zu verkaufen. Auch in der Schule kann Patón mit der bestandenen Prüfung in Mathematik einen Ersterfolg verbuchen.

Die Beziehung hilft

Biniez wollte nach eigener Aussage die Beziehung der beiden nicht antasten, weil es Patón auch ohne Beziehungsprobleme schlecht gehe. Diese Absicht schimmert im Film nach kurzer Zeit durch und rückt die Beziehung der eingespielten Liebenden in den Vordergrund. Natürlich vergiesst Patón Tränen der Verzweiflung, wenn er mal ein paar Biere zu viel trinkt. Doch die wütende Traurigkeit wird diminuiert von der an- und erhaltenden Liebe des Paares.

Der Wille zu leben, der Wegfall von intellektualisierter Reflexion und die Vitalität machen diesen Film aufrichtig und von frei von Schwermut. Das ist die Qualität des leichten und unschuldigen Filmes, dass er sich nicht verstellt, und dass er uns das Leben gibt, das im Zusammenspiel des Paares (sie sind auch im ungespielten Leben ein Paar) seinen Ausdruck findet.

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