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Lobhudelei

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Warmes Glück Ich wollte schon immer göötschen. Als dreijähriger Knopf stand ich mit wackligen Knien auf dem Schemel und spähte beschäftigt über den Rand des Schüttsteins. Andere Bengel in meinem Alter sassen derweil im Sandkasten und hievten Katzendreck durch die Gegend. Kinderzeug! Ich erschuf Schaum.

Allein ein Trog, ein Hahn und etwas Seife mussten her. Ich war Schöpfer. Ich zauberte weisse Schaumrosen auf schmutzige Teller. Ich bestaunte die gletscherklaren Seeli in meiner hohlen Hand, bis sie zwischen den Fingern zerrannen. Ich liess Wasserfälle aus maximaler Höhe auf einen Löffel prasseln und verstand so das Prinzip des Rasensprengers, noch bevor ich mit Messer und Gabel essen konnte.

Ja, das Abwaschen soll man zelebrieren. Schliesslich ist Lavabo nicht nur Begriff für das Waschbecken, sondern auch für das zeremonielle Ritual der priesterlichen Händewaschung in der heiligen Messe. Also um Gottes Willen: Bitte keinen Geschirrspüler.

Stöpsel rein, Wasser an und die Hände im warmen Glück baden. Mit den Fingerkuppen den Grund nach Besteck absuchen, während der Schaum ums Handgelenk züngelt. Den Schwamm im Glas eine Pirouette drehen lassen und den aneinander geschmiegten Tellern im Abtropfgestell beim Löffeln zusehen. Steht schliesslich wieder alles sauber und trocken beieinander, aufgepasst: Lass dich nicht erwischen, wie du anschliessend tänzelnd die aufgeweichten Fingernägel durch die Wohnung knipst.

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