Makabres aus der Forschung

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Wissenschaft, die durch Mark und Bein geht.

An der Universität Zürich werden jährlich die unterschiedlichsten Forschungsarbeiten realisiert. Unter den vielen laufenden Projekten mutet eines besonders unorthodox an: Das «Ossarium» von Religionswissenschaftlerin Anna Katharina Höpflinger und dem Fotografen Yves Müller. Anfangs als  kurzer  wissenschaftlichen Aufsatz geplan, erkannten die beiden bald, dass sie mit den Beinhäusern einen wahrhaften Schatz vor sich hatten. Dabei handelt es sich um ein durchaus wichtiges Stück Schweizer Kulturgut. Gerade in ländlichen Gebieten gehörten Beinhäuser bis weit ins 20. Jahrhundert zur römisch-katholischen Identität.

Eigentlich seien die Beinhäuser ganz pragmatisch aus Platzmangel entstanden, erklärt Anna Katharina Höpflinger. Die Friedhöfe in den Gemeinden wurden zu klein, und es war streng verboten,  Gebeine zu vernichten oder Menschen übereinander zu begraben. Deshalb wurden Beinhäuser geschaffen, kleine Kapellen, in denen die Gebeine von Verstorbenen ausgestellt wurden. Bis ins 20. Jahrhundert führten die Angehörigen mit diesen Knochen verschiedene religiöse Handlungen durch; sie beteten für die Toten und küssten deren Schädel.

Besonders skurril mutet die Geschichte des «Lotto-Schädels» an. Es wurde ein Schädel gefunden, auf dem alle möglichen Lottozahlen eingeritzt waren. Die Legende besagt, wer diesen Schädel zu sich nimmt, träume in der Nacht darauf die richtigen Zahlen.

In den Sagen, die über die Beinhäuser erzählt werden, seien die Toten für die Lebenden immer noch lebendig, erzählt Höpflinger. «Da beginnen sich plötzlich die Kategorien, die wir in unserem Alltag wie selbstverständlich ziehen, aufzulösen.» Plötzlich ist keine klare Trennung zwischen Leben und Tod mehr möglich. ◊

In Zusammenarbeit mit Lisa Frisch

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