Hier entsteht das grösste Kunstmuseum der Schweiz (Bild: Noemi Ehrat).

Mehr als Raum für die Kunst

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Der Erweiterungsbau soll dem Zürcher Kunsthaus aus der Patsche helfen.

Zwischen der Uni und dem Bellevue ragt ein breiter Betonklotz aus den Häuserzeilen. Wo jetzt vier Baukräne und unzählige Gerüste die Sicht verdecken, sollen dereinst Gemälde und Skulpturen Besucherinnen und Besucher in ihren Bann ziehen. Ende 2020 öffnet der grosse Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich seine Pforten. Und soll zur Aufwertung des Heimplatzes beitragen – das zumindest versprechen die Visualisierungen des britischen Architekten David Chipperfield, der 2011 als Sieger aus dem Wettbewerb für die Kunsthauserweiterung hervorging.

Ort der Begegnung

Das Gebäude mit der markanten Betonfassade zählt drei Stockwerke, 5’000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und eine für die Öffentlichkeit zugängliche Eingangshalle. Zudem entsteht im Aussenbereich in Richtung Uni ein Park mit Café. Björn Quellenberg, Leiter Kommunikation und Presse des Kunsthauses, sagt: «Wir wollen ein offenes Haus sein, indem sich auch Leute begegnen können, die nicht unbedingt einen Museumsbesuch anstreben.» Zusammen mit dem Neubau kann sich das Haus als grösstes Kunstmuseum der Schweiz rühmen.

Tunnel und Recycling-Beton

Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, könnte sich Zürich schon jetzt mit diesem Titel schmücken. Bereits 2013 hätte der Spatenstich für den Bau erfolgen sollen, doch durch eine Einsprache wurde er um zwei Jahre verzögert. Im Frühling 2018 wurde dann der Rohbau fertiggestellt – dazu gehört auch ein Tunnel unter dem Heimplatz, der das jetzige Kunsthaus mit der Erweiterung verbindet. Zurzeit kümmern sich Arbeiterinnen und Arbeiter um den Innenausbau, die Fassade und die Umgebungsarbeiten. Weil später hochwertige Kunstobjekte im neuen Gebäude ausgestellt und untergebracht werden, ist der Bau an sich eine Herausforderung. Sicherheit, Klima und das Licht müssen an diese speziellen Umstände angepasst werden. Das Kunsthaus will ausserdem durch die Verwendung von Recycling-Beton einen Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft leisten. Die insgesamt verbauten 25’565 Kubikmeter Beton bestehen nur zum Teil aus Naturkies, der Rest ist wiederverwendetes Abbruchmaterial.

Das liebe Geld

Die Baustelle bringt aber nicht nur Gutes mit sich, denn zurzeit schreibt das Kunsthaus keine schwarzen Zahlen. Björn Quellenberg erklärt: «Wenn vor dem Museum ein Bauzaun steht und die Leute denken, dahinter ist eine Baustelle und keine Ausstellung, dann wird es für uns schwierig, die gewohnten Zahlen zu erreichen.» 2017 fgingen die Besucherzahlen um 90’000 zurück und es entstand ein Defizit von 122’000 Franken. Auch 2018 konnten die gewohnten 300’000 Eintritte pro Jahr nicht erreicht werden. Das soll sich aber mit dem Neubau ändern: Nach der Eröffnung werden jährlich bis zu 400’000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Keine Sorgen muss sich das Kunsthaus dagegen um das Baubudget machen. Laut Quellenberg bleiben die Kosten innerhalb der projektierten 206 Millionen Franken. Allerdings übernimmt das Kunsthaus als nicht profitorientierter Verein die Finanzierung nicht allein. Private Sponsoren der Zürcher Kunstgesellschaft decken mit 88 Millionen einen Grossteil der Kosten, dazu kommen 88 Millionen von der Stadt Zürich und 30 aus der Kasse des Kantons Zürich. Zumindest das Geld geht der Kunst also vorläufig nicht aus.

Tag der offenen Tür: Wer sich gerne selbst ein Bild vom Erweiterungsbau machen will: Am 2. März, dem Tag der offenen Tür, wird auch die Baustelle für alle begehbar sein.

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