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Die Biomedizin-Studierenden werden dereinst nicht im OP stehen.

Mehr Bio als Medizin

in Campus von

Der neue Studiengang Biomedizin an der Uni Zürich ist beliebt. Doch wissen die Studis, worauf sie sich einlassen?

Gedacht ist der Studiengang Biomedizin an der Universität Zürich als Alternative zum Medizinstudium: für medizinisch interessierte Menschen, die sich dereinst der Forschung widmen wollen. So bleiben die Plätze in der Humanmedizin frei für diejenigen, die beabsichtigen, praktizierende Ärztinnen und Ärzte zu werden. Eine Studentin im neuen Studiengang meint: «Ich wollte nie Ärztin werden, aber die Biologie des Menschen hat mich schon immer interessiert. Deshalb gefällt mir das Studium sehr gut.»
Mit 199 Einschreibungen nach der Einführung des neuen Studiengangs im letzten Jahr war der Ansturm grösser als erwartet: Das neue Angebot schien einem weitverbreiteten Bedürfnis unter Studierenden zu entsprechen. Und die Begeisterung hält an; dieses Jahr haben sogar 230 Studierende neu mit Biomedizin angefangen. Doch wissen die Erstsemestrigen überhaupt, was sie in diesem Studium erwartet?

Fast alles Bio
Das Programm der Biomedizin ähnelt weniger dem der Medizin als vielmehr jenem der Biochemie oder Molekularbiologie: Viele Pflichtfächer im Bachelor sind dieselben, darunter die allgemeinen naturwissenschaftlichen Grundlagen Chemie, Physik, Mathematik und Biochemie. Weitere obligatorische Fächer sind Anatomie und Pathophysiologie. Obwohl alle diese Fächer auch im Medizinstudium eine wichtige Rolle spielen, besuchen die Biomedizin-Studis die meisten Vorlesungen zusammen mit den angehenden Biologinnen und Biologen.
Der Grund dafür könnte sein, dass der Schwerpunkt im Medizinstudium mehr auf dem Erlernen der praktischen ärztlichen Grundfertigkeiten liegt. Dazu kommt, dass der neue Biomedizin-Master das frühere Programm in Humanbiologie ersetzt.

Falsche Erwatungen
Vielen Studierenden scheint unklar zu sein, worauf sie sich einlassen. Von den ursprünglich Eingeschriebenen haben sich 45 Prozent gleich nach dem ersten Jahr wieder ausgetragen, wobei zwölf Prozent an die medizinische Fakultät abgewandert sind. Viele benutzten die ersten beiden Semester also als Wartejahr bis zum nächsten Numerus Clausus für das Medizinstudium. Und die Studienkoordinatorin vermutet: «Sogar unter den 55 Prozent, die weiterstudieren, gibt es etliche, die eigentlich lieber Medizin studieren möchten und den Eignungstest nochmals machen werden.»
Dabei bedenken sie offenbar nicht, dass das Biomedizinstudium anspruchsvoll ist und volles Engagement erfordert. Zudem scheint ihnen nicht bewusst zu sein, dass auch nach Abschluss des gesamten ersten Jahres nur das Chemiepraktikum für das Medizinstudium angerechnet werden kann.

Überlegen, dann studieren
Die Studienberatung der Biomedizin empfiehlt deshalb dringend, sich zuerst gut über das Studium zu informieren und bietet ein Online-Assessment zur Interessensabklärung an. «Es wäre gut, sich bei der Wahl des Studienfachs genau zu überlegen, welche beruflichen Tätigkeiten man sich wünscht und vorstellen kann», heisst es von offizieller Stelle. So wie jene, die nach einem Jahr im Biomedizinstudium kein Bedürfnis nach einem Wechsel haben und gerade in ihr drittes Semester gestartet sind. ◊

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