Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Mehr blechen für weniger Bildung

in Campus von

Rechte Politiker fordern an der Universität eine Erhöhung der Studiengebühren um 500 Franken. Der VSUZH hält dagegen.

Das Studium an der Universität Zürich kostet jedes Semester 769 Franken. Es handelt sich dabei bekanntlich um einen symbolischen Betrag, der bei Weitem nicht genügt, um den Hochschulbetrieb vollständig zu finanzieren. Dieser symbolische Betrag ist zwei Kantonsräten nicht mehr symbolisch genug: Rochus Burtscher (SVP) und Hans Peter Häring (EDU) haben eine Motion verfasst, die eine Erhöhung der Studiengebühren fordert. Konkret sollen diese um 500 Franken pro Semester erhöht werden:  Eine Erhöhung um stolze 65 Prozent.

Solidarisches Sparen

Für Rochus Burtscher, Mitverfasser der Motion, stellt das kein Problem dar: «Die letzte Studiengebührerhöhung liegt lange zurück. Alles ist teurer geworden, nur die Studiengebühren sind gleich geblieben. Deshalb wollen wir diese sanft erhöhen.» Das würde seiner Meinung nach mit einer Erhöhung um 500 Franken gelingen. «So wird das Studium auch in Zukunft für niemanden unbezahlbar.» Burtscher ist klar, dass die Universität keinen relevanten Gewinn aus der Erhöhung ziehen würde. Tatsächlich würden die daraus resultierenden Einnahmen weniger als zwei Prozent des universitären Gesamtbudgets ausmachen. Doch zentral ist für Burtscher etwas anderes: «Es geht um Solidarität. Wenn Studierende sich an der Finanzierung ihres Studiums beteiligen, setzen sie damit ein Zeichen zur Mitverantwortung für die Gemeinschaft.»


Darlehen als Lösung?

Burtscher hat keine Angst, dass die Studierenden sich künftig für ihr Studium verschulden müssten. Schliesslich gebe es ja immer noch die Möglichkeit, ein Stipendium zu beantragen oder ein Darlehen aufzunehmen. «Diese können zeitverzögert zurückbezahlt werden. Hat man erst fertig studiert und steigt ein in die Arbeitswelt, ist die Zurückerstattung ein Klacks.»

Die Studierenden täten gut daran, seinen Vorschlag nicht blind zu bekämpfen, so Burtscher. Stattdessen sollten sie selbst Vorschläge bringen, wie man die Studiengebühren anpassen könnte.

Bildungszugang beschnitten

Der VSUZH hat sich in einer Medienmitteilung klar gegen die Motion gestellt. Er stört sich daran, dass mit einer Erhöhung der freie Bildungszugang beschnitten würde. «Der Zugang zu Bildung sollte nicht durch finanzielle Hürden erschwert werden», sagt Christian Schmidhauser, Co-Präsident des VSUZH. Die Schweiz habe gegenüber der UNO die Absicht erklärt, sich einem unentgeltlichen Bildungssystem annähern zu wollen. Insofern sei schon der Status quo als Kompromiss zu verstehen, von dem der VSUZH nicht abrücken wolle. Es sei nicht die Aufgabe der Studierendenschaft, Lösungen zu suchen, wie man die Studierenden stärker zur Kasse bitten könne. «Der VSUZH ist eine sehr heterogene Gruppe unterschiedlichster Interessen. Doch in einem Punkt sind wir uns alle einig: Eine Erhöhung der Studiengebühren kommt nicht in Frage.»

Schmidhauser widerspricht Burtschers Aussage, dass die Aufnahme eines Stipendiums oder eines Darlehens das Problem löse. «Es kann nicht sein, dass sich Studierende für ihr Studium verschulden müssen.» Denn selbst wenn das Darlehen später zurückbezahlt werden könne: Im Moment selbst sei es eine horrende Summe, um die sich Studierende verschulden müssten. Schmidhauser stört sich generell daran, dass in der Bildung überproportional viel gespart werde. «Es gibt so viele Bereiche, wo deutlich mehr und sinnvoller gespart werden könnte. Wieso reitet man da auf den Studiengebühren herum?»
Die Universität selbst wollte sich zu der hängigen Motion nicht äussern.

Paradoxes Vorhaben

Nun ist es am Regierungsrat, die Motion zu bearbeiten, ehe im Kantonsrat darüber debattiert werden kann. Der Wunsch nach einer Studiengebührerhöhung steht also  noch ganz an seinem politischen Anfang. Docheines lässt sich jetzt schon festhalten: Die Motion mutet paradox an. Die Studierenden leiden ohnehin schon unter den kantonalen Sparplänen. Nun sollen sie dafür auch noch tiefer in die Tasche greifen. Bereits müssen 80 Prozent der Studierenden arbeiten, um sich ihr Studium finanzieren zu können. Werden sie dazu auch noch in der Lage sein, wenn die Studiengebühren derart drastisch erhöht werden wie von Häring und Burtscher vorgeschlagen? Es ist ein grosses Fragezeichen dahinter zu setzen. Das Geld dort holen, wo es ohnehin schon knapp ist: Intelligente und sozialverträgliche Finanzpolitik sieht definitiv anders aus. ◊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Spanische Eröffnung

Eigentlich beschäftigt sich Romy Günthart mit mittelalterlicher Literatur. Doch jetzt hat sie
Gehe nach Oben