Werke von Künstlerinnen gehören an Galeriewände und nicht in den Abstellraum (Illustration: Sarah Baur).

Mehr Sichtbarkeit für Künstlerinnen in Schweizer Museen

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Künstlerinnen sind in Museen nach wie vor untervertreten: Es werden kaum Werke ausgestellt, die von einer Frau erschaffen worden sind. Die ZHdK-Studentin Laura Gonzalez will dies mit einer Initiative ändern.

Van Gogh, Picasso oder Monet – den meisten werden diese Namen bekannt vorkommen. Alle drei gehören zu den berühmtesten Kunstschaffenden aller Zeiten, niemand hinterfragt das Talent dieser drei Männer. Doch was auffällt: Unter den weltberühmten Kunstschaffenden sind fast keine Frauen. Namen weiblichen Genies wie Münter, Höch oder O’Keeffe kennen die Wenigsten.

Tatsächlich gibt es wenig Sichtbarkeit für Künstlerinnen in der bildenden Kunst. Genau mit dieser Tatsache befasste sich Laura Gonzalez in ihrer Initiative «Not ready to…», welche im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) entstand. Die Basis für die Initiative lieferte ihr eine Datenrecherche der Informationsplattform Swissinfo, die das Geschlecht von Künstler*innen in Museen untersuchte. Dort entdeckte Gonzalez, dass bis jetzt bloss 26 Prozent der Einzelausstellungen in Schweizer Kunstmuseen Frauen gewidmet sind. Durch weiteres recherchieren fand die Art-Education-Studentin nicht nur aussagekräftige Daten, sondern auch Schilderungen aus erster Hand. So berichtet beispielsweise eine Künstlerin: «Wenn sich Sammler*innen für ein Werk interessieren, ist oft die erste Frage, ob es von einer Frau oder einem Mann geschaffen wurde.» Ob das Kunstwerk dann gekauft werde oder nicht, hänge stark von der Antwort auf diese Frage ab.

Gegenstimmen gibt’s immer

«Not ready to remain invisible. Not ready to be undersold. Not ready to revise history?» sind die Botschaften, die Gonzalez durch ihre Initiative verbreiten möchte. Sie sagen aus, dass es durchaus Frauen in der Geschichte gab, die in die Reihen der verehrten Künstler unserer Gesellschaft aufgenommen werden sollten. Und sie sagen aus, dass man diese Künstlerinnen nicht in den verstaubten Abstellräumen der Museen unterbringen, sondern sie an die Galerie-Wände hängen sollte.

Doch wenn Museen nun Künstlerinnen fördern und darauf achten, überwiegend die Werke von Frauen zu präsentieren, werden hier und da kritische Stimmen laut: Es heisst, dass Männer nun nicht ungleich behandelt werden sollen und dass grosse Künstler nicht einfach von den Wänden abgehängt werden können – das wäre ebenfalls nicht fair. Auf diese Klagen erwidert Gonzalez: «Wir haben nun Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte lang, Werke von männlichen Genies bestaunt und durften diese betrachten. Es ist nicht schlimm, wenn sich diese Quote für einmal in die andere Richtung verschiebt.» Die Schlussfolgerung daraus: Solange es Galerien und Museen gibt, die nur Künstler zeigen, kann es auch die ein oder andere Ausstellungen geben, die sich nur auf Künstlerinnen fokussieren.

Ausreden gelten nicht

Wie sich bei der Datenrecherche herausstellte, schneidet auch das Kunsthaus Zürich unterdurchschnittlich ab. Dafür hat Gonzalez wenig Verständnis. Mit dem zurzeit errichteten Erweiterungsbau wird das Kunsthaus Zürich das grösste Kunstmuseum der Schweiz werden. «Diese Institution hätte die Mittel, um aktiv etwas gegen die Ungleichheit zu unternehmen. Doch das Kunsthaus tut dies aber leider noch nicht», beklagt sie. Es scheint, als ob der Wille zur Veränderung nicht präsent ist.

Auch die Ausreden von Kurator*innen, dass man keine Frauen ausstellt oder in Projekte miteinbezieht, weil man nun mal keine kenne, seien laut Gonzalez nicht akzeptabel. Auf diese Weise würde die weibliche Hälfte unserer Gesellschaft einfach ignoriert. Stattdessen sollte auf eine angemessene gesellschaftliche Repräsentation geachtet werden. Man stelle sich die Frage: Kenne ich keine Künstlerinnen, weil es keine genialen Frauen in der Kunst gibt? Oder müssen die Kunstwelt und die Museumsbesucher*innen vielleicht einfach die Augen aufmachen und den eigenen Horizont erweitern? Was auch immer die Antwort sein mag, mit Initiativen wie «Not ready to…» wird es sicherlich immer schwerer, den alten Konventionen treu zu bleiben.

Einige Kunstausstellungen als Empfehlung, um die Sichtbarkeit von Frauen in der Kunst zu fördern:

  • Kara Walker: Kunstmuseum Basel; bis zum 23.08.2020
  • Brigitte Kowanz: Museum Haus Konstruktiv; bis 13.09.20
  • Frau Architekt: Seit mehr als 100 Jahren: Frauen imArchitektenberuf: ZAZ Zentrum Architektur Zürich; bis 19.07.20

Weitere Informationen zu «Not ready to…» gibt es auf Instagram und www.notreadyto.ch.

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