Die Theatergruppe findet das aktuelle Theaterangebot in Zürich «zu bourgeois» (Bild: Olivia Fischer).

Mit Theater gegen Kapitalismus

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Das Schauspielkollektiv Buchmann & Horst bringt systemkritisches Theater nach Zürich.

Seit dem Spätsommer ging alles rasend schnell. Im September wurde die Crowdfunding-Kampagne hochgeschaltet, im November noch das letzte Mitglied gecastet. Zwischen dem Erfüllen der Crowdfunding-Kampagne und der ersten Aufführung liegen bloss sechs Wochen. Diese nutzt die junge Theatergruppe Buchmann & Horst nun intensiv zum Proben, bevor ihre Inszenierung am ersten und zweiten Dezember im Dynamo debütiert. Weitere Vorführungen in Zürich und im Theater 111 in St. Gallen werden folgen.

Grosse Visionen

Nachdem Buchmann & Horsts erste Produktion «Black Gold» noch ohne finanzielle Unterstützung und lediglich in Zusammenarbeit des Autors Kyle Greenwood und des Schauspielers Sérafin La Roche verwirklicht wurde, konnten sie nun mithilfe von Crowdfunding ihr Team erweitern und das Geld für Proben, Kostüme, zum Filmen und für Werbung einsetzen. Der aus Neuseeland stammende Autor und Regisseur Greenwood hat grosse Visionen für das Theaterkollektiv. Mit der neusten Produktion «As it is» will sich die Gruppe professionell etablieren. Und Greenwood verrät: «All unsere Produktionen sollen sich im gleichen Universum ereignen.» So haben sie den Namen Buchmann & Horst selbstironisch von der fiktiven Firma übernommen, die in «Black Gold» eine zentrale Rolle spielte. Dort agierte diese als prototypisches, gieriges transnationales Unternehmen. Auch in «As it is» wird die Firma Buchmann & Horst ihren Auftritt haben, wenn es um die Ausuferungen des Kapitalismus geht. Schliesslich sei «der Kapitalismus das zentrale Problem unserer Zeit» und man müsse «dem Teufel einen Namen geben», betont Greenwood.

Politisch und anti-elitär

Die Gruppe will einen wertvollen Impuls für das englischsprachige Theater in Zürich setzen. Während in Zürich ein grosses Angebot an Inszenierungen in deutscher Sprache besteht, gibt es für all jene, die kein Deutsch sprechen, nur spärliche Angebote. Buchmann & Horst hingegen soll für alle zugänglich sein. «Das derzeitige Theater ist mir zu bourgeois und intellektuell», beklagt Regisseur Greenwood, schliesslich soll man «keine Ausbildung brauchen, um Theater zu verstehen». Ihr neues Werk «As it is» wird Gesellschaftskritik, Technologiekritik und Humor in Form eines «satirical sci-fi play» verbinden, in welchem die alltägliche Technologie versagt. Die Protagonist*innen sind daher gezwungen, sich wieder mit der Welt, «so wie sie ist», auseinanderzusetzen. Greenwood verrät: «Das Stück wird antikapitalistisch und postkolonial sein und viel dunklen Humor aufweisen.»

Optimistisch in die Zukunft

Das Theaterkollektiv ist dabei eng mit dem Englischen Seminar der Universität Zürich verbunden. So schliesst Greenwood derzeit sein Lehrdiplom an ebendiesem Seminar ab, während einige der Schauspielenden bereits Erfahrung bei den Blueprint Masquerades, der Theatergruppe des Englischen Seminars, gesammelt haben. «As it is» soll der jungen Gruppe zum Durchbruch verhelfen. Noch ist unklar, in welcher Konstellation Buchmann & Horst weiter bestehen wird. Doch bestehen keine Zweifel, dass in Zukunft noch einiges von diesem aufregenden Theaterkollektiv zu sehen sein wird. Gut möglich, dass sie sich als neue, originelle und einzigartige Gruppe in der Zürcher Theaterszene etablieren werden.

«As It Is» wird am 1. und 2. Dezember um 20 Uhr im Dynamo aufgeführt.

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