Modulbuchungs-Panik: Bald Vergangenheit?

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Ein temporärer Ausfall der Modulbuchung trieb gestern Mittwoch viele Studierende der philosophischen Fakultät in die Verzweiflung. Ein neues Modulbuchungskonzept ist derweil bereits in Planung.

Wer kennt es nicht: Es ist kurz vor zehn Uhr, Benutzername und Passwort sind bereits eingegeben, die Liste der zu buchenden Modulen griffbereit. Doch um zehn, wenn die Modulbuchung offiziell aufgeht, kommt man erst mal in die Warteschlaufe. «Anmeldung gescheitert,» heisst es. Nun muss man mindestens zwei Minuten warten, bis man erneut auf den «Zur Modulbuchung»-Button klickt. Während manche Studierende Glück haben und sich gleich zu Beginn einloggen können, warten andere stundenlang vor dem Computer, um schliesslich die übrig gebliebenen Module zu buchen.

Datenbankproblem

Was jedes Semester Nerven fordert, hat dieses Jahr besonders viele Studierende an den Rand der Verzweiflung gebracht: Bereits um 10 Uhr am vergangenen Mittwoch, dem 30.1., war es nur 700 Studierenden der philosophischen Fakultät möglich, ins Modulbuchungsportal zu gelangen. Bald darauf erschien eine erste Fehlermeldung: «Im Moment bestehen Probleme mit der Modulbuchung, daher wird bis auf Weiteres keine Modulbuchung stattfinden. Es wird auf der UZH-Seite informiert, sobald mehr Informationen vorhanden sind. Auf der Informationsseite beim Login in die Modulbuchung werden die aktuellen Informationen publiziert.» Tatsächlich habe kurz nach 10 Uhr ein technisches Problem mit der Datenbank dazu geführt, dass die Modulbuchung ausfiel, so Michael Brunner, der bei der Zentralen Informatik der Universität Zürich die Abteilung Business Applications leitet. Die rund 700 Studierenden, die sich um 10 Uhr bereits hatten einloggen können, konnten infolgedessen ebenfalls keine Module buchen.

Zweieinhalb Stunden Wartezeit

Später folgte das Versprechen für ein Update um 12 Uhr in einer Instagram-Story der Universität. Schliesslich hiess es, dass die Modulbuchung um 12:30 Uhr wieder zugänglich sein soll. Informiert wurden Studierende auf der Homepage, der Uni, der Modulbuchungsseite sowie sowie unter uzh.ch/studies, students.uzh.ch und der App. «Anfragen wurden auch per Social Media direkt beantwortet», berichtet Brunner. Aber auch um 12.30 Uhr sahen sich viele Studierende erneut mit Problemen und Fehlermeldungen konfrontiert. Einige gelangten endlich in die Modulbuchung, um dann plötzlich wieder rauszufallen, andere erhielten kryptische Fehlermeldungen. «Gerade in der Startphase der Modulbuchungen suchen die Studierenden gleichzeitig Zugriff auf die kapazitätsbeschränkten Module. Damit die Performance des Modulbuchungs-Systems während dieser Startphase nicht einbricht, werden die User Sessions dann bewusst limitiert, was zu Wartezeiten führen kann», sagt Brunner. Die Problematik war dieses Jahr aber eine andere: «Die Ursache war ein temporärer Ausfall der Datenbank, welche dem Modulbuchungssystem zugrunde liegt», erklärt er. Die genaue Ursache werde zurzeit von IT-Spezialisten untersucht. Damit die Modulbuchung um 12:30 Uhr regulär fortgesetzt werden konnte, wurden die Datenbank wie auch das Modulbuchungssystem heruntergefahren und nach einer Zustandsanalyse wieder hochgefahren, so Brunner.

Verärgerte Studierende

Unterdessen reichte es vielen Studierenden, die ihrer Frustration auf Social Media Luft machten. «Einwandfrei lief die Modulbuchung eigentlich nie,» meint Miriam Frei, studentin der Kunstgeschichte. «Dass das System komplett zusammenbricht, ist mir heute aber das erste Mal passiert.» Viele Studierende arbeiten während der Semesterferien, in denen die Modulbuchungen jeweils stattfinden, und nehmen sich extra frei, um die gewünschten und erforderlichen Kurse buchen zu können. «Ich muss arbeiten und kann nicht den ganzen Tag warten, bis ich mich einloggen und die Buchung vornehmen kann — was nach dem erfolgreichen Login ja nur noch eine Sache von wenigen Minuten ist», meint auch eine genervte Manuela Tapprich, die Anglistik und Populäre Kulturen studiert.

Unterschiedliche Handhabungen

Dazu kommt, dass offenbar nicht alle Studierenden gleich informiert wurden. Kim Robe, die Deutsche und Englische Sprach- und Literaturwissenschaften studiert, würde sich vom Deutschen Seminar mehr Unterstützung wünschen. «Als heute das ganze System zusammengebrochen ist, wurden wir von niemandem vom Deutschen Seminar informiert», so Robe. Durch ihr Englischstudium sei sie aber auf dem Laufenden gehalten worden: «Der Studienberater hatte mir bereits letztes Jahr geholfen, als schon alle Plätze belegt waren.» Dieses Jahr wurde sie über Posts einer Facebook-Gruppe informiert. Martin Mühlheim, Studienberater des Englischen Seminars, würde eine einheitlichere Kommunikationsplattform und -strategie für alle Studierende ebenfalls begrüssen. «Denkbar wäre etwa ein Angebot, bei dem sich die Studierenden vor der Modulbuchung anmelden könnten und dann auf dem Laufenden gehalten werden würden.» Studierende haben aber auch die Möglichkeit, beim Service Desk der Universität um Hilfe zu bitten. Am Mittwoch seien laut Brunner rund 70 solche Anfragen eingegangen.

Modulbuchungsstress bald Geschichte?

Doch dem halbjährlichen Ärger soll Abhilfe geschafft werden. «Wir haben in den letzten Jahren die Server-Kapazität mehrfach ausgebaut und betreiben für unser Modulbuchungssystem inzwischen sieben Applikationsserver», sagt Brunner. Kürzlich wurde zudem ein Projekt lanciert, um die Modulbuchung einem Redesign zu unterziehen, so Brunner. Ziel wäre es, ein neues, modernes Modulbuchungssystem zu realisieren, das sich auch an Vorbildern anderer Universitäten orientiert. Unterdessen will sich das IT-Team bei den betroffenen Studierenden für den Vorfall entschuldigen: «Wir bedauern dies sehr. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass es zu einem solchen Komplettausfall des Modulbuchungssystem gekommen ist», heisst es in einem offiziellen Statement.

1 Comment

  1. Das Problem gibt es schon seit Jahren. Dass gestern (und vorgestern! siehe SP2 Module in Publizistik) alles auf Grund eines technischen Fehlers zusammengebrochen ist, ist nur die Spitze des Eisbergs. Kapazitäten heraufschrauben ist nur Symptombekämpfung, die Uni wird weiter wachsen und somit wird das Problem wiederkehren: Ein Systemwechsel muss her. Eine alternative wäre das bewährte HSG-Konzept. Als Übergang dazu wäre eine weitere Aufsplittung der Buchungstermine denkbar (die Phf wurde 2012/2013 bereits auf drei Daten aufgeteilt).
    Es muss sich endlich was ändern, geredet wird schon lange.

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