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Jeden Donnerstag lädt die beliebte Partyreihe an die Badenerstrasse 109. (Bild: Jonathan Progin)

Nacht- und Nebel-Seminar

in Campus von

Die Partyreihe im Plaza ist beliebt und eine wichtige Einnahmequelle zahlreicher studentischer Vereine. Doch im Hintergrund läuft derzeit nicht alles glatt.

Wer freitags keine Vorlesungen besuchen muss, hat es richtig gemacht, denn: Die wahren Nachtschwärmer zieht es schon donnerstagnachts in den Ausgang. Zum Beispiel ins Plaza beim Zürcher Bezirksgebäude. Jeden Donnerstag findet dort das Nachtseminar statt. Die Eventreihe ist ausdrücklich für Studierende gedacht, Partylustige mit Legi bezahlen bis 23 Uhr keinen, danach einen vergünstigten Eintritt. Jede Woche hat ein studentischer Verein die Möglichkeit, das Nachtseminar mitzuorganisieren.

VSUZH hat genug

Lucas Manz vom Fachverein Polito ist begeistert vom Konzept: «Wenn wir jeweils das Nachtseminar hosten, können wir den Stempel unseres Fachvereins auf eine coole Party drücken.» Doch nicht nur der Spassfaktor ist relevant: Laut Lukas Buser, Co-Präsident des VSUZH, sind die Einnahmen aus Partys, insbesondere dem Nachtseminar, überlebensnotwendig für viele Fachvereine. Denn ein Drittel des Gewinns eines Abends geht an den studentischen Verein, der gehostet hat. Das mache pro Nachtseminar zwischen 1000 und 2000 Franken aus, so Manz, auch wenn die Zahlen stark variieren.

Doch es gibt Misstöne. Im VSUZH-Rat scheint die Begeisterung für das Nachtseminar weniger gross zu sein. VSUZH-Vorstandsmitglied Zoé Gianocca kündigte an der vorletzten Ratssitzung an, dass die Zuständigkeit für das Nachseminar vom Vorstand weg an ein Ratsmitglied übergeben werden soll. Bislang sass eine Vertreterin des VSUZH-Vorstands direkt im dreiköpfigen Vorstand des Vereins Nachtseminar. Nun sollte ein anderes Ratsmitglied im Vereinsvorstand Einsitz nehmen, doch der Sitz blieb vorerst vakant. Im genannten Verein schliessen sich die verschiedenen studentischen Organisationen zusammen, die Nachtseminar-Hostings durchführen. Vertreten sind nebst dem FV Polito etwa die Vereine fvoec, FVMed, Kosta, FAVA und 13 weitere. Die Generalversammlung trifft sich zweimal pro Semester.

Dritte Partei mischt mit

«Die Fachvereine haben aber nie direkt mit dem Plaza zu tun», erklärt Manz. Denn nebst den studentischen Vereinen und dem Plaza gibt es noch eine dritte Partei: die Gesellschaft Now! Media GmbH. Die Eventagentur agiert als Bindeglied zwischen dem Verein Nachtseminar, also den zusammengeschlossenen studentischen Vereinen, und dem Plaza. Selber organisieren müssen die Fachvereine abgesehen von der Deko und dem Motto wenig, denn Now! Media kümmert sich um das Booking der DJs sowie die Werbung.

Das Nachtseminar wurde vor fünf Jahren gegründet. Die Now! Media GmbH war von Anfang an dabei, damals noch unter anderem Namen. 2013 wollte der ehemalige VSUZH-Co-Präsident Julian Renninger eine Studiparty lancieren, bei der sich Studierende verschiedenster Fachrichtungen mischen können.

Gewaltentrennung in der Organisation

Doch die Kooperation mit der Agentur und dem Plaza scheint nicht immer rosig zu verlaufen: «Wir stehen gerade am Ende eines langwierigen Prozesses der Statutenänderung», sagt Lukas Buser. Er spricht von einem Anliegen der Gewaltentrennung. Bis letzten November war nämlich im Vorstand des Vereins Nachtseminar jeweils auch Now! Media vertreten. Die Verhandlungen sind laut Buser in der Vergangenheit zu wenig transparent verlaufen. «Das ist natürlich unfair, wenn die drei Player nicht gleichgestellt sind», meint auch Lucas Manz. Now! Media soll also nicht weiter ein doppeltes Gewicht haben. Die Statutenänderungen wurden in Sitzungen des sogenannten imperialen Gremiums ausgehandelt – bestehend aus dem Vorstand des Vereins Nachtseminar, dem Plaza und der Agentur.

Die Verhandlungen dürften auch weiterhin schwierig verlaufen. Das sieht Polina Pokrovskaya, die andere Hälfte des VSUZH-Präsidiums, auch als Grund, wieso niemand im Studirat sich für das vakante Amt erwärmen kann: «Zoé kam immer total fertig aus den Sitzungen, in welchen mit dem Plaza und Now! Media die Statutenänderungen des Vereins besprochen wurden», lässt Pokrovskaya durchblicken.

Selber möchte Zoé Gianocca keine Stellung nehmen, sie scheint vom Nachtseminar genug zu haben. Auch das Plaza lässt Anrufe und Mails unbeantwortet und nimmt keine Stellung zur Zusammenarbeit mit den studentischen Vereinen oder zur Zukunft des Nachtseminars.

Keine Gefahr für Donnerstag-Partys

Trotzdem zeigt sich der VSUZH optimistisch, dass die Partyreihe weiterhin stattfinden wird. Denn, wie es Pokrovskaya ausdrückt: «Obwohl das Nachtseminar kein direktes Projekt des VSUZH ist, ist die Party von Studis für Studis doch eine schöne Dienstleistung.» Und allein das Argument, dass die Partyreihe für die Fachvereine lebenswichtig ist, spreche für das VSUZH-Präsidium dafür, die Zusammenarbeit weiterzuführen. Die Vakanz des Nachtseminar-Sitzes sei ungünstig, doch dessen Besetzung ist für die nächste Ratssitzung erneut traktandiert. Freiwillige vor!

Währenddessen läuft es im Nachtseminar rund, Vodka um Vodka, Woche für Woche. Laut eigenen Angaben des Plaza strömen durchschnittlich über 900 Personen für das Nachtseminar in den Klub. Auch Manz ist zufrieden: «Der Fachverein Polito kann mitbestimmen und wichtigen Gewinn machen.» Solange das gegeben ist und die Finanzen stimmen, scheinen ihn die organisatorischen Streitereien im Hintergrund wenig oder gar nicht  zu stören. ◊

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