Näher am Nahen Osten

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Das Studium der Islamwissenschaften vereint Sprachen, Philosophie und Geschichte.

Bei einem Namen wie «Islamwissenschaft» ist die Erwartung, eine Religionswissenschaft anzutreffen, durchaus berechtigt. Doch bereits ein kurzer Blick auf die Internetseite des Asien-Orient-Instituts der Universität Zürich zeigt: Islamwissenschafts-Studentinnen befassen sich mit viel mehr als nur einer Religion. Lehrveranstaltungen zu Generationenumbrüchen im Feminismus oder zu queeren Identitäten in der Türkei gehören hier ebenso zum Programm des Studiums wie ein Vortrag zum osmanischen Serail.

Zwischen Indonesien und Marokko

«Der Name ist für viele sehr irritierend. Es ist schwierig, die Breite der Themen, welche wir abdecken, in Worte zu fassen», sagt Katharina Ohlhorst über ihren Studiengang. Sie studiert seit dem Herbstsemester 2016 Islamwissenschaft an der Universität Zürich.

Die thematische Breite des Studienprogramms schlägt sich im Vorlesungsverzeichnis nieder: Sprach- und Lektürekurse für Arabisch, Persisch und Türkisch, Vorlesungen zur Philosophie in der islamischen Welt oder Seminare zur Ausbreitung und Entwicklung des Islams werden allesamt im Modulkatalog angeboten. Katharina erklärt: «Alle, die sich grundsätzlich für den Nahen Osten und für alles zwischen Indonesien und Marokko interessieren, finden irgendein Thema in der Islamwissenschaft, das ihnen gefällt.»

Multilinguales Studium

Die Freude an Sprachen sei für das Studium unabdingbar. Für einen erfolgreichen Abschluss  müssen sowohl Arabisch als auch entweder Türkisch oder Persisch erlernt werden. Das Erlernen von zwei Sprachen hält aber auch Chancen bereit. Laut Katharina sind die Sprachen auf dem Arbeitsmarkt eines der grössten Kapitale der Islamwissenschafts-Studis. Für Katharinas Studienwahl war die Medienpräsenz des Islams ein entscheidender Faktor. Der Islam werde stets negativ dargestellt und seine Anhängerinnen in Schubladen gesteckt. «Das passte einfach nicht zu meinem Gerechtigkeitssinn, da ich wusste, dass nicht alle Angehörigen einer Religion gleich sein können», sagt sie. Weil ihr aber auffiel, dass sie nur wenig über den Islam wusste, entschied sie sich für das Studium der Islamwissenschaft im Hauptfach.

Die Motivation der Studentinnen sei sehr unterschiedlich. «Vielleicht ein Drittel der Studentinnen sind gläubige Muslimas, welche sich vertieft mit ihrem Glauben auseinandersetzen möchten und darum Islamwissenschaft studieren», so Katharina. Die übrigen zwei Drittel setzen sich aus unterschiedlich interessierten Studentinnen zusammen, die ein gemeinsames Interesse am Nahen Osten und anderen Regionen, in denen der Islam verbreitet ist, verbindet.

Nicht nur Religionswissenschaft

Das Studium der Islamwissenschaft sei klar von jenem der Religionswissenschaft zu trennen. «Unser Studium bezieht sich nicht nur auf den Islam als Religion, sondern auch auf die Kultur islamisch geprägter Länder», erklärt Katharina den Unterschied. Neben der Alltagskultur stehen auch die Geschichte und sogar die Literatur besagter Länder im Fokus des Studienprogramms. Dies sei bei der Religionswissenschaft eher selten der Fall. Damit passt die Islamwissenschaft an das Asien-Orient-Institut der Uni Zürich, wo mit den anderen Wissenschaften Indologie, Japanologie und Sinologie der Name des Instituts Programm ist.

In der Ausgabe #3/19 wird durchgehend das generische Femininum verwendet. Anlass ist der nationale Frauenstreik vom 14. Juni, der Thema dieser Ausgabe ist.

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