Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Mehr Transparenz: Die Uni legt Interessenbindungen offen.

Nebulöse Transparenz

in Campus von

Die Uni legt die Interessenbindungen aller Profs offen. Bis jetzt ist die Liste jedoch lückenhaft.

Im Januar informierte eine Medienmitteilung der Uni Zürich über das neu aufgeschaltete Online-Register der Interessenbindungen, das von Rektor Michael Hengartner letzten Herbst angekündigt worden war. Das Register soll aufzeigen, welche Interessen die Professorinnen und Professoren ausserhalb der Universität verfolgen. Das sind beispielsweise Tätigkeiten in Führungsgremien, Beratungsfunktionen in Stiftungen oder die Mitwirkung in Kommissionen. Auch neugierige Studierende können online einen Blick in die Liste werfen, denn sie ist für alle frei zugänglich.

Unvollständige Transparenz

Die Liste der Interessenbindungen wurde jedoch nicht primär für neugierige Studierende angelegt, sondern um grundsätzlich Transparenz zu schaffen. Sie ist eine Folge des revidierten Universitätsgesetzes, welches 2015 vom Zürcher Kantonsrat verabschiedet wurde. Die Liste zeigt die Verstrickungen der Professorinnen und Professoren mit Wirtschaft und Politik und könnte deshalb potenzielle Interessenkonflikte sichtbar machen. Die Professorinnen und Professoren wurden dazu aufgerufen, ihre Interessenbindungen selber in das Register einzutragen. Ob die Angaben vollständig sind, ist somit Vertrauenssache. Es wurde bereits von Seiten des «Tages-Anzeiger» die Unvollständigkeit der Liste beklagt. Auch bei einer vollständigen Liste bliebe vieles im Verborgenen. Arbeitet jemand beispielsweise drei Jahre lang in beratender Funktion für die Firma Novartis, muss diese Tätigkeit nicht angegeben werden, denn befristete Mandate sind nicht deklarationspflichtig. Auch Lehrtätigkeiten an anderen Hochschulen und erhaltene Geldbeträge müssen nicht angegeben werden.

Falsche Eindrücke

Gemäss der Auswertung des «Tages-Anzeigers» hat die Medizinische Fakultät mit 429 Interessenbindungen mit Abstand die meisten Bindungen. Dies erklärt sich jedoch durch die hohe Anzahl Professuren. Pro Kopf gerechnet führen nämlich die Rechtswissenschaften die Liste an, wo jede Professorin und jeder Professor im Schnitt drei Interessenbindungen hat. Rund die Hälfte der Professorinnen und Professoren hat keine Interessenbindungen angegeben. Die längste Liste hat Alzheimerforscher Christoph Hock mit ganzen 24 Mandaten. Er wird knapp gefolgt von Daniel Jositsch, welcher 22 Interessenbindungen angegeben hat. Allerdings muss diese Zahl relativiert werden: Denn gerade bei Jositsch hängen mehrere Interessenbindungen mit ein-und derselben Beschäftigung zusammen. Das wird jedoch aus der Liste nicht ersichtlich. So ist man als Professor oder Professorin vor die Wahl gestellt: Entweder man gibt alle Beschäftigungen genau an, was in einer  langen Liste resultiert. Oder aber man fasst Mandate zusammen, was den Eindruck erwecken könnte, man etwas verheimliche etwas.


Wichtiger erster Schritt

Die Informationen, welche man der Liste entnehmen kann, sind in der Tat knapp: Datum, Bezeichnung, Sitz und Funktion. Wären die verschiedenen Mandate in Kategorien gruppiert, würde das die Übersichtlichkeit und Lesbarkeit des Registers bereits erheblich verbessern. Die Liste lässt sich zudem nur nach Personen durchsuchen. Eine Suchfunktion, etwa um nach spezifischen Interessenbindungen zu suchen, fehlt. Trotz dieser Mängel macht die Universität mit der Veröffentlichung einen wichtigen Schritt in Richtung Transparenz und sichert die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung. ◊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Lest Zygmunt Bauman!

Der verstorbene Soziologe hat einen scharfsinnigen Essay über Migration verfasst. Dieser sei

Tatort: Bandraum

Vor fünf Jahren komponierten Basil und Vali für die Maturarbeit zusammen einige
Gehe nach Oben