Im Lichthof kann man sich wieder mit Zigis und Kafi versorgen (Bilder: Jonathan Progin).

Neuer Kiosk am alten Ort

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Ein Jahr hat es gedauert, jetzt ist er offen: der neue Studikiosk im Lichthof. Ende 2019 könnte er aber schon wieder schliessen.

Der Kiosk im Lichthof ist wieder da. Ob es der obligate Kaffee in der Vorlesungspause ist oder der Snack gegen den Hunger zwischendurch, der Kiosk versüsst uns den Unialltag am Zentrum. Unscheinbar beim Ausgang des Lichthofs zur Doktor-Faust-Gasse gelegen, könnte man das neue Café Complet fast übersehen. Als er aber letztes Jahr plötzlich verschwand, haben wir den Kiosk dann doch ein bisschen vermisst. Wo war er, was ist neu und was ist beim Alten geblieben?

Neustart nach Pleite

Im November des vergangenen Jahres vermeldete die Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich (ZSUZ) ihren Konkurs. Plötzlich gingen in den Studiläden keine Bücher mehr über die Theke und die Kaffeemaschinen in den Kiosken blieben kalt. Die Studierendenschaft pilgerte auf der Suche nach gutem Kaffee in den Russo oder ins Deutsche Seminar.

Die Unileitung «bedauerte» den Konkurs zwar sehr, war aber nicht bereit, die Organisation finanziell zu sanieren. «Sofort wurde eine Task Force mit Beteiligung des VSUZH einberufen, die die Weiterführung der Angebote sicherstellen sollte», erklärt Lukas Buser, der Präsident des Studiverbandes, im Gespräch. Dabei ging es vor allem um die Druckdienste und die Arbeitsvermittlung. Ersteres übernahm die Uni, letzteres das Ehemaligennetzwerk UZH Alumni. Dem Studiverband fiel es zu, in Zusammenarbeit mit dem Rektoratsdienst und den Fachvereinen einen Vorschlag auszuarbeiten, wie die freigewordenen Verkaufsräumlichkeiten weitergenutzt werden könnten. Dies betraf die beiden Studierendenläden am Irchel und am Zentrum sowie die beiden Kioske.

Zwischennutzung im Zentrum

Der Vorschlag, die ehemaligen Ladenflächen als permanente Studierendenzentren zu nutzen, wie sie an der Uni – im Gegensatz zur ETH – fehlen, wurde von der Unileitung abgelehnt. Stattdessen zieht in die Räumlichkeiten am Zentrum das «IT Service Desk» ein.

Trotzdem wird am Irchel während maximal einem Jahr ein Studierendenzentrum unter der Leitung des VSUZH eingerichtet, danach wird über die Verwendung der Fläche neu entschieden, möglicherweise wird sie für die Forschung verwendet. Im Gegensatz dazu darf der Lichthof-Kiosk am Zentrum aber weiterhin als «Kaffee-Bar mit Zusatzangeboten» verwendet werden, so steht es im Unileitungsentscheid. Die Führung übernahm der Zürcher Frauenverein (ZFV) und arbeitete zusammen mit dem Studiverband und den UZH Alumni das neue Angebot des Kiosks aus.

Gastro-Monopol für den Frauenverein – zu Recht?

Nach einem Monat Vorbereitungszeit konnte das neue Café Complet zum Semesterbeginn seine Türen öffnen. Das Projekt ist aber befristet. Vorläufig bestehen die Kioske für ein Jahr, danach werde über die Verstetigung entschieden, Form und Sortiment gegebenenfalls angepasst, so Buser.

Vertraglich festgelegtes Monopol

Thomas Leuenberger von den ZFV-Unternehmungen ist optimistisch. Er sieht die Studikioske als eine gute Möglichkeit, die bereits bestehenden Angebote der Mensen und Cafés zu ergänzen und sagt, das Café Complet lege seinen Fokus ganz bewusst auf einen qualitativ hochwertigen Kaffee. Einer Erklärung bedarf aber noch folgendes: Sollte der Frauenverein wirklich das Gastro-Monopol an der Uni haben? Lukas Buser sagt, es gebe einen Vertrag, der den ZFV als einzige externe Partei festlege, die auf dem Campus Essen verkaufen darf. «Während es interessant gewesen wäre, über den Studiverband einen neuen Anbieter hineinzubringen, wäre hierfür ein für den VSUZH kaum zu bewältigendes Ausschreibeverfahren nötig gewesen», erklärt Buser. So sei es nicht möglich gewesen, jemand anderen beizuziehen, auch wenn der VSUZH das gerne gesehen hätte. 

Leuenberger bestätigt, dass es einen solchen Vertrag gibt und weist stolz auf die bereits 104-jährige Zusammenarbeit mit der Uni hin. Als das Angebot zur Weiterführung ausgeschrieben wurde, haben die ZFV-Unternehmungen sich beworben und den Auftrag zugesprochen bekommen. Das Angebot werde in enger Zusammenarbeit mit dem Studiverband und den UZH Alumni ausgearbeitet. Auch Buser betont, es sei ihm wichtig gewesen, als studentische Organisation an diesem Projekt beteiligt zu sein, um die Nähe zu den Studenten und Studentinnen zu wahren und das Sortiment den Bedürfnissen anzupassen.

Für Raucherinnen und Veganer

Nach viel Hin und Her haben die Studentinnen und Studenten jetzt also wieder die Möglichkeit, ihr Geld für verschiedenste nötige, unnötige, leckere und weniger leckere Sachen auszugeben. Doch hält der neue Studikiosk, was er verspricht?

Das Café Complet sieht auf den ersten Blick etwas steril aus. Tritt man aber näher, wird man mit einem strahlenden Lächeln und einem warmherzigen «si cariño» der freundlichen Bedienung begrüsst. Wer sich wagt kann sogar das eingerostete Spanisch auspacken und sich auf ein Schwätzchen einlassen. Der Kaffee schmeckt nach Nespresso, und es gibt eine grosse Auswahl an Milch. Für Zigis muss man nun nicht mehr bis ans Kunsthaus laufen, und das Angebot an Snacks und Schöggeli ist vielfältig. Auch Veganer kommen auf ihre Kosten. Der Milchschaum hat zwar noch Verbesserungspotential, und eine echte Espresso-Maschine wäre natürlich sehr willkommen.

Das Fazit der befragten Studentinnen und Studenten fällt durchaus positiv aus. Die kulinarische Ergänzung zum Angebot der Mensen und das erweiterte Sortiment des Kiosks sind eine willkommene Abwechslung.

Kiosk für uns Studis

Im letzten Semester ist hinter den verstaubten Kulissen der geschlossenen Studierendenläden also doch einiges passiert. Task Forces wurden einberufen, Sitzungen abgehalten, Anträge gestellt und abgelehnt. Ob das, was dabei herausgekommen ist, den Bedürfnissen der Studierenden entspricht, wird sich nun zeigen. Kaffee und Zigaretten sind schliesslich nicht alles. Denn beim neuen Studikiosk geht es ja genau um die Studierenden, um euch, um uns.

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