Prüfung an der ETH: Studentinnen werden um Ruhe gebeten (Bild: Stephanie Caminada).

Neues Basisjahr

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Die ETH will die Prüfungsstruktur des ersten Jahres umkrempeln. Der Pilot endet bald.

Das Basisjahr gehört zur ETH wie die Kuppel auf deren Hauptgebäude. Es ist für Neueintretende entscheidend: Bestehen sie die Basisprüfung am Ende des Jahres, können sie mit dem Studium fortfahren. Wenn nicht, müssen sie das erste Jahr noch einmal wiederholen. An diesem System hatte sich jahrzehntelang nichts geändert – bis im Jahr 2016. Aus einer Idee, die am Informatikdepartement entstand, startete die ETH ein Pilotprojekt. Die Basisprüfung wurde in zwei Hälften unterteilt. Den Studentinnen überliess man, wann sie die Prüfungshälften ablegen: wie bisher zusammen im Sommer oder aufgeteilt am Ende des jeweiligen Semesters.

Keine Auswirkung auf Erfolgsquote

Andreas Vaterlaus begleitet das Projekt seit Beginn. Er ist Prorektor für Curriculumsentwicklung und leitet die Evaluation. «Das Ziel der Reform ist, dass mehr Studentinnen zu einer Prüfung an der ETH antreten», sagt er. Im alten System seien 15 Prozent der Neueintretenden nie an einer Prüfung erschienen. Das wollte man verbessern. Gemäss ersten Auswertungen ist dies gelungen: «Nach einem Jahr sind fast zehn Prozent mehr zu einer Prüfung erschienen», so Vaterlaus. Die Erfolgsquote habe sich hingegen nicht verändert. Sie liegt im Durchschnitt bei rund 70 Prozent.

Die ETH wertet auch die Zufriedenheit der Studentinnen aus. «Es ist schon so, dass sie sich unter Druck fühlen», sagt Vaterlaus. «Es ist immer ein Stress, vor einer solchen Prüfung zu stehen.» Sie hätten dieselben Fragen zur Zufriedenheit bereits dem Jahrgang vor dem Basisprüfungssplit gestellt. Die erhobenen Daten seien vergleichbar.

Studentinnen erhalten früher Feedback

Jonathan Ehrat besuchte das Basisjahr sowohl im alten System, als auch im neuen. Für den Informatikstudenten überwiegen die Vorteile der Aufteilung: «Wenn man die ersten Prüfungen bereits im Winter hat, ist das ein Anreiz, schon früher zu lernen.» Ausserdem werde die Lernphase im Sommer angenehmer, weil man dann weniger Prüfungen habe.

Auch Vaterlaus bevorzugt die Aufteilung: «Ich erinnere mich an mein Studium. Das war ein ungutes Gefühl, im Ungewissen gelassen zu werden.» Nun habe man früher die Chance, etwas zu ändern oder nach anderen Optionen zu schauen, wenn sie kritisches Feedback erhalte. «Darum schätze ich das neue System.» Doch es gibt auch Nachteile: «Studentinnen kommen von verschiedenen Gymnasien. Im alten System hatten sie mehr Zeit, sich einzuleben und an die Unterschiede zu gewöhnen. Damit hing der Prüfungserfolg weniger vom Gymnasium ab», so Vaterlaus.

Für Dozentinnen aufwändiger

Fünf von 23 Bachelorprogrammen sind am Pilotprojekt beteiligt. Das entspricht einem Drittel der jährlich Neueintretenden oder rund 800 Studentinnen, weil es sich um grosse Studiengänge handelt. Das Pilotprojekt ist auf vier Jahre begrenzt und endet im Sommer 2020. Bei den Prüfungen in diesem Sommer werden zum letzten Mal Daten erfasst, bevor die Auswertung beginnt.

Vaterlaus schätzt die Meinung zur Reform in den Departementen als «verhalten positiv» ein: «Das neue Prüfungssystem ist für Dozentinnen aufwändiger. Sie haben sich vielleicht auch höhere Erfolgsquoten erhofft», sagt er. Welches der beiden Systeme sie bevorzugen, weiss er nicht: «Das haben wir so bisher noch nicht gefragt. Wir werden es erfahren, wenn wir die Departemente im Herbst um eine Stellungsnahme bitten.»

In der Ausgabe #3/19 wird durchgehend das generische Femininum verwendet. Anlass ist der nationale Frauenstreik vom 14. Juni, der Thema dieser Ausgabe ist.

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