Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Odysseus auf dem Irchel

in Campus von

Das Studententheater der Uni Zürich (StuThe) führt die Odyssee auf. Von der Textfassung über das Schauspiel bis hin zum Technischen nehmen die Studierenden alles selbst in die Hand. Ein Besuch in den Proben.

Wenn Antinoos (Stefan Pfister) die Sprechübungen leitet und Poseidon (Dominik Beck) die Musik zum Theater über Eumaios’ (Andy Kirk) Handy abspielen lässt, weiss man, wo man gelandet ist: Bei einer Probe des Studententheaters. Mit Dario Mariani in der Titelrolle führen sie ab Freitag, 14. Oktober die Odyssee auf.

Laiendarstellende mit Pfiff

Etwas hoch gegriffen für eine Gruppe von Laiinnen und Laien? Mitnichten. Schon nur bei den ersten Durchläufen in der Probe merkt man, wie viel Herzblut in dieses Projekt und wieviel Freizeit dafür geopfert wurde. Trotzdem sind die am Stück Mitwirkenden, allesamt Studierende aus den verschiedensten Fachrichtungen, ganz und gar nicht zufrieden mit sich selbst. Sie kritisieren sich selbst und ihre Kolleginnen und Kollegen konstruktiv, aber bestimmt. Kein Wunder, meint Regisseur André Hillers, dass sie alle nach dem Probenwochenende etwas ausgelaugt seien. Der Wille, das Ganze noch bis zur Perfektion zu verbessern, sei auf jeden Fall da.

Dies obwohl die jungen Schauspielenden sich alle freiwillig und gratis in der sowieso schon knappen Freizeit engagieren. «Immer in der Prüfungsphase denke ich mir: Warum nur mache ich bloss noch Theater nebenbei?», erzählt Natasha Kiper, die im Stück zusammen mit Emma Spani die Rolle der Athene innehat. «Aber es ist dann doch immer toll, dabei zu sein.» Schliesslich finde man mit der Zeit auch Freunde unter den Mit-Schauspielenden.

Ämtli und Rollen

Das Schauspielen selbst und die Aufführungen sind aber nur ein Teil der ganzen Theaterarbeit. Denn bevor die Schauspielenden ihren Text auswendig lernen können, muss dieser erst einmal vorhanden sein. Friederike Karpf, die die einsame, besitzergreifende Göttin Kalypso mimt, war Mitglied des Dramaturgie-Teams, welches Ad de Bonts Bühnenfassung von 2006 für das Studententheater ummodellieren musste. Der Vorteil daran ist, dass damit gleichzeitig auch die Rollen etwas an die Schauspielenden angeglichen werden konnten.

Als kleiner Theaterverein, bei dem alle willkommen sind, egal, wie «gut» er oder sie ist, ist es für das StuThe selbstverständlich, dass jeder und jede neben der eigenen Rolle noch andere Aufgaben zu erfüllen hat. Ausser der Regie und dem Licht (Hannes Hübner) gibt es keine Fulltime-Jobs. So wird aus der kränkelnden Penelope nach der Probe Irina Siminichina, die alle daran erinnert, gefälligst die Umbau- und Requisitenpläne zu beachten, die sie erstellt, während ihr Sohn Telemachos (Dominik Büeler) allen noch ein paar Plakate in die Hände drückt, mit denen sie ordentlich Werbung machen sollen.

Werbung, die sich hoffentlich auszahlen wird: Die Studierenden freuen sich ungemein auf die Premiere und die darauffolgenden Aufführungen. Eines darf man sich von «Eine Odyssee» ganz bestimmt erhoffen: Ein sorgfältig einstudiertes Stück, das mit dramatischen Monologen, viel Humor und beispielloser Leidenschaft die Geschichte eines Helden erzählt.

Premiere: Freitag, 14.10.2016, Theatersaal Uni Irchel
Weitere Infos und Aufführungsdaten: www.stuthe.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Talk im Schauspielhaus

Im Schauspielhaus Zürich wird nicht nur Theater gespielt. Im Rahmen der Reihe «Zürcher

Hexenjagd am Irchel

Was tun, wenn ausgerechnet die Tochter des Dorfpfarrers vom Teufel besessen scheint?
Gehe nach Oben