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Das Polykum, die Studizeitung der ETH: Nicht alle sind zufrieden damit.

Polykum polarisiert

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Das Polykum, die Studierendenzeitung der ETH, verursacht jährliche Kosten im sechsstelligen Bereich. Doch wie lange wird der VSETH diese noch decken?

Das Polykum, die offizielle Studierendenzeitung der ETH, steht in der Kritik. Neunmal pro Jahr landet es in den Briefkästen aller VSETH-Mitglieder und damit auch in denen aller ETH-Studierenden. Das kostet Geld, viel Geld. Jahr für Jahr belaufen sich die Kosten, die die Produktion des Polykum verursacht, auf einen sechsstelligen Betrag. Diese Kosten werden vom VSETH getragen.

Arbeitsgruppe Polykum

Das passt nicht allen. Jedes Jahr kommt es innerhalb des Mitgliederrates, der gros-sen Legislative des VSETH, aufs Neue zu grossen Diskussionen, wenn es darum geht, das Budget zu verabschieden. Hauptpunkt der Diskussionen: das viele Geld, das für das Polykum budgetiert ist.

Um den fortwährenden Diskussionen künftig einen Riegel zu schieben, wurde im Herbst letzten Jahres eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit dem Polykum auseinandersetzen soll.  «Die Arbeitsgruppe soll in erster Linie klären, wie die Kosten des Polykums verringert oder aber dessen Erträge gesteigert werden können», so Lukas Reichart, Präsident des VSETH. Sie solle ein Gefäss sein, in das sich alle VSETH-Mitglieder miteinbringen können. Reichart betont, dass sich das Polykum nicht in finanzieller Schräglage befinde: «Solange der VSETH keine finanziellen Probleme hat, hat auch das Polykum keine.» Wenn es nach ihm und dem Vorstand geht, wird der VSETH auch in Zukunft die Kosten des Polykums decken: «Das Polykum ist das offizielle Publikationsorgan des VSETH, mit welchem er alle Studierenden erreicht. Meines Erachtens muss einem das auch etwas wert sein.»

Unsichere Zukunft

Simon Miescher ist einer der in der Arbeitsgruppe Engagierten. «Von der Abschaffung des Polykums bis hin zur kompletten Beibehaltung des Status quo steht alles im Raum», sagt er. Dabei ziele die Hauptkritik der Arbeitsgruppe vor allem auf drei Punkte: Erstens würden die hohen Geldbeträge, die das Polykum an Verlust einfährt, keine sinnvolle Grössenordung für einen Studierendenverein oder dessen Zeitung darstellen. «Für Studierende ist das sehr viel Geld.»  Zweitens würden viele Fachvereine an der ETH ihre eigenen Zeitungen herausgeben.

Im Gegensatz zum Polykum würden diese aber keine Verluste einfahren – sondern im Gegenteil Gewinn erzielen: «Sie sind für viele Fachvereine eine der Haupteinnahmequellen», so Miescher. Damit verbunden ist schliesslich der dritte Kritikpunkt: Im Gegensatz zu den Fachvereinszeitungen zahlt das Polykum Löhne aus. Eine Tatsache, die Miescher, der sich selbst im «Blitz», der Zeitung des Fachvereins für Maschinenbau und Elektrotechnik (amiv), engagiert, komplett gegen den Strich geht: «Es ist ungerechtfertigt, dass beim Polykum die Arbeit mit Geld honoriert wird, die andernorts komplett in freiwilligem Engagement entsteht.» Tatsächlich beschäftigt das Polykum zwei Angestellte, die sich zusammen eine 75%-Stelle teilen. Auch freie Mitarbeitende, die sporadisch Texte fürs Polykum schreiben, streichen einen Lohn ein: Pro Seite à 3000 Zeichen sind das gemäss Lukas Reichart 80 Franken.

Lösung im Herbst?

Im Herbst dann, wenn der Mitgliederrat des VSETH das Budget fürs kommende Geschäftsjahr verabschieden wird, sollen konkrete Lösungsvorschläge auf dem Tisch liegen. Wie diese aussehen werden, ist zurzeit noch unbekannt. Klar ist aber: Die Studierenden der ETH verweigern dem Polykum zumindest teilweise die Gefolgschaft. Affaire à suivre. ◊

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