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Rätselhaftes Familiendrama

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Ein junger Mann versucht den rätselhaften Tod seines Bruders aufzuklären – und muss sich dafür mit seiner Familiengeschichte auseinandersetzten. Der chinesischstämmige Schweizer Regisseur François Yang verarbeitet in seinem ersten Spielfilm eigene Erlebnisse – und berührt damit das Publikum.

François Yang, als Kind chinesischer Eltern in Fribourg aufgewachsen, hat seinen Bruder verloren – und wollte diesen Verlust filmisch umsetzen. Ein so persönliches Thema auf die Leinwand zu bringen, stellt keine leichte Aufgabe dar. Und so entschied sich Yang für eine fiktive Story, die lediglich inspiriert ist von seiner Biographie. Das Resultat ist «L’âme du tigre», der am Zurich Film Festival (ZFF) im Wettbewerb «Fokus Schweiz Deutschland Österreich» lief.

Entfremdete Traditionen

Der Protagonist Alex (Frédéric Siuen) kehrt nach dem mysteriösen Tod seines Bruders zurück zu seinen Eltern nach Paris und wird dort mit traditionellen chinesischen Ritualen konfrontiert, von denen er zutiefst befremdet ist. Er versucht, herauszufinden, wie sein Bruder gestorben ist und enthüllt nach und nach seine eigene Familiengeschichte. Dabei muss er sich mit seiner französischen Mutter auseinandersetzen, die sich in ihre Trauer zurückgezogen hat und auch mit seinem chinesisch stämmigen Vater, der zunächst jegliche Auskunft verweigert, sich in einer berührenden Szene schliesslich aber dem Sohn öffnet.

Lange Einstellungen und ruhige Bilder, unterlegt mit melancholischer Klaviermusik, kreieren eine drückende Stimmung, da und dort aber auch einige Längen. Der Hauptdarsteller Frédéric Siuen schafft es trotzdem, die Geschichte so eindrücklich und ergreifend zu gestalten, dass «L’âme du tigre» das Publikum nicht kalt lässt. Zudem sind die Bilder des chinesischen Viertels in Paris, in dem die Handlung angesiedelt ist, ungewohnt. So kannte man diese Stadt bisher noch nicht; die vielen unbekannten Ecken sind eine erfrischende Abwechslung zu den allzu bekannten Paris-Bildern in Filmen wie «Midnight in Paris» von Woody Allen.

Dokumentarisch und emotional

«L’âme du tigre» scheint beinahe dokumentarisch: Vielleicht liegt dies daran, dass der Regisseur vor diesem Spielfilm nur Dokumentarfilme gedreht hatte. Vielleicht aber kommt es auch daher, dass der historische Hintergrund des Films – die Kulturrevolution in China – und die Biographie des Filmemachers eine wichtige Rolle spielen.

Seinen Spielfilmerstling widmete Yang seinem verstorbenen Bruder. Im Gespräch am ZFF erzählte der Regisseur, dass der Verlust seines Bruders ihn dazu animieren konnte, das Leben mehr wertzuschätzen und sich zu fragen, womit er seine Zeit auf Erden wirklich verbringen möchte. Es gelingt ihm, solche Emotionen auf das Publik zu übertragen: Bewegt und etwas nachdenklich verlässt man den Kinosaal.

«L’âme du tigre», 2016. Regie: François Lang.
(Kinostart noch unbekannt)

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