Aschenbecher und «Zürcher Student» auf den Tischen im Lichthof. (Bild: ETH-Archiv)

Raus mit dem Rauch

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Bis vor 14 Jahren konnte man im Lichthof eine Kippe anzünden. Heute ist das unvorstellbar. Eine Chronologie.

Erst kürzlich verärgerten die SBB die rauchende Schweizer Öffentlichkeit: Die Bundesbahnen führten ein Rauchverbot in sechs Bahnhöfen ein. Während vor 20 Jahren noch im Zugwagen geraucht werden durfte, ist das nun beispielsweise am Bahnhof Stadelhofen nicht einmal mehr auf dem Perron erlaubt. Doch das ist nur eine von vielen Veränderungen der letzten 50 Jahre, im Laufe derer sich das Image der Zigarette radikal verschlechterte.

Zigis im Lichthof

In den 1960ern tauchte erstmals eine Studie aus den USA auf, die die gesundheitsschädigende Wirkung des Rauchens nachwies. Die Meldung schockierte die Welt. Allerdings war die Erkenntnis nicht über alle Zweifel erhaben, denn auch angesehene Wissenschaftler bestritten, dass Rauchen tatsächlich Lungenkrebs auslösen kann. Qualmen blieb daher ein zentraler Teil des gesellschaftlichen Beisammenseins. Auch an der Universität Zürich gehörten Zigaretten dazu: Im Lichthof, in der Mensa und in den Gängen standen Aschenbecher. Teilweise war das Rauchen sogar in den Seminaren erlaubt, solange der Dozent und eine Mehrheit der Studierenden nichts dagegen hatten.

30 Jahre später rauchen immer noch viele Studis. Mittlerweile ist aber das gesundheitliche Risiko, das mit dem Konsum von Zigaretten einhergeht, allen bekannt. Auch der Universität Zürich: Bereits 1997 galt in rund der Hälfte der Gebäude ein striktes Rauchverbot. Doch das genügte einigen Studis und Dozierenden nicht. Sie starteten das Projekt «uni rauchfrei», das die Zigarette weiter bekämpfen wollte. Im Rahmen dieses Projekts beschloss die Universitätsleitung kurz vor Weihnachten 2004, Zigaretten in allen Gebäuden der Uni ab dem Frühjahrssemester 2005 zu verbieten. Dabei betonte sie, dass die Universität nicht Rauchende schikanieren, sondern Nichtraucher vor dem Passivrauchen schützen möchte.

Rauchfrei bis 2040

Trotzdem kommt man nicht umhin, eine gewisse erzieherische Zielsetzung dahinter zu vermuten: Raucher scheinen in der Gesellschaft nicht mehr erwünscht zu sein. So auch in Finnland, wo das sogar offen kommuniziert wurde: Das Land im Norden will bis 2040 komplett rauchfrei sein. Deshalb ist das Qualmen dort an allen öffentlichen Orten verboten. Und tatsächlich raucht in Finnland nur rund jede Fünfte, in der Schweiz hingegen jeder Vierte. Hierzulande sind es bei den 20- bis 25-Jährigen sogar fast 40 Prozent, so viele wie in keiner anderen Bevölkerungsgruppe. Eine erstaunlich hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die gesundheitsschädigende Wirkung von Tabak kaum mehr angezweifelt wird.

Rauchende akzeptieren Nichtrauchen

Warum zünden sich heute trotzdem noch so viele junge Leute täglich eine Zigarette an? «Es entspannt mich. Und ich rauche ja nicht so viel, dass es wirklich ungesund wäre», meint eine Publizistikstudentin. Auch ein anderer Student sieht die Sache locker: «Es ist ja auch ungesund, wenn du keinen Sport treibst.» Viele Studierende scheinen nicht ans Aufhören zu denken. Man gönnt sich die Zigis, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben oder das zuzugeben. Vielmehr scheint das Rauchen die bewusste Entscheidung für einen Lifestyle zu sein.

Trotzdem sehnen sich nicht alle Rauchenden zurück in eine Zeit, in der liberalere Regeln galten. Das Nichtrauchen scheint akzeptiert zu sein. Anscheinend auch an der Uni: Auf Nachfrage erklärte sie, dass das Projekt «uni rauchfrei» abgeschlossen sei. Zigi ausgebrannt! ◊

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