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    Hier geht's zur Sache: Die Theatergruppe Blueprint Masquerades.

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Rohe Emotionen und viel Gefluche

in Campus von

Die Theatergruppe des Englischen Seminars führt aktuell «August: Osage County» auf. Das anspruchsvolle Stück wird von eigens dafür komponierter Live-Musik begleitet.

Auf der Bühne an der Plattenstrasse wird getrunken, gekifft und gestritten. Es werden Pillen geschluckt, Teller zerbrochen und Ohrfeigen verteilt. Denn «August: Osage County», zu Deutsch «Eine Familie», des amerikanischen Dramatikers Tracy Letts hat es in sich. In drei Akten erzählt die Theatergruppe des Englischen Seminars, die Blueprint Masquerades, die tragikomische Geschichte der Familie Weston im südstaatlichen Oklahoma. Vater Beverly Weston, ein ehemals berühmter Dichter, verschwindet plötzlich, worauf die drei erwachsenen Töchter Barbara Fordham, Ivy und Karen Weston der pillenabhängigen, krebskranken Mutter Violet Weston zur Seite eilen. Was folgt ist die Studie einer Familie, die auf den ersten Blick «accidentally connected by genetics» erscheint und doch untrennbar miteinander verbunden ist.

Gewagte Stückwahl

Dass sich der Englische Theaterverein an das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück gewagt hat, ist mutig. Den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern dürfte zudem die Verfilmung mit Meryl Streep und Julia Roberts von 2013 noch in Erinnerung sein. Doch die Rechnung geht auf: Olivia Fischer weiss als manipulierende Violet Weston zu überzeugen und prägt mit ihrer starken Darbietung den Abend – sei es schreiend, nach Wörtern suchend oder einfach nur rauchend. Aber auch die weiteren Rollen sind gut besetzt, so bringen Mayumi Kinoshita und Andri Erdin die spannungsgeladene Luft als frisch getrenntes Ehepaar Barbara und Bill Fordham förmlich zum Knistern, und Kiran Kuzhippallil gibt einen überzeugend-schmierigen Steve Heidebrecht ab. Aber auch das Bühnendesign ist gelungen: Der verfügbare Raum wird gekonnt unterteilt und genutzt, was die Anwesenheit einzelner Figuren im Hintergrund der Handlung ermöglicht. So ist etwa die Präsenz von Johnna Monevata, dem indianischen Hausmädchen, immer spürbar, auch wenn ihre Rolle sich nicht gleich lautstark wie der Rest der Besetzung bemerkbar macht.

Eigene musikalische Untermalung
Ein Highlight für das Publikum ist die live gespielte, speziell für die Aufführung komponierte Musik. Andrin Albrecht kreierte die Musik extra für die vorhandenen Instrumente Klarinette, Klavier, Geige und Gitarre. Das vierköpfige Ensemble spielt dabei teils zwischen den Akten, teils während der Szenen, um die Stimmung zu untermalen. Um sich von der Filmmusik der Filmadaption nicht beeinflussen zu lassen, habe er den Film absichtlich nicht geschaut. «Bereits vor zwei Jahren haben wir für in die Aufführung von «Tempest» Live-Musik eingebaut», erzählt Albrecht. Denn Shakespeare habe bewusst Musik in das Stück reingeschrieben. Da er schon immer einmal Filmmusik machen wollte, stellte dies die perfekte Gelegenheit für ihn dar. «Während der Produktion hatte ich mir zwar geschworen, so etwas nicht noch einmal zu machen», erzählt Albrecht, für den die musikalische Untermalung mit einem grossen Aufwand verbunden war. «Wenn man aber das Resultat sieht und alles funktioniert, ist dies wundervoll.» Somit darf man auf weitere Beiträge seinerseits zu den Produktionen der Blueprint Masquerades gespannt sein.

In English, please!

Von den zwölf Schauspielerinnen und Schauspielern, die dieses Jahr auf der Bühne stehen, sind acht neu zu der Theatergruppe gestossen. Dabei studiert zwar die Mehrheit Englisch – aber auch Jus- und Biomedizin-Studierende sind dabei. Regisseur Astrit Abazi führt das auf die erfolgreiche Werbung der Blueprint Masquerades zurück. «Etwa dreissig Leute haben sich bei unserem Vorsprechen beworben», so Abazi. Natürlich werde darauf geachtet, dass die Darstellerinnen und Darsteller gutes Englisch sprechen – ein perfekter Akzent sei aber keine Voraussetzung. Unter sich ist die Gruppe zudem dazu verpflichtet, Englisch zu sprechen: «Da der Theaterverein als Tutorat klassifiziert ist, müssen wir bei Proben und sonstigen Treffen immer in Englisch kommunizieren.» Dies sei aber kein Problem, da sich die meisten sowieso untereinander in dieser Sprache unterhalten würden.

Nach der Premiere sei er nun sehr zufrieden. «Es ist ein sehr anspruchsvolles Stück, und dies ist mein erstes Jahr als Regisseur». Im Juli werden sich die Mitglieder der Blueprint Masquerades treffen, um das kommende Stück zu bestimmen, damit im Herbst die nächsten Vorsprechen durchgeführt werden können. «Jedes Jahr nehmen wir uns vor, ein einfacheres Stück in Angriff zu nehmen; und jedes Jahr wählen wir schlussendlich doch ein schwierigeres aus», meint Abazi lachend. Fragt sich nur, wie sich die Theatergruppe nächstes Jahr toppen kann – vielleicht mit «Hamlet» oder gar mit einem Musical? Bis dahin sei «August: Osage County» Theaterliebhaberinnen und -liebhabern wärmstens empfohlen.

Die nächsten Aufführungen finden am 21., 26., 27., 28., April um 19.30 bzw. 18.00 Uhr statt. Ort: Bühne Atelierschule, Plattenstrasse 37, 8032 Zürich. Dauer: 2h 15min. Tickets unter blueprintmasquerades.com, im Büro des Englischen Seminars oder direkt an der Theaterkasse vor der Aufführung. 15.- für Studierende und Alumni des Englischen Seminars, 20.- für alle anderen.

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