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Schnuppersemester für Geflüchtete

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Im Rahmen eines Pilotprojekts bekommen 20 Geflüchtete die Möglichkeit, Vorlesungen an der UZH zu besuchen.

Die hiesige Debatte rund um Geflüchtete hat nicht an Brisanz verloren. Ebensowenig die Frage, wie man am besten selbst einen Beitrag zur Hilfe in dieser prekären Situation leisten kann. Kleider- und Geldspenden oder Freiwilligenarbeit sind sinnvolle und machbare Möglichkeiten, sie kosten aber in erster Linie Zeit oder Geld. Bei Studierenden ist Letzteres meistens nur knapp vorhanden. Zeit kann in vielen Fällen besser entbehrt werden. Und genau darauf setzt ein neues Projekt, das vom VSUZH in Zusammenarbeit mit der «Amnesty International Hochschulgruppe Zürich» organisiert wird. Im Rahmen des Pilotprojekts «Schnuppersemester für Flüchtlinge» wird 20 Geflüchteten im Frühjahrssemester 2017 die Möglichkeit geboten, als Gasthörende und gebührenfrei die Vorlesungen der UZH zu besuchen.

Studierende, die sich für Geflüchtete engagieren möchten und einen kulturellen Austausch im universitären Umfeld begrüssen, können dabei in der Rolle eines Mentors bzw. einer Mentorin jemanden  durch das Semester begleiten. Dabei kümmern sich die Studierenden um die erste Kontaktaufnahme und arrangieren regelmässige Treffen. Empfohlen werden im Minimum eine Stunde pro Woche sowie zusätzlich weitere kleinere Treffen.  Ausserdem gehört es zur Aufgabe der Mentorinnen und Mentoren, einen Auditorenschein  auszufüllen: Wer im Besitz eines Auditorenscheins ist, darf auch ohne Immatrikulation Vorlesungen an der Uni Zürich besuchen. Diese Möglichkeit stehtallen offen, allerdings muss der Auditorenschein für gewöhnlich gegen eine Gebühr erworben werden, die für die Teilnehmenden dieses Projekts entfällt. Daneben müssen die Mentorinnen und Mentoren an zwei Informationsevents teilnehmen. Im Rahmen desselben Projekts gibt es für Studierende auch die Möglichkeit, sich bei sogenannten «Refugees-Events» als freiwillige Helfer und Helferinnen zu beteiligen. Bei «Refugees-Events» wird den Geflüchteten die Möglichkeit geboten, sich mit anderen Geflüchteten und anderen Mentorinnen und Mentoren auszutauschen.

Das Ziel des Projekts ist es, dass Teilnehmende einen Einblick in das studentische Leben an der Uni Zürich gewinnen und sich damit auf eine mögliche spätere Bewerbung an der Universität vorbereiten können. Aus diesem Grund dürfen die Teilnehmenden auch das Selbstlernzentrum des Sprachenzentrums nutzen, um dort ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Während des Schnuppersemesters erhalten die Teilnehmenden allerdings keinen Studierendenstatus.

Es ist für sie nicht möglich, sich akademische Leistungen anrechnen zu lassen und Prüfungen abzulegen. Voraussetzungen für die Teilnahme am Projekt sind ein angefangenes oder bereits abgeschlossenes Hochschulstudium, gute Sprachkenntnisse der jeweiligen Unterrichtssprache und einen Aufenthaltsstatus der Art B, F oder N. Obwohl die Uni erstmals ein solches Projekt lanciert hat, ist das Interesse sowohl auf Seiten der Geflüchteten als auch auf Seiten der Studierenden gross. Nicht ganz die Hälfte derjenigen, die sich beworben haben, hat bereits ein Studium absolviert.

Die Uni Zürich ist nicht die einzige Schweizer Hochschule, die sich mit einem Schnuppersemesters dafür einsetzt, dass Geflüchteten der Wiedereinstieg an die Uni  erleichtert wird; an der ETH beispielsweise konnten bereits im vergangenen Herbstsemester 40 Interessierte an einem Schnuppersemester teilnehmen. ◊

In Zusammenarbeit mir Madeleine Sieber

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