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Schöne Schlichtheit

in Campus von

Das Theaterstück «Welches Jahr haben wir gerade?» wird am 17. September in der Kammer des Schauspielhauses uraufgeführt. Die Autorin, Afsane Ehsandar, gebürtige Iranerin, floh 2014 nach Berlin. Obwohl sie erst dann die Sprache zu lernen begann, schrieb sie das Stück auf Deutsch. Umso beeindruckender ist es, dass es zu den drei Gewinnertexten der Autorentheatertage gehört und durch inhaltliche wie auch formale Originalität besticht. Denn das kurze Stück ist komplett in Dialogform gehalten und mäandriert ohne grosse Handlung zwischen verschiedenen Erzählebenen. Die Thematik der Flucht wird authentisch aufgenommen, die Protagonisten erzählen über das schwierige Ankommen in der neuen Heimat. Das beklemmende Gefühl, von Sprachbarrieren eingeschränkt zu sein, bringt die Autorin, wahrscheinlich auch aufgrund  eigener Erfahrung, gut zum Ausdruck. Auch bei der Inszenierung wird die Sprache in den Fokus gerückt. Zwei Schauspielerinnen (Sarah Gailer und Sarah Hoststettler) sowie eine Stimme aus dem Off (Isabelle Menke) weben einzelne Sätze zu einem Gesprächsfluss. Denn die junge Regisseurin Mélanie Huber teilte die weibliche Rolle auf, während der Mann nur von einem Schauspieler (Nicolas Rosat) besetzt wird. Ausserdem setzt die Regisseurin, wie auch in ihren vergangenen Produktionen, Musik als zusätzliches Ausdrucksmittel ein. Martin von Allmen komponierte aus dem Originaltext mehrere Lieder, die der sonst schlichten Inszenierung eine besonders berührende Note verleihen. Auch das Bühnenbild ist sehr reduziert,  das Drama spielt zwar in einem stillgelegten Schwimmbecken, aber es gibt nur sehr wenige Requisiten.

Das Stück spricht die wichtigen Thematiken Flucht und Ankommen an, auf denen in dieser Saison das Augenmerk des Schauspielhauses liegt. Es findet auch nach jeder Vorstellung ein Publikumsgespräch statt, an dem entweder die Regisseurin, das Team oder die Autorin selbst teilnehmen. Man versucht so, den Dialog um die Thematik zu öffnen, auch nachdem der Vorhang gefallen ist. Sich das Stück anzusehen, lohnt sich sicherlich. Nicht nur, weil es sich gegen über 100 andere Texte an den Autorentagen durchgesetzt hat, sondern auch, weil es durch eine schöne und schlichte Inszenierung besticht.

Das Stück wird noch bis zum 15. Oktober im Schauspielhaus aufgeführt.

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