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Schwere Last der Vergangenheit

in Campus/International/Thema von

Dana Abed, Dana Kambris (Text) und Michael Kuratli (Übersetzung)

Beirut findet aus den Wirren seiner Geschichte keinen Ausweg.

Beirut befindet sich an der Weggabelung zwischen Europa und Nordafrika. Ihre strategisch bedeutsame geographische Position hat die Stadt zum Ziel vieler Eroberer – Griechen, Römer, Osmanen und Franzosen – gemacht. Aus der reichen Geschichte der Stadt erklärt sich, wie die Dinge in Beirut heute stehen. Aufgrund seiner autoritären Regierungen in der Vergangenheit hat der Libanon nie gelernt, sich selbst zu verwalten. Das resultierte in unbrauchbaren Parlamenten und 1975 in einem Bürgerkrieg.

Heute in Beirut zu leben heisst, mit den prägenden Konsequenzen des Bürgerkriegs zurechtzukommen. Die libanesische Jugend muss sich durch ein System manövrieren, das von Bürgerkriegs-Warlords kontrolliert wird, die jegliche Initiativen für einen Wandel behindern. Hohe Arbeitslosigkeit, eine schwache Wirtschaft, eine schlecht gehandhabte Flüchtlingskrise oder das Fehlen eines nachhaltigen nationalen Abfallentsorgungssystems sind nur einige der Probleme, mit denen die Jugend zu leben hat.

Dennoch hat dies die libanesische Jugend nie davon abgehalten, zu leben und zu streben. Viele fragen, was die Libanesinnen und Libanesen dazu bringt, weiter zu machen – Konflikt um Konflikt, Krise um Krise. Die Antwort ist einfach: Es sind die Menschen selbst. Ihre kulturelle Vielfalt macht die Hauptstadt mit ihren kleinen Gässchen zu einer immer von neuem aufregenden Erfahrung, selbst für Ansässige. Die Atmosphäre ist entspannt, die Vielfalt verrückt! Man trifft den Abenteurer, der dich auf eine spirituelle Reise mitnimmt, die Revolutionärin, die die Welt verändern will, Akademikerinnen und Akademiker, die eine Möglichkeit suchen, im Ausland zu studieren, und die Kellnerin, die Geld spart, um die Welt zu bereisen; all das in den Strassen Beiruts.

Obwohl sich die Stadt im Herzen des konservativen, problembehafteten Nahen Ostens befindet, gilt in Beirut Meinungsfreiheit. Aktivistinnen und Aktivisten im Libanon engagieren sich für die Rechte der Frauen und der LGBT-Community. Es gibt einen gewissen Grad an Bewusstsein und Bildung in jungen Bevölkerungsschichten, der uns hoffnungsvoll in eine bessere Zukunft blicken lässt.

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