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Schwitzende Probanden, gebannte Zuhörende: die zweite Vorlesung der diessemestrigen Kinder-Universität. (Bild: Simon Leithold)

Schwitzen und staunen

in Campus von

Jeden November findet die Vorlesungsreihe der Kinder-Universität statt. Ein grosser Spass für die Kleinen.

«Wer zuvorderst im Hörsaal sitzt, ist am schnellsten und am coolsten!» So könnte das Credo der Kinder nach Öffnung des Saales lauten. Der gegebene Anlass ist das Gedränge aber auch wert; heute geht es an der Kinder-Universität Zürich ums Schwitzen.

Die Kinder-Universität Zürich gibt es seit dem Sommersemester 2004 für Schülerinnen und Schüler der 3. bis 6. Primarschulklasse. Im November veranstaltet sie jeweils eine Vorlesung pro Woche, die von Professorinnen und Professoren der Uni Zürich gehalten wird und bei der versucht wird, den Kindern die Welt der Wissenschaft zu zeigen. In diesem Semester stehen Themen wie «Was ist ein Wikinger?», «Witze unter der Lupe!» oder eben «Warum schwitzen wir?» an.

Ein Hörsaal voller Kinder

Die Kinder, oder zumindest die wissbegierigen unter ihnen, sitzen neugierig an den langgezogenen Bänken des Hörsaals auf dem Irchel-Campus. Der Lärmpegel ist hoch. Überall werden Etuis gezogen und Buntstifte neben dem Papier-Block aufgereiht. Vor der Wandtafel sind einige Assistierende in weissen Kitteln und zwei Probanden auszumachen. Einer von beiden steckt in einer Sporthose, der andere in  Badehose und  T-Shirt. In der Mitte steht Professor Vartan Kurtcuoglu und weist seine wissenschaftlichen Assistierenden abgeklärt auf ihre Posten. Er wird die zahlreichen kleinen Besucherinnen und Besucher durch die Vorlesung führen. Seine Stimme erklingt durch die Lautsprecher, und die ohnehin schon grossen Kinderaugen werden noch grösser. Mit strahlenden Blicken warten sie gespannt auf die nächste Dreiviertelstunde, in der sie mehr über den komplexen Vorgang des Schwitzens erfahren. «Kinder sind zwar nicht bessere Zuhörer als reguläre Studierende, man muss aber weniger tun, um ihr Interesse zu wecken», so Kurtcuoglu, der am Institut für Physiologie forscht. Kurz darauf setzt sich ein Proband in ein warmes Wasserbad und der zweite steigt auf ein bereitgestelltes Laufband. Ein überraschtes Gekicher geht durch das junge Publikum. Doch die Aufmerksamkeit gilt sofort wieder dem Professor.

Anschaulich und präzis

Die abgebildeten Folien auf der Leinwand zeigen gross geschriebene Fremdwörter, eine Sonne mit einem Gesicht, eine interaktive Holzschaukel und menschliche Körperumrisse bei letzteren machen «Iiiiiih»-Schreie die Runde. Dem Professor macht das Spass: «Ich versuche, alles verständlich zu halten. So habe ich bewusst auf den Begriff ‹Energie› verzichtet und stattdessen jeweils ‹Wärme› verwendet. Die Kinder können sich unter Wärme etwas vorstellen; unter Energie eher nicht.»

Immer wieder versteht er es, durch anschauliche Illustrationen und präzise Aussagen den Wissbegierigen das Phänomen der Regulierung der Körperwärme näherzubringen. Kurtcuoglu habe sich, im Vergleich zu gewöhnlichen Vorlesungen, nur wenig anders vorbereitet: «Einzig das Grundwissen der Zuhörenden ist unterschiedlich. Da muss ich mich jeweils anpassen. Ansonsten ist es der gleiche Prozess, wie wenn Uni-Studenten hinter den Bänken sitzen.»

Natürlich ist die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder verglichen mit jungen Erwachsenen kürzer. So ist das Organisationsteam auch auf  kleine Unruhestifter vorbereitet. Auf den Treppen stehen Leute in orangefarbenen Shirts und ermahnen diejenigen, die andere stören oder zu laut sind. Interveniert werden muss jedoch nicht allzu oft, denn rund um Kurtcuoglu passiert genug Spannendes. Während nun die eine Testperson ihr Wasserbad verlässt, rennt die andere auf dem Laufband ruhig weiter. Die Assistierenden haben mittlerweile eine Tabelle an der Wandtafel erstellt, in die sie fortlaufend  die  Messtemperaturen der beiden Versuchskaninchen eingetragen haben. Das Resultat lässt sich sehen: Die Körperwärme des Probanden in der Wanne ist deutlich höher als diejenige seines joggenden Kollegen. Im Wasser kann der Mensch gar nicht oder kaum schwitzen und somit seine Körperwärme auch nicht regulieren.

Fragen über Fragen

Abschliessend ist eine fünfzehnminütige Fragerunde eingeplant. Studierende der Uni würden sich diese freiwillige Viertelstunde wohl getrost schenken. Doch Kinder wären nicht Kinder, würden  sie einen nicht überraschen. Kaum ist der erste Arm oben, schnellen nach und nach weitere in die Luft. Die orangeneAufpasser und Aufpasserinnen sind jetzt orange Mikrofonstative und gehen zu den unzähligen Neugierigen, die den Professor befragen wollen. Eine Schülerin will wissen, welche Deodorant-Sprays eigentlich empfehlenswert sind. Die besten seien solche, die kein Aluminium enthalten, so die Antwort von Kurtcuoglu. Der Professor und sein Team kommen gar nicht nach mit Fragenbeantworten. Keine Chance, alle Kinder dranzunehmen: Dazu fehlt schlicht die Zeit.

Die zweite Vorlesung der Kinder-Universität Zürich in diesem Herbstsemester wird beendet und die Kinder verlassen den Saal zackig, aber auch satt. Gesättigt mit neuem Wissen und einer Hausaufgabe; für nächste Woche sollen sie doch bitte ihren Lieblingswitz per Mail schicken. Es wird um Humor gehen. Und bestimmt viel gelacht werden. ◊

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