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    Jason Williamsons Bühnenpräsenz erinnert an eine wütende Ballerina.(Bild: zVg)

Sleaford Mods: Wippende Massen im Mascotte

in Campus von

Ein Haufen schwitzender Männer, die stark wippend zum dröhnenden Beat die Sicht auf die Bühne verdecken. Das Konzert der Sleaford Mods im Mascotte erinnerte an eine Pöbelei in einem englischen Pub.

In der Schlange vor dem Konzertlokal wird schnell klar, wer das unverkennbare Duo aus Nottingham live sehen will. Als durchschnittlich grosser, weiblicher Fan anfangs Zwanzig bin ich auf allen Ebenen in der Unterzahl. Für die einwandfreie Bühnensicht könnte diese Tatsache problematisch werden, für das Anstehen vor der Damentoilette hingegen ein selten dagewesener Vorteil. Vor der Bühne fühlt man sich nicht wie im Clubraum des Mascottes, sondern viel mehr wie in einem überbevölkerten Feierabendpub irgendwo im Norden Englands. Ein bisschen so, als ob man jeden mit «Mate» ansprechen oder kurzerhand eine Kneipenschlägerei starten könnte. Trotzdem ist die Stimmung friedlich und beinahe überschwänglich. Noch dominieren aneinanderstossende Bierflaschen die Klanglandschaft.

Als die ersten Bassklänge beginnen aus den Boxen zu dröhnen, kommt Bewegung in die Masse. Jason Williamsons unglaubliche Bühnenpräsenz zieht alle in seinen Bann. Der Sänger der Sleaford Mods umklammert sein Mikrofon und bellt, rappt und schreit seine wütenden Parolen in die Menge. Das Ganze wird von Andrew Fearns unverkennbar abgemischten Beats umhüllt. Die Boxen zittern und lassen die Bässe und elektronischen Samples auf den Tanzboden prasseln. Während Williamsons Stimme mit seinem nie abreissenden Pöbelton das Publikum fesselt, wippt Produzent Fearn intensiv zu seinen eigenen Beats und rappt lautlos zu den Texten mit.

Die schwarze Masse im Zuschauerraum macht es ihnen gleich. Die Art und Weise sich zur dröhnenden basslastigen Musik zu bewegen, lässt sich in zwei Formen aufteilen: Starkes Wippen oder Pogen. Die Basslinien der verschiedenen Lieder fliessen ineinander und werden nur gelegentlich vom Sänger unterbrochen. Vereinzelt verlässt er seine Bühnenrolle und tanzt wie eine semigrazile Ballerina oder schreit Parolen wie «UKIP Bastards» in die Menge. Zwischen all den politischen Themen und ironischen Texten wie «A trip to Spar is like trip to Mars» nehmen sich die Sleaford Mods nicht allzu ernst. Und dies trotz der geballten Unzufriedenheit der Arbeiterklasse, die aus ihrer Musik mitschwingt. Dementsprechend schliesst der 48-jährige Williamson aus Nottingham, wie es sich für einen Rebellen gehört, den Abend gekonnt mit einem Mic-Dop ab.

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