Spannende Lügen

von

Der Regisseur Tate Taylor, der zuletzt grosse Beachtung für seine Verfilmung von «The Help» erfuhr, hat sich erneut an eine Buch-Adaption gewagt. Der Roman «The Girl On The Train» führte dreizehn Wochen lang die New York Times Bestseller-Liste an, nun kommt die Geschichte ins Kino. 

An Rachel, der Hauptfigur und Erzählerin des Films, fallen schnell zwei Dinge auf: Sie ist alkoholabhängig und sehr, sehr traurig. Sie ist besessen von einem jungen Ehepaar, dessen perfektes Haus und idyllisches Leben sie Tag für Tag von ihrem Platz im Zug aus beobachtet. Der Alltag der Hipwells wird zum Vehikel für ihre persönlichen Sehnsüchte, da Rachels eigene Ehe in die Brüche ging. Doch eines Morgens wird sie Zeugin eines Vorfalls auf der Terrasse der Hipwells, der die Fundamente ihrer zurechtgelegten Scheinwelt erschüttert und in dessen Folge die ganze Chronik einer Tat aufgerollt wird. Rachel beginnt, sich in die Ermittlungen einzumischen und somit der Nachbarschaft, die sie schon so lange beobachtet hat, näher zu kommen – vielleicht sogar näher, als gut für sie ist.

«The Girl On The Train» ist ein rasant angelegter Psychothriller, dessen bisweilen ätherische Ausleuchtung einen angenehmen Kontrastpunkt zur verworrenen Storyline setzt. Die Szenerie, in warmes Sonnenlicht getaucht, macht den beklemmenden Grundton des Filmes mehr spür- als sichtbar. Obwohl einige der Figuren manchmal etwas eindimensional wirken, versteht Taylor es, die Zuschauerinnen und Zuschauer bis zum Schluss an der Nase herumzuführen. Wenn eine der Figuren mit selbstgefälligem Lächeln ihrem Psychiater erklärt, dass sie «die ganze Zeit lüge, weil sie die Dinge vage behalten müsse», dann könnte dieser Satz aus dem Mund jedes Charakters stammen. Man weiss nie genau, wem oder was man glauben kann. Diese Stärke verschuldet aber zugleich das Manko des Films: Die Auflösung kann einfach nicht halten, was die kontinuierlich aufgebaute Spannung verspricht.

The Girl on the Train (112 Min.)
Regie: Tate Taylor
Kinostart: 27. Oktober 2016

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