Demonstrierende halten Transparante und laufen zum brasilianischen Konsulat (Bild: Jonathan Progin).

Spontane Demo für den Amazonas in Zürich

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Über 200 Menschen haben am Freitag vor dem brasilianischen Konsulat für den Amazonas-Regenwald demonstriert. Auch die Klimastreikbewegung beteiligte sich – zusammen mit vielen Studierenden.

Plötzlich waren die Instagram-Stories gefüllt mit schrecklichen Bildern vom Amazonas-Regenwald: tausende Hektar Wald in Flammen, eine Schneise der Verwüstung, die sich wie eine schwarze Naht durch den grünen Teppich Brasiliens zieht. Es kursierten Aufnahmen von dichten Rauchwolken über der Millionenstadt Sao Paolo. Ein Weltuntergangsszenario, aber in echt.

Was sich am Anfang unter dem Hashtag #PrayforAmazonia auf Social Media verbreitete, mündet am Freitag in einem Umzug auf den Strassen von Zürich. Über 200 Menschen schwänzen die Schule, verlängern ihre Mittagspause oder nehmen sich für diesen Streik spontan Zeit. Vom Platzspitz aus spazieren die Demonstrierenden gemächlich zum brasilianischen Konsulat unterhalb des Schauffhauserplatzes. Düstere Trommelschläge, die an einen Trauermarsch erinnern, begleiten die Sprechchöre. «What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!» oder portugiesische Parolen wie «Os nossos pulmões estão ardendo», unsere Lungen brennen.

Politisch gewollte Umweltzerstörung

Seit Wochen wüten verheerende Waldbrände im grössten Regenwald der Erde. Alleine in diesem Jahr verzeichnete das brasilianische Nationale Institut für Weltraumforschung (Inpe) einen Anstieg um 84 Prozent im Vergleich zu 2018. Die Feuer sind zu grossen Teilen auf illegale Rodungen der Agrarindustrie zurückzuführen. Ziel: Viehland für die Produktion von Rinderfleisch zu gewinnen und weitere Infrastruktur für das Ausbeuten der natürlichen Ressourcen zu erschliessen. Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro ist seit dem 1. Januar im Amt und lässt keinen Zweifel offen, dass er das Abbrennen des Regenwaldes unterstützt. «Wir werden den Amazonas ausbeuten. Er gehört uns», sagte er im Juli trocken.

Parolen und Gesang vor dem brasilianischen Konsulat in Zürich (Bild: Jonathan Progin).

Der Demonstrationszug steht nun vor dem brasilianischen Generalkonsulat. Junge Menschen mit Klimastreik-Sticker auf ihren Rucksäcken kritisieren die Tatenlosigkeit der Regierung in Brasilia aufs Schärfste. «Für das Klima heisst auch gegen Bolsonaro», erklärt eine Brasilianerin aus dem Kanton Zürich, die extra für die Demo in die Stadt gekommen ist. Auf die Situation im südamerikanischen Land angesprochen, sagt sie, dass das Bewusstsein für den Regenwald gestiegen sei, trotzdem blieben viele Bolsonaro treu.

Spontan und international organisiert

Ein Grossteil der Demonstrierenden beteiligen sich aktiv in der Klimabewegung. So auch die 18-jährige Leah Heuri. Sie unterhält zusammen mit anderen die lokalen Klimastreik-Kanäle auf Facebook und Instagram und erklärt wie die heutige Aktion entstanden ist: «Es ist alles sehr spontan passiert. Aktive Menschen aus dem Klimastreik-Kollektiv haben sich organisiert und alles gemeinsam aufgezogen.» Neben Zürich sind auch Personen in Bern, Lausanne oder Basel auf die Strasse gegangen. Doch die Aktionen haben sich laut Leah nicht nur auf die Schweiz beschränkt: «Die internationale Organisation von Fridays for Future hat ein Infoblatt an die nationalen Kollektive gesendet und zu Streiks aufgerufen.»

Gegen halb zwei Uhr löst sich die Menschentraube vor dem Generalkonsulat langsam auf. Die Polizei, die die Demo kurz nach Versammlungsbeginn bewilligt hatte, zieht sich zurück. Einige Streikende hören den Liedern zu, die aus der mitgebrachten Musikanlage dröhnen. Mittlerweile schauen auch keine Mitarbeitenden aus den Fenstern des Konsulats mehr zu – seit 13 Uhr haben sie offiziell Feierabend.

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