Studiengang mit Zukunft

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China wird weltpolitisch immer wichtiger. Doch Sinologie studieren nur wenige.

«Alles, was auf irgendeine Art und Weise mit China zu tun hat, ist Sinologie», sagt Masterstudentin Samira. Denn der Wortteil «Sina» bezeichne im Altgriechischen das heutige China. Nicht nur mit der Sprache Chinas, sondern mit  verschiedenen Themengebieten bis hin zur Politik beschäftigen sich die Studierenden dieses Fachs. Doch was bedeutet das für das Studium? «An der Uni bedeutet das vor allem Chinesisch lernen», sagt Samira. Immerhin machen Sprachkurse mit 60 ECTS-Punkten einen Drittel des Bachelor-Studiums aus.

Grösste chinesische Bibliothek in Europa

Der Rest des Studiums wird von verschiedenen Seminaren und Methodenkursen gefüllt. Studis können dabei zwischen zwei Schwerpunkten auswählen: Modernes oder antikes China. Ein wichtiger Aspekt des Schwerpunkts modernes China sind Taiwan und Hongkong. So gibt es regelmässig Kurse zu den politischen Beziehungen zwischen Taiwan und China oder Vertiefungen zur Literatur von Hongkong.

Auch im Fach antikes China spielt die Literatur eine wichtige Rolle. Zwei Jahre Antikchinesisch sind im Hauptfach Pflicht. Ausserdem arbeitet mit Professor Wolfgang Behr einer der renommiertesten Experten in diesem Gebiet an der Uni Zürich. Überhaupt ist die Zürcher Sinologie im internationalen Raum bekannt. Das Institut besitzt gemäss der Webseite die grösste chinesischsprachige Bibliothek in ganz Europa.

«Das eigentliche Studium beginnt aber erst im Master», sagt Samira. Erst dann könnten Studierende sich in ein Thema vertiefen. Im Bachelor bleibe neben den Sprachkursen zu wenig Zeit. Die abertausend Schriftzeichen seien sicher die grösste Hürde, was die meisten Mitstudierenden bestätigen dürften. Die Grammatik hingegen sei erstaunlich einfach. Die habe man nach einem  knappen Jahr in der Tasche. Künftige Chinacracks sollten jedoch gewarnt sein: Speziell im Nebenfach ist der Zeitaufwand enorm.

Vielfältige Berufsmöglichkeiten

Was werden Studis nach dem Abschluss in Sinologie? Wer nur den Bachelor macht, habe danach oft nur noch wenig mit Sinologie zu tun, sagt Samira. Nach dem Master hingegen tue sich nebst der akademische Karriere einiges auf; zum Beispiel bei international tätigen Firmen. Lehrkräfte und Übersetzende seien ebenfalls gefragt. Chinas steigender Anteil am globalen Tourismus fördere auch in dieser Branche die Nachfrage. «Auch der Bund ist ein guter Arbeitgeber, denn Chinesischsprechende sind hierzulande nicht gerade häufig anzutreffen.»

Samira fasst wie folgt zusammen: «In der Arbeitswelt wird man kaum auf ein Inserat treffen, in dem nach einer Sinologin oder einem Sinologen gesucht wird. Da müssen sich eben alle eine eigene Nische schaffen.» Und das dürfte auch machbar sein, denn die Konkurrenz ist klein: Lediglich 20 bis 30 Leute beginnen jährlich mit diesem Studium. Davon verlassen einige den Studiengang bereits nach ein bis zwei Semestern. Meistens, weil der Aufwand die Erwartungen übertrifft. Das hat aber auch etwas Gutes, denn in einem kleinen Studiengang kennen sich alle, und Freundschaften werden so schneller geschlossen als in einem anonymen Vorlesungssaal.

Dabei ist China als bevölkerungsreichstes Land und zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt definitiv nicht mehr ignorierbar – der perfekte Zeitpunkt also, Sinologie zu studieren.

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