Der VSUZH stopft Löcher in der Kasse des Fachvereins Psychologie. (Bild: Oliver Camenzind)

Studigelder für fragwürdige Skripte

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Der Fachverein Psycholgie verkaufte Skripte über den Studiladen. Weil dieser pleite ist, zahlt nun der VSUZH. Das kostet die Studis 5’000 Franken. 

Es sind die gleichen Schlaumeier, die sich für die Deutschmatura mit Koenigs-Erläuterungen eindeckten. Viele Studierende versuchen ihre Noten durch zusätzliche Lernmaterialien zu optimieren. Während sogenannte schwarze Skripte früher noch durch die Hörsäle zirkulierten, sind sie heute im Internet auffindbar. Einige Studierende sind auch bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen. Ergänzende Materialien wie Zusammenfassungen, Skripte oder Karteikarten sind für Geld zu haben. Angeboten werden sie von privaten Unternehmen. Das ist durchaus problematisch.

Geschäft mit der Angst 

Neben den Lehrmitteln, die ausgewiesene Fachleute, nämlich die Dozierenden, zur Verfügung stellen, sind auch Lernmittel erhältlich, welche bessere Chancen bei der Prüfung versprechen. Das erzeugt Druck auf alle Studierenden, die sich um ihre Noten sorgen. Eine andere Frage ist, ob die Lernmittel auch halten, was sie versprechen. Getrieben wird das Geschäft wohl zu einem guten Teil auch von der Prüfungsangst ebendieser Studierenden. Es erstaunt nicht, dass besonders Studierende der Assessmentstufe grosser Studiengänge gerne auf solche Materialien zurückgreifen. Je grösser und wichtiger eine Klausur, je uniformer die Fragen – gerade bei Multiple-Choice – und je mehr reines Wissen gefragt ist, desto einfacher ist es, sich spezifisch auf die Klausur vorzubereiten. Auch für Dozierende kann es störend sein, wenn vermehrt mit nicht autorisierten Materialien anstelle ihrer Unterlagen gelernt wird.

Selbst wenn das Lernmittel explizit für einen Kurs bestimmt ist und sich auf dessen Unterlagen stützt, wird es für die Dozierenden schwierig, sich zu wehren. Die Urheber haben lediglich auf die Darstellung ihrer Unterlagen ein Recht, nicht auf den Inhalt. Für die Studierenden selbst stellt sich ein anderes Problem: Wer garantiert, dass die so erworbenen Informationen korrekt und aktuell sind? Und wer haftet im Zweifelsfall?

Nachfrage ist vorhanden

Als einziger Fachverein mischt auch der Fachverein Psychologie (FAPS) in dem Geschäft mit. Seit rund zehn Jahren sammelt dieser von Studierenden geschriebene Zusammenfassungen, welche dann vom Vorstand zum Verkauf geprüft werden. Derartige Skripte sind zu fast allen Veranstaltungen der Assessmentjahre sowie einigen der Aufbaustufe erhältlich und kosten um die 17 Franken. Ein Teil des Gewinns geht an die Verfasserin oder den Verfasser, den Rest verwendet der FAPS für Veranstaltungen. «Die durch uns geprüften Zusammenfassungen stos-sen auf Nachfrage. Gerade Studierende der Assessmentstufe kaufen und schätzen unsere Skripte, obwohl es im Internet auch kostenlose Zusammenfassungen gibt», sagt Sascha Sauer, Vorstandsmitglied des FAPS. Auch von Seiten des Psychologischen Instituts äussert man sich positiv über den Dienst des Fachvereins. Insbesondere werde von den Dozierenden geschätzt, dass in den Skripten klar vermerkt ist, dass die Inhalte nicht von den Professorinnen und Professoren überprüft sind und diese somit nicht für Fehler belangt werden können. Zudem würden für Veranstaltungen von Dozierenden, die das nicht wollen, keine Skripte verkauft.

FAPS bleibt auf seinen Kosten sitzen

Den Druck der Skripte besorgte bis anhin die Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich (ZSUZ), verkauft wurden sie im Studentenladen ebendieser sowie direkt im Büro des Fachvereins. Anfang des Semesters schoss der Fachverein jeweils die Druckkosten vor, Ende Semester floss dann der Verkaufserlös zurück in die Kassen. Mit dem Konkurs der ZSUZ letzten Herbst blieb der Erlös jedoch aus. In seiner misslichen Lage entschied sich der FAPS, der eine jährliche Bilanzsumme von über 50’000 Franken verzeichnet, beim VSUZH einen Antrag über die Höhe des entgangenen Erlöses zu stellen. Das sind rund 5’000 Franken.

«Der VSUZH betreibt eigens einen Fonds, der für die Fachvereine bestimmt ist. Da uns keine Schuld an dem Konkurs der ZSUZ trifft, hielten wir es für angemessen, vom VSUZH auf diese Weise unterstützt zu werden, damit uns künftig das Geld für Veranstaltungen nicht fehlt», argumentiert Sauer, der auch Ratsmitglied des VSUZH ist. Zudem stehe der VSUZH aufgrund der personellen Verflechtung in einer «moralischen Verpflichtung», da regelmässig ehemalige Ratsmitglieder des VSUZH in den Stiftungsrat der ZSUZ gewählt wurden und dort die Mehrheit stellten.

Kein Notgroschen für Fachvereine

Tobias Hensel, langjähriges Ratsmitglied des VSUZH, welches sich gegen den Antrag aussprach, muss schmunzeln. Beides sei im Grunde korrekt. Die ZSUZ und der VSUZH  hätten eine lange Geschichte des Zusammenlebens. «Die ZSUZ wollte jedoch auch bei seiner Neugründung immer unabhängig vom VSUZH bleiben.» Der genannte Fonds sei für die Realisierung besonderer Projekte von Fachvereinen bestimmt. Der FAPS hätte also für die Durchführung bestimmter Veranstaltungen Geld beantragen können. Als Notgroschen für Fachvereine, die sich in unerspriessliche Geschäfte verwickelt haben, sei der Fonds aber nicht gedacht. Zudem sei der geforderte Betrag unüblich hoch.

Tatsächlich mag sich manch eine und manch einer wundern, weshalb der Antrag denn auf den Verkaufserlös – also den Ladenpreis mit Marge – und nicht etwa bloss auf die bereits bezahlten Druckkosten gestellt wurde. Daran habe man nicht gedacht, sagt Sauer. Jedoch helfe der Gewinn ja gerade dabei, einen kleinen Teil der Veranstaltungen für alle Studierenden zu finanzieren. Auch im Rat des VSUZH scheint man sich darüber keine Gedanken gemacht zu haben. Zwar gab es eine Wortmeldung, den Antrag auf eine tiefere Summe zu kürzen, diese blieb jedoch unbeantwortet. Weitere Wortmeldungen appellierten an die Solidarität gegenüber den Fachvereinen. Daraufhin erhörte man das Anliegen des FAPS. So hat der VSUZH dem FAPS fast diskussionslos nicht nur den Verlust amortisiert, sondern auch noch den entgangenen Gewinn seiner Geschäfte eingefahren.

Verpufftes Geld

Der Fachverein Psychologie kann somit von Sorgen befreit ins neue Semester starten. Falls ihm aus der Konkursmasse der ZSUZ noch Geld zukommen sollte, werde man dieses dem VSUZH zurückzahlen. Jener wird allerdings besser daran tun, damit zu leben, dass das Geld verpufft ist. Es ist klar, dass eine solche Zuwendung forderungslos geschieht.  Als Dank wurde versprochen, das VSUZH-Logo künftig auf die Skripte zu drucken. Ein Signal an andere Fachvereine, sich aus dem Geschäft mit Skripten herauszuhalten, ist das mit Sicherheit nicht. Es sei ihm nicht darum gegangen, dass der FAPS einen Schuh voll aus der Sache herausziehen solle, sagt Hensel, «es wäre aber begrüssenswert, wenn sich der FAPS das Geschehene zum Anlass nimmt, seine Verantwortung gegenüber den Studierenden und der Universität zu überdenken.» ◊

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3 Comments

  1. Anstatt sich mal endlich mit der Frage auseinanderzusetzen, wer genau bei diesem ominösen Nachtseminar-Konstrukt Geld verdient und wie viel, wird nun versucht, Fachvereine in Misskredit zu bringen?

    • Ich kann es dir ganz einfach erklären. Beim Nachtseminar erhält der Fachverein (oder andere Studiorganisationen wie z.B. der VSUZH) einen Drittel des Gewinns. Ein Drittel geht an die Eventagentur, die die Idee für das Nachtseminar hatte und die praktisch die komplette Organisation übernimmt. Das letzte drittel des Gewinns geht an das Plaza. Allfällige verluste werden vom Plaza und der Eventagentur getragen.
      (Ps. die Eventagentur besteht zum grossteil auch aus Studierenden und stellt auch viele Studis an).

  2. Um was geht es hier bei diesem Artikel eigentlich genau?

    Geht es darum den FAPS, den VSUZH oder den ZSUZ anzuprangern?
    Der Titel ist doch völlig missverständlich.

    Eine Erläuterung seitens Redaktion wäre sehr schön 🙂

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