Das «VSUZH Stübli» mit seinem Industrie-Look hätte viel Platz zu bieten (Bild: Sumanie Gächter).

Stübli ohne Studis

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Der VSUZH unterhält einen Aufenthaltsraum am Irchel. Genutzt wird er aber kaum.

Der Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH) hat dieses Jahr auf dem Irchel einen neuen Aufenthaltsraum für Studierende eröffnet: das «VSUZH Stübli». Das helle Stübli liegt hinter dem Anthropologischen Museum, direkt zwischen der Tramhaltestelle und den Unigebäuden. Obwohl die Räumlichkeiten bereits seit letztem Mai geöffnet sind, scheinen die meisten Studierenden nicht zu wissen, dass es überhaupt existiert. Viele laufen ganz einfach daran vorbei. Geplant war eigentlich eine Begegnungsstätte für Studis aller Studienrichtungen.

Dem Co-Präsidenten des VSUZH Isaias Moser zufolge soll das Stübli «ein Ort zum Lernen und Chillen» sein. Daniel Schnider, einer der raren Stammgäste des Stübli, schätzt es wegen seiner «angenehmen Lernatmosphäre» und zieht es deshalb anderen Lernplätzen am Irchel wie dem Strickhof oder der naturwissenschaftlichen Bibliothek vor. «Die Stimmung ist viel gelassener, weniger angespannt und vor allem weniger erdrückend», sagt er.

Industrielle Ausstrahlung

Wer den neuen Studi-Unterschlupf betritt, gelangt in einen Raum mit industrieller Ausstrahlung. Eine Wand zieren leere Bücherregale. Hell beleuchtete weisse Tische kontrastieren mit einem kuscheligen Sofa, ein paar gemütlichen Teppichen und farbiger Party-Deko. Um die Ecke gibt es mehrere Tische zum Lernen sowie einen Mikrowellenherd, einen Wasserkocher und eine Kaffeemaschine für Mittags- und Kaffeepausen. Studis sitzen zu zweit oder zu dritt da und sind in Gespräche vertieft. Für Leute, die ungestört in aller Ruhe stundenlang lernen wollen, ist das nicht optimal, aber dazu war das Stübli auch nicht gedacht.

Ehemalige Räume des Studierendenladens

Die Räumlichkeiten waren zuvor eineinhalb Jahre ungenutzt und standen geisterhaft leer. Ursprünglich versorgte an diesem Standort der Studiladen Studierende mit Krimskrams und Lernutensilien für den Alltag. Der Laden gehörte der Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich (ZSUZ), diese ging aber im November 2017 Konkurs (die ZS begleitete den Fall online). Seither blieb der Raum leer. Der VSUZH bemüht sich, Lösungen zu finden, um die ehemaligen Angebote der ZSUZ zu ersetzen. So hat er auch die Kiosks am Irchel und im Zen-
trum ins Leben gerufen.

Der VSUZH erhielt die Lokalität von der Universität als einjähriges Provisorium. Der Verband hofft aber, sie darüber hinaus behalten zu können. Weil der Raum Studierenden zur Verfügung stehen soll und der VSUZH kein Geld mit dem Stübli verdient, muss er für den Standort keine Miete zahlen.

Platz für Veranstaltungen

Das Stübli gibt es mittlerweile seit einem halben Jahr. Seit der provisorischen Möblierung im Mai hat sich jedoch nicht viel verändert. Das gibt auch Moser zu. Dabei könnte das Stübli noch einiges heimeliger werden. «Wir sind offen für Inputs», betont er und sagt: «Uns ist aufgefallen, dass das Stübli hauptsächlich zum Lernen benutzt wird.» Dennoch soll der Raum anpassbar bleiben. Momentan können alle Möbel für Veranstaltungen zur Seite geschoben werden. Das Stübli könne so für verschiedenste Zwecke genutzt werden, beispielsweise für das Irchel-Oktoberfest. Bis jetzt ist dies jedoch die einzige Veranstaltung, die dort stattgefunden hat.

Entgegen dem, was der VSUZH im Mai auf Facebook euphorisch angekündigt hatte, scheint das Stübli noch nicht «the place to be» zu sein.

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