Obwohl die Kleider schon einmal getragen wurden, sind sie nicht gerade günstig. Foto: Vivian Adams

Obwohl die Kleider schon einmal getragen wurden, sind sie nicht gerade günstig. Foto: Vivian Adams

Teurer als gedacht

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Kleidung aus zweiter Hand müffelt nicht mehr. Lohnt sich ein Besuch im Secondhand-Laden auch für Studentinnen?

Secondhand verliert sein staubiges Image. Immer mehr Leute kaufen Kleider, die schon getragen wurden. «Den Leuten wird Nachhaltigkeit immer wichtiger», sagt Laura Breitenmoser vom Secondhand-Geschäft Razzo. Den Laden gibt es schon seit vierzig Jahren, er entstand noch bevor Nachhaltigkeit zum Trend wurde. Hier kann man Secondhandkleider kaufen, die Privatpersonen vorbeibringen. Verkauft werden nur Kleider, die eine gute Qualität aufweisen. «Wir haben unter anderem auch einige Markenkleider im Angebot», so Breitenmoser. Durch die Marke und die Qualität kommt der Preis zustande, der bei einem dünnen Pullover bei über 100 Franken liegt. «Trotzdem sind wir billiger als andere Secondhandgeschäfte, und unsere Kundinnen sind oft schockiert, was sie bei uns für gute Deals abstauben», so Breitenmoser.

Nicht gleich Brocki

Ein ähnliches Prinzip verfolgt Manuela Zamuner in ihrem Geschäft Déjà vu. Ihre Preise befinden sich im selben Segment wie bei Razzo. Sie rechtfertigt den Preis ebenfalls durch die gute Qualität: «Die Kleider, die ich verkaufe, dürfen nicht älter sein als drei Jahre», erklärt sie. «Meine Kundinnen wollen Secondhand kaufen, aber man darf es der Kleidung nicht ansehen.» Hinzu kommt, dass die Frauen, die ihre Kleider bei ihr abgeben, einen Teil des Erlöses bekommen. «Das unterscheidet mein Geschäft von einem Brockenhaus, das den Kleiderspenderinnen kein Geld gibt», sagt Zamuner. Dadurch können die Brockis, im Vergleich zu ihr die Kleider zu einem billigeren Preis verkaufen. Fakt ist, dass ihr Geschäft schöner daherkommt als ein Brocki und definitiv nicht so stark nach muffigen Kleidern riecht.

Der Handel mit Secondhand

In Beat Krengers Geschäft Lux Plus läuft es anders ab. Die Kleider, die er verkauft, kommen nicht von Privatpersonen. Er sucht sie alle selber aus. Dafür hat er im Ausland Kontakte, die sich auf Secondhandkleider spezialisiert haben. «Früher wühlte ich mich durch riesige Lagerhallen voller Kleidungsstücke», sagt er. Heute kauft er gezielt einzelne Highlights ein. Er pickt dabei die Kleider heraus, die die beste Qualität aufweisen, damit die heiklen Schweizer Kundinnen sie auch kaufen. Kleider von Fast-Fashion-Anbieterinnen sucht er generell nie aus. «Die Kleider müssen entweder den momentanen Trends entsprechen oder ein Klassiker sein», erzählt er.

«Gute Secondhandkleidung
zu finden wird immer schwieriger.»

Der Preis, zu dem er sie verkauft, hängt davon ab, wie viel er den Anbieterinnen bezahlen muss und wie hoch die Zollgebühren sind. «Die Händlerinnen sind in den letzten Jahren mit ihren Preisen immer weiter hochgegangen, und gute Secondhandkleidung zu finden wird immer schwieriger. Der Preis, zu dem ich die Kleider am Ende verkaufe, darf nicht zu hoch sein, aber man muss schliesslich auch etwas daran verdienen können», sagt Krenger. Weil das mit seinem Geschäft nicht mehr möglich ist, geht es Ende Mai zu.

Wo bleiben die Studentinnen?

Bei meinem Besuch in den Geschäften fällt mir auf, dass ich jeweils die Jüngste bin. Zamuner und Breitenmoser versichern jedoch, dass sie Kundinnen aus allen Altersklassen bedienen. Krenger sagt, dass Studentinnen bei ihm im Geschäft fehlen. Ist es ihnen zu teuer, bei ihm einzukaufen? Er versteht, dass preisbewusste Studentinnen bei H&M billiger einkaufen können. Aber hat er einen Tipp, wie man mit einem knappen Budget im Modebereich nachhaltig sein kann: «Wenn ein Kleidungsstück nicht mehr so passt, wie man es gerne hätte, kann man es in eine Schneiderei bringen.» Dort könne der Schnitt eines Kleidungsstücks für wenig Geld geändert werden, so dass es einen komplett neuen Look bekommt. «Dadurch wirft man seine Kleider nicht direkt weg, sondern gibt ihnen noch eine zweite Chance.»

Sehen aus wie neu: Secondhandkleider im Schaufenster eines Zürcher Geschäfts. Foto: Vivian Adams

Wie ist es also sonst noch möglich, sich nachhaltig zu kleiden, ohne 1’000 Franken für eine neue Garderobe auszugeben? Das Wichtigste ist, weniger Kleider einzukaufen, damit man weniger wegwirft. Wer die Finger aber nicht lassen kann vom Shoppen, sollte einen Blick ins Internet werfen. Auf der App Depop gibt es zum Beispiel einen riesigen Markt von Secondhandkleidern zu tiefen Preisen. Depop ist das Instagram für Secondhandkleider. Man kann sowohl seine eigenen Kleider zum Verkauf anbieten als auch anderen Händlerinnen folgen, um ihre Kleider zu kaufen.

Wer lieber gar kein Geld ausgibt, kann einen Kleidertausch mit seinen Freundinnen organisieren. Die Kleider, die am Ende niemand will, können entweder in die Kleidersammlung gegeben werden, oder man versucht, sie selbst umzunähen. Der kleine Shoppingtrip durch die Secondhandgeschäfte in Zürich hat mir die Augen geöffnet, wenn es um meinen Kleiderkonsum geht. Slowfashion muss nicht teuer sein und macht definitiv mehr Spass, als sich samstags durch die Menschenmengen in den Geschäften von Fast-Fashion-Anbietern zu quetschen.

In der Ausgabe #3/19 wird durchgehend das generische Femininum verwendet. Anlass ist der nationale Frauenstreik vom 14. Juni, der Thema dieser Ausgabe ist.

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