Zsofia Körös spielt Lena (Bild: Dino Sedić).

Unheimliche Nähe

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«Glaubenberg» ist ein unangenehmer Film. Der neue Film des Schweizer Regisseurs Thomas Imbach handelt von einer Liebe, die nicht sein darf. Die junge Lena (Zsofia Körös) ist hoffnungslos verliebt in Noah. Das Problem: Er ist ihr Bruder.

Als Publikum geraten wir in Bedrängnis. Wir fühlen zwar mit Lena mit, sind aber zugleich abgestossen von ihren Handlungen; genau wie die Figuren im Film – allen voran ihr eigener Bruder. Es ist eine kontroverse Thematik und keine einfache Rolle, die Zsofia Körös hier spielen durfte. Die Mehrheit der Einstellungen besteht aus Grossaufnahmen, was dem Film eine erschreckende Intimität verleiht. Wir sind näher dran am Geschehen, als wir es eigentlich sein möchten.

«Die Kamera war schon immer recht nah dran», gibt Körös verlegen im Gespräch mit der ZS zu, obwohl sie die Rolle mit einem erstaunlichen Selbstbewusstsein spielt. Während des neunwöchigen Drehs, erzählt Körös, hat sie die Aufnahmen nie zu Gesicht bekommen: «Thomas hat mir nie etwas gezeigt, damit ich mir nicht zu viele Gedanken mache.»

Im Film verschwimmen Realität und Lenas Fantasien immer mehr, je stärker die Obsession mit ihrem Bruder wird. Es ist teilweise nicht mehr klar, welche Gespräche sie wirklich führt und welche nur in ihrem Kopf stattfinden. Der Schnitt verbindet Lenas Leben und Fantasien zusätzlich mit ihren Kindheitserinnerungen auf dem Glaubenberg. Durch Slow-Motion wird den Bildern eine Traumhaftigkeit gegeben und Motive aus Ovids «Byblis und Kaunos» aufgegriffen. Diese Ungebundenheit von Raum und Zeit, Traum und Realität erinnert an Imbachs «Mary Queen of Scots» und tatsächlich sagt Körös, dass Imbach wollte, dass sie sich den Film während des Drehs ansah.

Glaubenberg ist kein Film für alle, vor allem durch sein langsames Tempo und die problematische Thematik, dürfte er einige abschrecken. Doch wer sich auf die Geschichte einlassen kann, findet eine gekonnte Umsetzung des Ovid-Mythos in der heutigen Zeit, zusammen mit einer starken Performance von Körös, die sich als Nachwuchstalent des Schweizer Kinos entpuppt.

«Glaubenberg» mit Zsofia Körös läuft ab dem 22. November im Kino.

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