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Unruhestiftungen

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Die Uni veröffentlicht eine Liste aller gestifteten Professuren. Nicht alle Fakultäten erfahren den gleichen Geldsegen.

Michelle Huber und Frederik von Gerlach – Transparenz ist ein erklärtes Ziel von Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich. Auf Anfang Jahr hat die Universität Zürich deshalb eine Liste veröffentlicht, die alle Stiftungsprofessuren an der Uni Zürich auflistet. Sie folgt damit der Uni Basel, die schon seit Längerem eine solche Liste führt.

Privates Geld

Eine Stiftungsprofessur ist eine Professur, die substanziell von Dritten oder Privaten finanziert wird. Die Geldgebenden können Stiftungen, Einzelpersonen oder Unternehmen sein. An der Universität Zürich trifft das zurzeit auf 27 Professuren zu. Unter den Sponsoren befinden sich beispielsweise die UBS, die Stiftung der Privatbank Vontobel oder die Stadt Aarau. Ja, sogar ein Scheich, Chalifa bin Zayid Al Nahyan, seines Zeichens Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, findet sich unter den Geldgebenden. Er stiftet gleich vier Assistenzprofessuren an der Medizinischen Fakultät.

Die Anzahl gestifteter Professuren hat in den vergangenen Jahren zugenommen und wird auch in Zukunft weiter wachsen. «Dies ist generell zu begrüssen», findet Hengartner. Die Finanzierung durch den Staat ist limitiert und die Studierendenzahlen steigen an. «Um der Doppelaufgabe von Lehre und Spitzenforschung gerecht zu werden, ist die Universität auf Stiftungsprofessuren angewiesen», so Hengartner. Stiftungsprofessuren sollten jedoch bloss eine Ergänzung sein. «Die Universität nur durch Schenkungen laufen zu lassen, wäre ein falsches Signal an die Politik», meint Hengartner.

Mögliche Interessenkonflikte

Allerdings sorgen gesponserte Lehrstühle immer wieder für Aufsehen. So beispielsweise an der Universität Basel, als der Pharmalobby-Verband Interpharma bei der Ernennung eines Professors mitredete und ausserdem 300’000 Franken in seine Pensionskasse einzahlte.

«Die Stiftungen haben an der Universität Zürich lediglich einen Einfluss auf das Themengebiet und kein Mitspracherecht bei der Auswahl des Professors oder der Professorin», versichert Hengartner. «Eine Einmischung wäre nicht nur für die UZH und die Professorin bzw. den Professor reputationsschädigend, sondern sie würde auch der Reputation der Stiftung Schaden zufügen. Der Geldgeber würde sich somit einen Bärendienst erweisen.»

Reicher Patient stiftet Geld

Ganz so einfach wie von Hengartner dargestellt, ist der Sachverhalt aber nicht. Denn bereits über diese Themensetzung können die Geldgebenden wissenschaftliche Schwerpunkte setzen, wodurch sie einen grossen Einfluss auf die Forschung haben. So sponsert Scheich Chalifa, einst selbst Patient der Universitätsklinik Zürich, vier Assistenzprofessuren im Bereich der Herzkreislaufforschung. Ernst Fehr, Vizepräsident des Wirtschaftsdepartements der Uni Zürich, gründete die Excellence Foundation Zurich mit dem Zweck, Gelder für das Volkswirtschaftliche Institut zu sammeln.

Insgesamt erhält die Medizinische Fakultät Beiträge von elf verschiedenen Förderern. Die wirtschaftswissenschaftliliche Fakultät kommt auf neun, die Philosophische Fakultät hingegen nur auf fünf Geldgebende. Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und Theologische Fakultät kommen gar nur auf je eine gestiftete Professur.

«Gesellschaftlich bedingt ist es so, dass Stiftungsprofessuren eher in gewissen Bereichen zu finden sind als in anderen», gesteht Hengartner ein. «Es ist daher Aufgabe der Universität, die öffentlichen Mittel, die ihr zur Verfügung gestellt sind, so einzusetzen und zu verteilen, dass auch Fachrichtungen, welche kaum Stiftungsprofessuren anziehen können, genügend Unterstützung erhalten.» Aber es kann nicht gut kommen, wenn über längere Zeit in gewisse Forschungsbereiche unverhältnismässig viel mehr als in andere investiert wird.

Mehr Drittmittel

Denn auch die Philosophische Fakultät zum Beispiel ist auf zusätzliche Mittel angewiesen. «Viele Forschungsprojekte in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind ohne Drittmittelfinanzierung gar nicht mehr durchführbar», erklärt Andreas Jucker, Dekan der Philosophischen Fakultät. Man habe die Summe der Drittmittel an der Philosophischen Fakultät seit dem Jahr 2010 bereits mehr als verdoppelt und werde alles daran setzen, um dort anzuknüpfen. Auch die Philosophische Fakultät kann es sich heute nicht mehr leisten, ohne solche Stiftungsgelder auszukommen.

Es ist zu begrüssen, dass die Universität Zürich ihre gestifteten Professuren offenlegt. Gleichzeitig gibt das Anlass, zukünftig genau hinzuschauen, wer der Uni Geld gibt und worin investiert wird. Damit die Schere zwischen den verschiedenen Studienrichtungen nicht auseinanderklafft und die Freiheit der Forschung gewährleistet bleibt. ◊

In Zusammenarbeit mit Michelle Huber

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