(Bild: Noemi Ehrat).

Kunstgeschichte zum Anfassen

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Im neuen Escape Room müssen Besuchende die Geister von verlorenen Künstler*innen-Seelen einfangen.

Früher verband man Escape Rooms vor allem mit den furchterregenden Saw-Filmen. Doch inzwischen zahlt eine breite Fanbasis bereitwillig Geld, um sich für eine Stunde in einem Raum einsperren zu lassen und Rätsel zu lösen, um sich wieder zu befreien. Die Escape Rooms sind zu einem allseits beliebten Gesellschaftsspiel geworden.

Auch der Art Escape Room «amuze unlocked» bietet die Möglichkeit, gemeinsam  zu rätseln. Er soll das trendige und weit bekannte Gemeinschaftsspiel mit Wissen über Kunstgeschichte verbinden. In ihrer Storyline befinden sich Spielende in einem «Pop-up-Museum», in welchem es gilt, die Rätsel hinter den Gemälden alter Meister*innen zu lösen, um so aus den Räumen ausbrechen zu können. Die Aufgaben sind um einiges schwieriger und brauchen mehr Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen als üblich. Das kann Frustration und Ver-zweiflung hervorrufen – bis einem die Supervisorin per Lautsprecher den rettenden Tipp gibt.

Kommunikation im Zentrum

Zudem steht die Kommunikation im Vordergrund: Das Team muss sich für den Grossteil der Zeit in zwei Räume aufteilen und per Telefon gekonnt kooperieren, denn: Keines der Rätsel lässt sich im Alleingang lösen. So bekommt das Projekt gerade von Leuten, die viel Erfahrung mit den Escape Rooms haben, sehr positives Feedback.

Keines der Rätsel im Escape Room lässt sich im Alleingang lösen.

Das Escape-Game besticht zudem durch seine Einzigartigkeit. Denn anders als erwartet handelt es sich dabei nicht um ein generisch dahingestelltes Spiel der Schweizer Marktführer wie «Escape Quest» oder «Adventure Rooms», sondern: Es ist im Alleingang von der kleinen Innovationsagentur «Artsnext» konzipiert und umgesetzt worden, die zuvor noch keine Erfahrung mit Escape Rooms hatte. Die drei Räume ihres Escape Games bieten somit eine willkommene Abwechslung in der Schweizer Szene. Das Herzstück bildet dabei der umwerfende Spiegelraum des Architekten-Paars Trix und Robert Haussmann.

Kunst für «digital natives»

Danica Zeier, Dozentin und stellvertretende Studienleiterin des Studiengangs «Strategic Design» an der ZHDK, ist die Gründerin von «Artsnext». Sie erzählt: «Mit dem Escape Room wollen wir auch nicht-kunstaffine Menschen und insbesondere ‹digital natives› in Kontakt mit Kunst und Museen bringen. Dabei setzen wir kein Vorwissen über Kunst voraus.» So richten sie sich mit dem Spruch: «Bock auf Kunst, aber Museen sind dir zu langweilig?» an die jüngere Generation.

Über die Methoden des «Design Thinking», sind sie durch Einbezug der jungen Zielgruppe zur Erkenntnis gelangt, dass Spiele wie ihr Escape Game dabei helfen können, komplexe Inhalte zu vermitteln: «Rein kognitive Vermittlung von komplexen Inhalten reicht heute nicht mehr aus; Lernen bedeutet heute Erleben und Anwendenkönnen», ist Zeier überzeugt. «Unser Escape-Room soll das unbewusste Lernen und das Lernen über Interaktion und Erfahrung fördern.»

Hinter den Bildern im Escape Room verstecken sich komplizierte Rätsel (Bild: Dominik Fischer).

Spielen zur Leistungssteigerung

Es ist erstaunlich, wie viel sich das Team von «Artsnext» überlegt hat, um einen neuen, interaktiven Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Doch genau so viel haben die Hersteller*innen leider über die wirtschaftlichen Einsatzmöglichkeiten des Raumes nachgedacht. So sympathisch der Raum, die Mitarbeitenden und das Gemeinschaftsspiel sind: Das Projekt ist gleichzeitig eingebettet in unternehmenspsychologische Schlagworte wie «Mindset», «Nudging», «Future skills» und «Employer Branding».

So nutzt die Innovationsagentur «Artsnext» ihren Raum für Unternehmens-Workshops, in welchen «für die Digitalisierung wesentliche Kompetenzen» gemessen werden können. Der Escape Room dient dabei als Labor, in welchem mit «Game-based assessments»  Kompetenzen gemessen und «aussagekräftige Stärkenprofile» hergestellt werden können, verrät die «Artsnext» Website.

Zwischen Kunst und Kommerz

Der Escape Room richtet sich somit nicht bloss an gelangweilte Millennials, sondern stellt sich zudem der Privatwirtschaft zur Verfügung. Kunstvermittlung auf der einen Seite, Workshops zur Leistungssteigerung auf der anderen? Das passt nicht wirklich zusammen.

Doch es scheint Realität zu sein, dass sich Kunst heutzutage für wirtschaftliche Zwecke vereinnahmen lassen muss, um auf Subventionen und Erfolg hoffen zu können. Unabhängig von den grossen Visionen der Entwickler*innen ist der Escape Room im Löwenbräu-Areal mit seinen einzigartigen Rätseln ein grossartiges Erlebnis für Neulinge und alte Hasen der Escape-Room-Szene zugleich. 

Die ZS hat Tickets für fünf Spiele à 4–6 Personen verlost. Die Verlosung ist beendet, eine Teilnahme ist nicht mehr möglich.

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