Mats Inauen

Vom Austausch berauscht

in Im Austausch/Thema von

In Glasgow wird mehr geprügelt, dafür weniger gebüffelt. Mats Inauen hat ein Semester in Schottland verbracht.

Zeit für Neues bleibt einem immer, man muss sie sich nur nehmen. So wie Mats: Der 20-jährige Student absolvierte vom letzten September bis kurz vor Weihnachten ein Austauschsemester an der University of Strathclyde in Glasgow. Dabei lernte er schnell: Schottland ist nichts für Weicheier. «Im Ausgang prügeln sich die Leute tendenziell mehr als in Zürich», sagt Mats leicht schmunzelnd. Doch die Schottinnen und Schotten, die er während seines Aufenthaltes angetroffen hat, seien keineswegs Rüpel oder Rabaukinnen: «Ich habe allgemein sehr offene und freundliche Leute kennengelernt.»

Erste Woche: Feiern

Seit Herbst 2016 studiert Mats Politikwissenschaften und Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. In seinem dritten Semester wollte er neue Erfahrungen sammeln und schrieb sich an einer ausländischen Hochschule ein: Die University of Strathclyde beherbergt mehr als 22’000 Studierende aus über 100 Nationen und ist eine von vier Unis in Glasgow.

Mats wohnte direkt auf dem Campus-Gelände und kann die internationale Ausrichtung von Strathclyde bestätigen: «Während der Freshers’ Week lernte ich viele Studierende aus aller Welt kennen.» Die Freshers’ Week ist die erste Woche des Semesters, in welcher keine Vorlesungen stattfinden und alle Studierenden jeden Abend zusammen feiern. Das mache es einem einfacher, neue Leute kennenzulernen.

Kein Bulimie-Lernen

Doch das Studium durfte natürlich nicht zu kurz kommen. Dafür musste der Austauschstudent auch etwas tun: «In Glasgow ist das Lesepensum eindeutig grösser als an der Uni Zürich», erinnert sich Mats. Dagegen schätzte er besonders den Aufbau der Prüfungen: Man habe den Stoff nicht auswendig lernen müssen, sondern sich auf das konzentrieren müssen, was man selbst am interessantesten fand. Denn an der Prüfung werde vor allem das Verständnis abgefragt, erklärt er weiter. Sogar die Profs haben mehrmals betont, dass man sich «kritisch mit dem Stoff auseinandersetzen» soll.

Wenn Mats ECTS-Punkte an Zürich oder Glasgow verteilen müsste, wäre es für ihn ein klarer Fall: «Ich musste in Glasgow weniger lernen und fühlte mich innerhalb des Fachs freier. Der Leistungsdruck ist im Vergleich zur Uni Zürich viel geringer.»

Die Kehrseite der Medaille? Mats antwortet prompt: «Die Uni Strathclyde hat leider nur vier Fakultäten. Ich war an der kleinen Sozialwissenschaftlichen Fakultät eingeschrieben und hatte deshalb nur eine spärliche Themenauswahl zur Verfügung.» Zürich biete in dieser Hinsicht ein grösseres Angebot, sagt er darum.

Gratis Museen für alle

Aber trotz all den vielfältigen Wahlmöglichkeiten am Politik-Institut in Oerlikon vermisst Mats besonders das soziale Zusammenleben. Denn in Glasgow sei das Campus-Gefühl viel besser zu spüren: «Alle treffen sich nach den Vorlesungen und Seminaren in der Bar auf dem Uni-Gelände», erzählt Mats.

Die viel gerügte Hochpreisinsel Schweiz spielt anscheinend eine nicht zu unterschätzende Rolle im Alltag eines Austauschstudenten. Mats sagt: «Weil alles günstiger ist, wirkt das öffentliche Leben in Schottland viel ausgeprägter.» So gebe es viele kleine Kunstlokale in der Innenstadt und fast überall Studi-Rabatte. Ausserdem ist der Eintritt in ein Museum für alle gratis. Mats stellt fest: «Glasgow ist nicht so krass gentrifiziert wie Zürich.»

Doch ein Wermutstropfen bleibt: Nach drei Uhr morgens müssen alle Klubs in der Stadt schliessen. Dann liegen «Frauen und Männer auf der Strasse und essen Fast Food.» Und so lernte Mats noch etwas mehr dazu: «Glasgows Pendant zur Langstrasse ist viel verruchter.» ◊

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